Science

Wordle spielen macht nicht intelligenter

Das webbasierte Worträtselspiel Wordle hat in den letzten Wochen sehr viele Nutzer*innen gewonnen, die zum Teil auf Twitter ihre Ergebnisse posten.

Spieler*innen befassen sich bei dem Einzelspieler-Puzzle, das Elemente verschiedener Spiele wie Scrabble kombiniert, mit ihrem Vokabular sowie mit Buchstabenhäufigkeit und -position.

Sowohl bei Scrabble als auch bei Wordle müssen die Spieler*innen ihr Wortgedächtnis auf der Grundlage von Buchstaben durchsuchen und die Buchstaben über verschiedene Positionen hinweg mischen, um Lösungen zu finden. Aufgrund dieser Ähnlichkeiten sind viele der bei Scrabble involvierten Gehirnprozesse wahrscheinlich auch beim Lösen von Wordles aktiv.

Professorin für Psychologie an der Universität von Calgary, Penny Pexman, hat Scrabble zusammen mit Kolleg*innen untersucht, um zu verstehen, wie Sprache im Gehirn verarbeitet wird und wie sich diese Verarbeitung mit der Erfahrung verändert. Das Ergebnis: Spiele wie Scrabble oder Wordle bringen außerhalb des Spielgeschehens keine messbaren Verbesserungen, wie sie in einem Beitrag von The Conversation schreibt.

Besser im Spiel

Scrabble-Profis verbringen viel Zeit mit dem Spiel, nehmen an Turnieren teil, lernen Wortlisten auswendig und üben das Mischen von Buchstabengruppen, um verschiedene Wörter zu bilden. Die Forscher*innen haben Wettbewerbsspieler*innen Aufgaben gestellt, um herauszufinden, wie all das Üben und Spielen von Scrabble ihre mentalen Prozesse verändert. Dabei haben sie festgestellt, dass sie Wörter schneller erkennen als diejenigen, die nicht regelmäßig Scrabble spielten – besonders bei vertikal präsentierten Wörtern. Außerdem erkennen sie Wörter schnell, ohne die Bedeutung vollständig zu verarbeiten, was wahrscheinlich daran liegt, dass die eigentliche Bedeutung im Spiel keine Rolle spielt.

Scrabble ist ein Brettspiel, bei dem man aus zufällig gezogenen Buchstaben Wörter legt und dabei Bonusfelder nutzen kann.

Sie suchten auch nach Veränderungen der sprachlichen Prozesse im Gehirn. Dabei fanden sie heraus, dass wettbewerbsfähige Scrabble-Spieler beim Erkennen von Wörtern und beim Treffen einfacher Entscheidungen ein anderes Netzwerk von Hirnarealen nutzen als diejenigen, die nicht wettbewerbsmäßig Scrabble spielen. Sie nutzten eher Gehirnregionen, die normalerweise mit dem visuellen Gedächtnis und der Wahrnehmung in Verbindung gebracht werden.

Nur Spielverbesserung

Die Forscher*innen ließen Profi-Scrabble-Spieler*innen und Scrabble-Amateur*innen Aufgaben lösen, die ähnlich wie das Spiel sind, aber Symbole statt Buchstaben beinhalten. Die Profis waren weder in Bezug auf ihre Verarbeitungsgeschwindigkeit noch bei der Genauigkeit besser als alle anderen. Scrabble schützt auch nicht vor Gehirnalterung. Ältere Scrabble-Spieler*innen zeigten normale Auswirkungen des Alterns.

Die Untersuchungen mit Personen, die keine Scrabble-Expert*innen sind, haben gezeigt, dass sich die mentalen Prozesse recht schnell verändern, wenn man ihnen eine neue Aufgabe zur Worterkennung stellt. Das bedeutet, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die Gewohnheit, Wordle zu spielen, bereits leichte Veränderungen in den Gehirnprozessen verursacht hat, die Sie zum Lösen der Rätsel verwenden. Diese Veränderungen helfen, Wordle zu spielen, aber wahrscheinlich helfen sie nicht bei anderen Dingen.

Popularität in der Pandemie

Es gibt, laut Pexman, wahrscheinlich viele Gründe, weshalb Millionen von Menschen Wordle spielen. Manche Menschen sollen ein (hohes) Erkenntnisbedürfnis bzw. mehr Spaß an Rätseln und Denkaufgaben haben.

Bei Wordle wird im Gegensatz zu Scrabble nur eine Aufgabe pro Tag veröffentlicht, die jeder lösen kann. Das Online-Game ermöglicht es uns außerdem, unsere Ergebnisse mit anderen zu teilen, ohne die Antwort zu verraten. In einer Zeit, in der viele Menschen das Gefühl von Isolation haben, gebe das Spiel eine Möglichkeit für gemeinsame Erfahrungen. Es handle sich um eine „tägliche Dosis komplexer Kognition in Kombination mit sozialer Interaktion.“

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