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Privatsphäre
06/01/2016

So können Smartphone-Apps Gespräche mithören

Mit den entsprechenden Berechtigungen können Smartphone-Anwendungen nach Belieben das Mikrofon oder die Kamera aktivieren und mitschneiden.

von Florian Christof

Facebook steht wieder einmal im Mittelpunkt von Datenschutzkritik. Eine US-amerikanische Uni-Professorin wirft dem sozialen Netzwerk vor, mit seiner Smartphone-App Gespräche der Nutzer mitzuhören und zu analysieren um personalisierte Werbung anzeigen zu können. Die Wissenschaftlerin ist damit nicht allein. Auf Reddit finden sich zahlreiche Erfahrungsberichte von Facebook-Nutzern, die Ähnliches berichten: Sie haben sich über etwas unterhalten, woraufhin ihnen auf Facebook entsprechende Werbung angezeigt hat.

Dass die App mithört, was um sie herum passiert, gibt Facebook auch zu. Diese Audio-Analysen werden aber nicht für Werbezwecke verwendete, sondern zu Rate gezogen, um den Usern Posting-Vorschläge machen zu können. Was Facebook mit dem Smartphone-Mikrofon tatsächlich alles mithört, ob die Tonspur an die Facebook-Server übertagen oder gar gespeichert wird, lässt sich nicht restlos beantworten.

Facebook ist nicht bei weitem nicht die einzige App, die potenziell Gespräche der Nutzer mithören kann. Werden bei älteren Android-Ausgaben (von Version 5 abwärts) Apps installiert, sichern sich die Anwendungen Zugriff auf bestimmte Teile des Smartphones, wie etwa die Kamera, die GPS-Sensoren oder eben das Mikrofon. Bei einer Video-App macht das auch Sinn. Sollte allerdings die berüchtigte Taschenlampen-App Zugriff auf Mikrofon und Kamera verlangen, sollte man stutzig werden.

Apps hören mit

"Gibt man einer App die Berechtigung auf das Mikrofon zuzugreifen, kann die Anwendung das Mikrofon jederzeit verwenden, solange die App aktiv ist", erklären die App-Entwickler vom Wiener Unternehmen "all about apps". Ist die entsprechende App im Hintergrund aktiv, kann sie nicht ohne weiteres das Mikrofon einschalten. Grund dafür sei, das Ressourcenmanagement des Betriebssystem: Apps, die lediglich im Hintergrund aktiv sind, wird vom Betriebssystem der Zugriff auf Rechenleistung und Akkuverbrauch begrenzt, sodass sie quasi in eine Art Tiefschlaf versetzt werden, erklären die App-Experten.

Sollte bei einer App das Mikrofon aktiviert werden, erhalten die Nutzer bei Apple-Geräten einen visuellen Indikator am oberen Bildschirmrand, dass mitgeschnitten wird. Einen solchen Hinweis gibt es bei Android-Geräten nicht.

Berechtigungen kontrollieren

Bei iOS sowie bei Android ab der Version 6 ist das Berechtigungsmanagement grundsätzlich anders organisiert. Erst wenn eine App tatsächlich das Mikrofon oder die Kamera verwenden will, muss der Nutzer die entsprechende Berechtigung erteilen. Dadurch sollen Nutzer vor möglichem Missbrauch besser geschützt werden.

Leert sich etwa der Akku auffallend schnell, sei dies ein Hinweis darauf, dass im Hintergrund irgendwelche Dienste werken. Um unliebsamen und unbemerkten Datenabfluss zu unterbinden, sei es daher ratsam, die einzelnen Berechtigungen der installierten Apps regelmäßig zu überprüfen.

Wer einer App den Zugriff auf das Mikrofon verbieten will, kann dies bei iOS im Einstellungsmenü unter dem Punkt Privatsphäre machen. Auf Android-Geräten lässt sich der Zugriff auf das Mikrofon unter Privatsphäre-Einstellungen und den App-Berechtigungen regeln.

Helfer oder Spion

Einen Schritt weiter gehen Sprachassistenten, die auf Zuruf - "OK Google" oder "Hey Siri" - Sprachbefehl, wie Nachrichten versenden oder Suchanfragen beantworten, ausführen können.

Basierend auf dieser Spracheingabesoftware haben Google und Amazon mit ihren "smarten Lautsprechern" sogar eine neue Produktkategorie ins Leben gerufen. Dabei sollen die Lautsprecher im Wohnzimmer Platz finden und per Spracheingabe Pizza bestellen, Taxi rufen oder einfach Fragen beantworten. "Jedes Gerät, das auf Zuruf anspringt – sei es ein Smart-TV, eine Spielkonsole, ein Smartphone oder eben die smarten Lautsprecher – muss immer mithören, da die Sprachbefehle sonst nicht funktionieren würde.

Ob die mitgehörten Gespräche tatsächlich analysiert oder gar gespeichert werden, lässt sich nicht beantworten. Hier ist man auf die Angaben der Hersteller angewiesen", erklären die App-Entwickler von all about apps.