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18.07.2015

b-cared: Notruf-App soll Leben retten

Das Wiener Startup caregency möchte mit b-cared eine mobile Alternative zum Hausnotruf anbieten. Der letzte Projektschritt soll über Crowdfunding finanziert werden.

Zusammen mit der FH Technikum Wien hat das Wiener Startup caregency ein neues System entwickelt, das vor allem älteren Menschen in Notsituationen schnell Hilfe verschaffen soll. Im Gegensatz zu anderen Lösungen am Markt verspricht b-cared eine Notruf-Möglichkeit ohne Einschränkung der Mobilität.

Laut caregency leben in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits mehr als 16 Millionen Menschen über 65 alleine. Handelsübliche Hausnotruf-Systeme arbeiten mit einer fest installierten Basisstation innerhalb der Wohnung sowie einem damit verbundenen Notruf-Sender, der meistens in Form eines Armbands getragen wird. Durch die relativ kurzen Reichweiten fühlen sich viele ältere Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

Automatischer Alarm

“b-cared” möchte diese Beschränkung der Reichweite beenden und setzt dabei auf ein mobiles System mit Smartphone und App. Als Clou des Projekts wird ein selbstständiger Alarmierungsmechanismus beworben. Anwender können mit Verwandten und Nachbaren eine Zeit vereinbaren, an der jeden Tag der “OK-Button” gedrückt wird. Registriert das System keinerlei Reaktion des Benutzers innerhalb eines festgelegten Zeitfensters, löst die Anwendung automatisch Alarm aus und benachrichtigt die hinterlegten Kontakte. Eine Alarmierung soll somit auch gewährleistet sein, wenn der Benutzer nicht mehr dazu in der Lage ist.

Sturzerkennung in Arbeit

Laut Wolfgang Gumpelmaier, Berater der Crowdfunding Kampagne, wird gerade an der zusätzlichen Implementierung einer Sturzerkennung gearbeitet. Durch die Beschleunigungssensoren des Smartphones könnten Notfallkontakte dann auch im Falle eines Sturzes alarmiert werden. Erkennt das Gerät starke Schwankungen gefolgt von einer gewissen Zeit ohne Bewegung, wird Alarm ausgelöst.

Benachrichtigt werden die Kontakte per SMS oder automatisiertem Anruf. Auch den genauen Aufenthaltsdaten des Nutzers kann man abrufen. Über das Webportal können auch Einstellungen von autorisierten Helfern vorgenommen und auf die Notfall-Daten zugegriffen werden.

Ortsunabhängiges System

Den Unterschied zu ähnlichen Lösungen soll laut dem Entwickler neben der unbegrenzten Reichweite die Trennung von Bedieneinheit und Auslöseeinheit ausmachen. Das Smartphone des Anwenders fungiert in diesem Szenario als Bedieneinheit, die Auslöseeinheit ist jedoch vollkommen ortsunabhängig und soll keinerlei Bedienung erfordern. Erhalten die Server keine Rückmeldung vom Smartphone, beginnen sie selbstständig mit der Benachrichtigung der Notfallkontakte. Realisiert wird der Alarmierungsauslöser dem Unternehmen nach über ein “geschütztes und ausfallsicheres Servernetz”. Die Datenübertragung soll ausschließlich über SSL geschützt Verbindungen stattfinden.

Auf den Servern werden unter anderem die Notfall-Daten gespeichert und wer in welcher Reihenfolge kontaktiert werden soll. Bis zu fünf Kontakte können im System hinterlegt werden. Zusätzlich werden die neuesten GPS-Daten gespeichert.

Vorerst nur für Android

Momentan versucht das Unternehmen für die Fertigstellung des Systems Kapital über die Crowdfunding-Webseite “visionbakery” zu lukrieren.

Vorerst wird die App nur für Android erhältlich sein. Laut Gumpelmaier ist das vor allem auf den großen Anteil von Android-Geräten unter Senioren zurückzuführen. Eine Version für iOS ist jedoch angedacht.

Auf einen Preis hat sich das Startup bisher nicht festgelegt, er soll jedoch unter den Kosten für ein Hausnotruf-System liegen. Über die Crowdfunding-Kampagne lassen sich unter anderem drei Monate um 24 Euro erwerben. Ist die Kampagne erfolgreich, wird caregency in Österreich Caritas und Volkshilfe sowie in der Schweiz das Rote Kreuz und in Deutschland die Stiftung Liebenau mit 100 kostenlosen Jahresabonnements unterstützen.