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Facebook Tunnel

Südamerikaner entwickelt App für freien Internet-Zugang

Paraguay ist ein Land, in dem Facebook die App Internet.org an den Start gebracht hat und mobilen Nutzern einen kostenlosen Zugang zu Seiten wie Google, Wikipedia und Facebook anbietet. Wer einem Link auf Facebook folgt, bei dem das Netzwerk verlassen wird, muss dafür extra zahlen. Diese Praxis war unlängst in Verruf gekommen, einige Firmen in Indien haben sogar deswegen ihre Zusammenarbeit mit Internet.org aufgekündigt. Viele User in Ländern, wo internet.org bereits existiert, verwechseln sogar Facebook mit dem Internet.

App mit Tunnel-Funktion

In Paraguay hat nun ein 20-jähriger Software-Entwickler eine App namens „Facebook-Tunnel“ entwickelt, mit der es Internet.org-Nutzern möglich sein soll, auch Websites außerhalb von Facebook kostenlos aufzurufen. Die App von Matias Insaurralde funktioniert dabei wie ein Tunnel, der das reguläre Internet durch den Facebook Messenger schleust. Er will damit einen alternativen Zugang zum Internet bieten, denn er ist ein Verfechter des freien Internets, wie er gegenüber Motherboard Vice erklärt.

In Paraguay verfügten 2013 nur 37 Prozent der Bevölkerung über einen Internet-Zugang, bis Ende 2015 sollen es 50 Prozent sein. Eine Verbindung mit ein mbps kostet dabei rund 40 US-Dollar pro Monat. Das ist der höchste Preis für einen Internet-Zugang in ganz Südamerika.

Prototyp fertig

Von der „Facebook Tunnel“-App existiert derzeit nur ein Prototyp auf Linux, der aber bereits voll funktionstüchtig sei, wie der Entwickler selbst sagt. Insaurralde arbeitet nach eigenen Angaben an Versionen für andere Plattformen. Für den jungen Entwickler ist das Projekt Internet.org eine „erschreckende Kombination aus einem offenen Zugang und Bezahl-Schranken“ gleichermaßen.

Unklar ist freilich, was Facebook bzw. Internet.org zu dem Projekt des jungen Manns aus Paraguay sagt. In ganz Südamerika machen Internet-Aktivisten bereits gegen die Initiative von Facebook Stimmung, wie die Bürgerrechtsorganisation EFF berichtet. Internet.org sei kein Internet, heißt es seitens der Aktivisten.

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