Die Parkplatz-App ParkU will das sinnlose Herumkurven bei der Parkplatzsuche abstellen

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11/10/2015

ParkU: "Gibt in Wien mehr als genug Parkplätze"

Unnötiges Herumkurven bei der Parkplatzsuche will die App ParkU vermeiden helfen. Der Service, über den private Parkplätze gemietet werden können, ist nun in Wien gestartet.

Das Schweizer Start-up ParkU will die Parkplatzsuche und -Vermietung vereinfachen und bietet Usern in ausgewählten Städten das Lokalisieren und Buchen per App oder Webseite an. Der Dienst, der bereits in der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden verfügbar ist, ist nun auch für Wien erhältlich. Zum Start sind 46 Standorte im Stadtgebiet und am Flughafen geplant - bis Frühjahr 2016 sollen 100 Parkplatz-Standorte mit jeweils drei bis 20 Stellplätzen dazukommen.

Kein Parkplatz-Mangel in Wien

"Dass es in Wien keine Parkplätze geben soll, stimmt natürlich nicht. Die bewirtschafteten Garagen sind nur zu 35 Prozent ausgelastet und auch bei Wohnanlagen und anderen Immobilien bleiben im Normalfall zehn bis 20 Prozent der Stellplätze ungenutzt", erklärt Michaela Watz, Geschäftsführerin von ParkU in Österreich. "Parkplätze gibt es also mehr als genug, viele davon sind aber über Beschrankungen, Tore und andere Hürden nicht einfach zugänglich", so Watz.

Über ParkU können Parkplatz-Betreiber, Immobilieneigentümer, aber auch Privatpersonen nicht gebrauchte Parkplätze einstellen. Um die Beschrankung zu überwinden, bietet das Start-up ein kleines Modul um 100 Euro an, welches das Öffnen des Schranken mittels QR-Code bzw. Bluetooth aus der App heraus ermöglicht. Die Kosten werden vom Anbieter frei festgelegt, die Bezahlung erfolgt mit Kreditkarte oder PayPal über die App oder die Webseite. Auch die Mietdauer von wenigen Stunden bis 30 Tagen ist je nach Angebot flexibel.

Mit der intelligenten Parkplatzsuche will man - ungeachtet des Fokus auf den Auto-Individualverkehr - auch einen Umweltbeitrag leisten. "40 Prozent des innerstädtischen Verkehrs sind nachweislich Suchverkehr, die Suche nach dem Parkplatz dauert oftmals länger als der Weg dorthin", sagt ParkU-Gründer Christian Oldendorff bei der Präsentation in Wien. "Wenn man den Parkplatz im Vorhinein fix buchen kann und genau weiß, wie man dorthin muss, erspart man sich das sinnlose Herumkurven, mit dem Umwelt unnötig belastet wird", ist Oldendorff überzeugt.

Fragliches Geschäftsmodell

Beim Geschäftsmodell sind allerdings noch einige Fragen offen. Bisher streifte ParkU ein Drittel der Parkgebühren ein. Die relativ hohe Marge halte aber viele größeren Parkplatz-Betreiber ab, bei ParkU mitzumachen, gibt Oldendorff auf Nachfrage der futurezone zu. Man habe sich daher entschieden, auf die Beteiligung vorerst komplett zu verzichten.

Alle Einnahmen kommen folglich den Parkplatz-Inhabern zugute. Auch für User ist das Service derzeit völlig kostenlos. Ziel sei es, so einen großen Kundenstock zu erreichen, dass man sich in einigen Jahren über eine moderate Gebühr von User-Seite her finanzieren könne. Derzeit sind 15 Städte und 5000 Parkplätze im System verfügbar. 40.000 User nutzen den Dienst zumindest einmal pro Monat.

Flexible, faire Preise als Ziel

Als weitere Einnahmequelle mietet ParkU in hoch frequentierten Gegenden selbst Parkplätze an, um diese lukrativ weiterzuvermieten. Hundert Stellplätze in verschiedenen Städten werden direkt von ParkU verwaltet. „Wir haben den Vorteil, dass wir aufgrund des User-Verhaltens genau wissen, wo Parkplätze stark nachgefragt sind“, sagt Oldendorff. Anbietern empfiehlt der ParkU-Gründer, ihre Preispolitik flexibel zu gestalten. „Faire Preise bedeuten, dass das Parken in einem halbleeren Parkhaus günstiger sein sollte, als bei einem Großevent, wo die Nachfrage entsprechend groß ist. Viele Betreiber schrecken von so einer flexiblen Preisgestaltung aber noch zurück“, so Oldendorff.

Abgesehen vom angepeilten weiteren Wachstum – der Dienst soll auch in Salzburg, Graz und Innsbruck starten – sieht man auch die Autohersteller als mögliche Partner. Praktisch alle Autos seien mittlerweile Bluetooth-fähig und mit Navigations-App ausgerüstet. Auch die Bezahlung könnte über entsprechender Mitglieder-Programme laufen. Darüber hinaus ist man auch mit öffentlichen Stellen im Gespräch, um die Parkplatz-Bewirtschaftung intelligenter zu gestalten. „In den Bezirken gibt es auch immer wieder Aktionen mit Garagenplätzen – wir diskutieren gerade mit den Bezirksvorstehern, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte“, meint Watz zur futurezone.