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03/01/2020

Apple hat umstrittene Gesichtsscan-App Clearview AI verbannt

Clearview AI geht es bei Apple derzeit an den Kragen. Unterdessen wurde die Kundenliste geleakt.

von Barbara Wimmer

Der 31-jährige Hoan Ton-That hat mit Clearview AI eine App entwickelt, die Gesichter mit allen „öffentlich verfügbaren“ Bildern, die von einer Person vorhanden sind, abgleicht. Die Daten stammen dabei von Social-Media-Diensten wie Facebook, Twitter, YouTube, und Millionen von Websites.

Die App gilt als umstritten und fragwürdig: Denn die Bilder wurden ohne Einverständnis der Nutzer gesammelt. Hat etwa jemand ein Bild von Facebook zu einem späteren Zeitpunkt wieder gelöscht, blieb es trotzdem in der App vorhanden. Die Datenbank der App soll rund drei Millionen Aufnahmen umfassen.

Apple entfernt App, Google noch nicht

Nun ist die App von Apple verbannt worden, wie „Techcrunch berichtet. Denn sie verstößt gegen die Nutzungsbedingungen für Entwickler von Apple. Die App war über den Umweg eines Amazon S3 Server auch für iOS verfügbar - allerdings nicht über den offiziellen Store. Diesen Weg großflächig zu nutzen, ist alles andere als legal. Nur Nutzer innerhalb von Clearview AI dürften die App auf diesem Weg installieren und verwenden, deshalb hat Apple jetzt reagiert.

Google hat bisher auf seinen Android-Geräten nichts gegen Clearview AI unternommen, aber das Unternehmen aufgefordert, alle Aufnahmen, die von YouTube stammen, zu löschen. Selbst wenn die Videos und Fotos öffentliche Aufnahmen darstellen sollten, ist sogenanntes „Scraping“, also das massenweise automatisierte Runterladen von Inhalten, bei den meisten Plattformen verboten, so auch bei YouTube.

Viel mehr Kunden als kommuniziert

Zuletzt wurde dem Betreiber die Kundendatenbank gestohlen und Auszüge daraus veröffentlicht. Die Anzahl der Kunden ist weitaus größer als ursprünglich kommuniziert. Ton-That hatte ursprünglich angegeben, dass rund 600 Polizeibehörden in den USA zu seinen Kunden zählten, doch die Datenbank hat enthüllt, dass Clearview AI bereits mehr als 2900 Kunden hat - darunter nicht nur Polizeibehörden aus den USA. Diese stellen zwar die Mehrheit dar, doch unter den Kunden befinden sich auch Supermärkte wie Walmart, Apotheken-Ketten, Casinos, eine Handelsplattform für Kryptowährungen. Der Macher der App hatte den Zugang offenbar anders als kommuniziert jedem verkauft, der danach gefragt hatte.

„Das ist komplett verrückt“, sagte Clare Gravie, ein Mitarbeiter der Law School in Georgetown, der auf Privatsphäre und Technologie spezialisiert ist, gegenüber BuzzFeed. BuzzFeed hatte Einblick in die gestohlene Kundendatenbank. „Es gibt keine klare Linie, wer Zugang zu den Daten bekommt und wer nicht. Das ist ein unfassbar mächtiges und riskantes Tool. Es gibt keine klare Trennlinie zwischen Behörden und Nicht-Behörden“, so Gravie.

Europa auf der Liste

Auch Kunden in Europa stehen auf der Liste derjenigen, die Zugang zur Clearview AI Datenbank erworben hatten. Österreich ist - entgegen der ersten Version eines Spiegel-Berichts - nicht darunter. Der Redakteur hatte „Österreich und Australien verwechselt“. Eine Anfrage direkt bei BuzzFeed läuft zum aktuellen Zeitpunkt noch. In Europa finden sich Kunden aus Belgien, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden und der Schweiz in der Liste.

Aus den gestohlenen Dokumenten geht jedoch auch hervor, wie oft Polizeibehörden die Datenbank eingesetzt hatten. Die Miami Police startete damit etwa 3000 Abfragen, der San Mateo County Sheriff knapp 2000 Anfragen, Philadelphia und Indianas State Police knapp 5700 Abfragen. Auch das FBI soll die Datenbank nutzen. In den USA scheint es kein Gesetz zu geben, dass diese Art von Gesichtsscans offiziell für Ermittlungen erlaubt oder verbietet.

Clearview AI wurde mit Geldern vom US-Investor Peter Thiel entwickelt, der unter anderem auch Palantir unterstützt hatte. Dieser war erst nach einem Re-Branding der App eingestiegen, denn ursprünglich wusste das Start-up nicht, wer die Zielgruppe für die App sein werde. Diese ist offenbar nach wie vor weitaus größer als offiziell bekannt gegeben.

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