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Apps
12/31/2019

Diese Wetter-Apps empfiehlt die europäische Chefmeteorologin

Was sind die besten Wetter-Apps? Zwei europäische Dienste können auch in Fachkreisen begeistern.

von Martin Stepanek

Wetter-Apps für Android und iOS gibt es wie Sand am Meer. Neben hervorragenden Diensten finden sich darunter aber auch diverse wenig überzeugende Dienste. Dass die unterschiedlichen Apps oft so widersprüchliche Informationen liefern, erklärt sich sowohl durch die verwendeten Modelle im Hintergrund als auch der mangelnden Aufbereitung der Daten.

Windy und Meteoblue

Ein Problem aus europäischer Sicht ist, dass viele Apps auf das amerikanische Modell Global Forecast System (GFS) zugreifen, das für Europa nicht optimiert ist. Aber welche Wetter-Apps sind empfehlenswert? Die Wetterforscherin Florence Rabier, die das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) leitet, hat der futurezone zwei ihrer Lieblings-Apps verraten: Dabei handelt es sich um die tschechische Wetter-App Windy und den Schweizer Dienst Meteoblue.

Im Interview mit der futurezone streicht Rabier positiv hervor, dass Windy nicht nur auf das europäische Vorhersagemodell setzt, sondern Nutzern die Wahl zwischen verschiedenen Prognosen lässt. Damit mache die App transparent, dass es keine absolut gültige oder richtige Vorhersage gebe, sondern eben Modelle, welche die wahrscheinlichste Wetterentwicklung der kommenden Stunden und Tagen prognostizieren.

Auch Luftverschmutzung und Waldbrände

Positiv sei auch die Vielzahl an zusätzlichen Informationen, die Windy seinen Usern bereitstelle. In der Tat bietet die in Prag entwickelte Wetter-App eine der umfangreichsten Wetter- und Atmosphären-Informationen auf dem Markt. Neben herkömmlichen Wetterdaten wie Temperatur, Niederschlag und Feuchtigkeit, gibt es auch genaue Angaben zu Windstärken, Gewittern und Wellenhöhen. Darüber hinaus können auch die Luftverschmutzung oder etwa aktuelle Wald- und Buschbrände eingeblendet werden.

Als weitere spannende App nannte Rabier den an der Universität Basel gegründeten Dienst Meteoblue, der bereits seit 2006 existiert. Dieser sei bei Prognosen oft erstaunlich zuverlässlich. Interessanterweise erreiche die App das aber nicht durch das zugrunde liegende Modell, sondern weil Meteoblue mithilfe von künstlicher Intelligenz die verschiedenen meteorologischen Modelle kombiniere und aus diesen eine möglichst valide Prognose herausrechne.

Künstliche Intelligenz

Dazu muss man wissen, dass jedes Modell - sei es das des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), das amerikanische Global Forecast System (GFS) oder das deutsche Modell ICON - seinerseits täglich zig Simulationen für die eigene Prognose berücksichtigt. Meteoblue ist nicht die einzige App, die mittels Algorithmen aus diesen Modellen wiederum eine eigene Vorhersage zu berechnen sucht, dürfte das - zumindest laut Ansicht von Rabier - aber relativ gut hinbekommen.

Das gesamte Interview mit Florence Rabier, in dem sie erklärt, warum die richtige Wetter- und Klimavorhersage auch in Zukunft ein kompliziertes Unterfangen bleibt und was sie von Greta Thunberg und den Fridays for Future hält, gibt es hier zu lesen.