B2B
06.10.2018

Amazon müllt Suchergebnisse mit Werbung zu

Amazon hat die Anzahl der bezahlten Produktplatzierung bei seiner Suche massiv erhöht. Die Kunden scheint es nicht zu stören.

Obwohl Amazon zum Synonym für Online-Shopping geworden ist, stand es um die Finanzen des Konzerns nicht immer gut. Vor drei Jahren noch gab es Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Jetzt gibt es Rekordgewinne, auch deshalb, weil Amazon sich immer breiter aufstellt. Damals war es der Cloud-Dienst AWS der Amazon zu Gewinnen verhalf, heute sind es ua. die Echo-Lautsprecher. Der nächste Gewinntreiber könnte Werbung sein.

Das Geschäft mit Werbung hat bei Amazon massiv zugelegt. Unternehmen zahlen Amazon Geld, damit ihre Produkte in den Suchergebnissen ganz oben gereiht werden. Laut einer Marktstudie von Merkle haben Unternehmen im zweiten Quartal 2018 um 165 Prozent mehr Geld für Werbung bei Amazon ausgegeben als noch im Vorjahr, berichtet Recode.

Das ist zwar gut für Amazon, nicht aber für die Kunden. Diese Werbungen scheinen nämlich mittlerweile so oft in den Suchergebnissen auf, dass man erst scrollen muss, um zu den echten Suchergebnissen zu gekommen.

Gesponserte Ergebnisse

Gibt man am PC oder Notebook etwa „Bohrmaschine“ ein, erscheint ganz oben ein Banner mit drei verkleinert dargestellten Suchergebnissen. Diese sind aufgrund der Aufmachung für die meisten User noch als beworbene Produkte erkennbar. Danach folgen gleich vier Suchergebnisse, die zwar normal aussehen, aber über den Produktnamen in kleiner grauer Schrift „Gesponsert“ stehen haben.

Erst wenn man nach unten scrollt, erscheinen die ersten regulären Suchergebnisse. Klickt man auf die zweite Seite mit den Suchergebnissen, sind die ersten vier Einträge wieder gesponsert. Beim Smartphone muss man in der Amazon-App ebenfalls scrollen, um das erste Suchergebnis zu finden, für dessen Platzierung nicht ein Unternehmen bezahlt hat. Das ist nicht nur auf Werkzeug beschränkt. Dieses Übermaß an Werbung findet man bei fast allen Suchanfragen, von Kleidung über Elektronikartikel bis zu Lebensmittel.

Dritter Player

Das Prinzip kennt man von Google. Sucht man nach Produkten, sieht man meist die Shopping-Leiste und danach zwei Anzeigen. Auch diese Art der Werbung wurde schon oft kritisiert, aber immerhin sieht man die ersten echten Suchergebnisse, ohne scrollen zu müssen. Im Gegensatz zu Google macht Amazon mit seiner Werbung potenziell doppelt Geld. Jedes Mal wenn ein Kunde ein gesponsertes Suchergebnis anklickt, verdient Amazon. Und kauft der Kunde das Produkt dann, verdient Amazon nochmal.

Markt-Analysten gehen davon aus, dass Unternehmen ihre Marken zunehmend bei Amazon bewerben werden. Denn aktuellen Studien zufolge, beginnen bereits fast 50 Prozent der User ihre Suchen nach Produkten direkt bei Amazon, anstatt bei Google.

Laut den Analysten kann das ein Vorteil für Unternehmen sein. Sie müssen ihre Produkte jetzt nicht mehr bei Google oder Facebook bewerben, sondern können das auch bei Amazon machen. Der Online-Werbemarkt wird dadurch aufgelockert und nicht mehr nur durch zwei Konzerne dominiert.

Obwohl Amazon derzeit sehr offensiv auf die gesponserten Suchergebnisse setzt, scheint dies Kunden bisher nicht zu stören. Und solange das so ist, wird Amazon die bezahlten Suchergebnisse wohl nicht reduzieren. Amazons Einnahmen mit solchen Werbeschaltungen betrugen im zweiten Quartal 2018 gut 2 Milliarden US-Dollar.