B2B
11.09.2013

Apple enttäuscht Analysten und Aktionäre

Die Apple-Aktie fiel an der New Yorker Börse zum Auftakt um sechs Prozent. Analysten und Aktionäre hatten sich mehr von Apples gestriger Präsentation erwartet.

Apple schafft es nicht mehr wie früher, mit Erfindungen und Produkt-Neuheiten zu begeistern. Der Technologie-Konzern stellte am Dienstag zwar neue Versionen und Funktionen seines Kassenschlagers iPhone vor. Die meisten Experten reagierten aber enttäuscht, weil Apple es nicht wagte, mit wirklich günstigen Angeboten für den wichtigen chinesischen Markt aufzuwarten. Zudem ist noch immer keine Kooperation mit dem weltgrößten Mobilfunk-Unternehmen China Mobile in Sicht, weswegen Apple nicht an dessen 740 Millionen Kunden herankommt.„Seit Steve Jobs tot ist, verwaltet Apple sein Erbe“, kritisierte der Kapitalmarkt-Experte Oliver Roth von Close Brothers Seydler. „Der Mythos ist erst einmal passé.“ Insgesamt fehlt dem Unternehmen aus der Nähe von San Francisco nach dem Tod des legendären Firmengründers die Fähigkeit, ganze Märkte umzuwälzen.

So hat das iPhone zum Beispiel seit 2007 das Handy-Geschäft komplett auf den Kopf gestellt und den einstigen Marktführer Nokia bedeutungslos gemacht. Mit dem Tablet-PC iPad wurde der Computer-Markt aufgemischt - zulasten von Dell und Hewlett-Packard. Der iPod wirbelte zuvor schon die Musikbranche durcheinander.

Aktienkurs gefallen

An der Technologiebörse Nasdaq standen Apple-Aktien am Mittwoch unter Druck: Sie büßten zum Marktstart rund sechs Prozent ein. Allerdings waren die Anteilsscheine im Monat zuvor um mehr als elf Prozent gestiegen - in der Hoffnung auf wirkliche Innovationen. Experten zufolge entwickelt Apple derzeit eine computergestützte Armbanduhr als Brücke zwischen iPhone und Laptop. Zudem reißen die Gerüchte nicht ab, dass der Konzern, der Barbestände von knapp 147 Mrd. Dollar (111 Mrd. Euro) in der Kasse hat, doch noch in den Fernseher-Markt einsteigt.

Apple verkaufte zuletzt zwischen April und Juni zwar 31,2 Millionen iPhones und damit so viele wie nie zuvor. Es bleibt aber immer weniger Geld als Profit hängen, weil der koreanische Erzrivale Samsung Apple im Smartphone-Markt abgehängt hat und zudem Billig-Anbieter aus Asien immer stärker werden. Dementsprechend fiel der Quartalsgewinn zuletzt um rund ein Fünftel auf - allerdings immer noch stattliche - 8,8 Mrd. Dollar. Haupt-Baustelle ist die Region China, Taiwan, Hongkong und Singapur, in der der Umsatz um 43 Prozent einbrach. Hier verliert Apple zudem Marktanteile.

iPhone 5C zu teuer

Jobs-Nachfolger Tim Cook zielt mit den Produkt-Neuheiten deswegen vor allem auf China und Indien, wo sich viele Menschen die teuren iPhones bisher nicht leisten können. Das neue 5C soll in den USA bereits für 99 Dollar zu haben sein, allerdings nur mit einem Zweijahresvertrag. Ohne diese Bindung beträgt der Preis immer noch 549 Dollar. In China ist es sogar noch teurer. Trotz der neuen Plastikhülle müssen Käufer in Deutschland mindestens 600 Euro auf den Tisch legen.

„Das iPhone 5C ist zwar Apples erster Schritt weg vom Hochpreis-Markt, allerdings nur ein kleiner“, sagte JPMorgan-Analyst Mark Moskowitz. Der Konzern gebe einer hohen Gewinnmarge den Vorrang. Marktanteile in Schwellenländern könnten damit aber nicht gewonnen werden. Denn im Ausland kaum bekannte chinesische Firmen wie Xiaomi und Yulong verlangen für ihre Smartphones wesentlich weniger und haben sich damit zusammen mit Lenovo oder ZTE in der Volksrepublik einen Großteil des Marktes gesichert. „Apple riskiert weiterhin, ähnlich wie im PC-Geschäft zu einem Nischen-Anbieter im Hochpreis-Segment degradiert zu werden“, warnte Analyst Toni Sacconaghi von Bernstein Research.

Fingerscanner positive Neuerung

Das neue Premiummodell 5S kostet mit Vertrag mindestens 199 Dollar und wird auch in den Farben grau, silber und gold angeboten - bisher gab es sie nur in weiß und schwarz. Hauptneuerung: Es ermöglicht die Entsperrung per Fingerabdruck. Analysten reagierten positiv darauf. Diese Technologie könnte später eine Rolle beim Bezahlen mit mobilen Geräten spielen, so die Experten von RBC Capital Markets.

Zu der erwarteten Vertriebskooperation mit China Mobile schwieg Apple zunächst. Wegen unterschiedlicher Technik-Standards erreichen die Amerikaner nur in etwa die Hälfte des dortigen Marktes. Durch eine Zusammenarbeit könnte Apple seine Erlöse in der Region rasch erhöhen. Allerdings befürchten manche Experten, dass sich Apple mit günstigeren Modellen selbst schadet, weil dann eigene Kunden aus dem Hochpreis-Segment abwandern.