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B2B
08/29/2020

Austrian Audio: Aus den AKG-Trümmern zurück zur Weltspitze

Die von AKG-Mitarbeitern gegründete Firma will mit exzellenten Mikrofonen und Kopfhörern Österreichs Weltruf retten.

von Martin Stepanek

Als die 1947 in Wien gegründete Audiofirma AKG im Juni 2017 nach 70 Jahren den Standort in Wien Liesing schloss, war die Betroffenheit groß. Jahrzehntelang hatten die Mikrofone und Kopfhörer des Unternehmens die Branche geprägt. Die Erfindungen der Wiener hatten nicht nur die Aufnahmetechnik in den 1950er-Jahren revolutioniert, sondern kamen auch bei Aufnahmen der Beatles in den Abbey Road Studios und anderer Weltstars, von Frank Sinatra bis Falco, zum Einsatz.

Das Aus aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in den 1990er-Jahren konnte mit dem Verkauf an die Harman-Gruppe zwar noch verhindert werden. Der Weiterverkauf von Harman an Samsung im Jahr 2016 besiegelte schließlich das Ende des Wiener Standorts, wo bis zuletzt die Produktentwicklung und Produktion einiger hochwertiger Modelle angesiedelt war. Alle 131 Mitarbeiter wurden praktisch über Nacht gekündigt.

Neue Firma mit langjährigen Mitarbeitern

Der langjährige AKG-Manager Martin Seidl wollte das Ende nicht hinnehmen. Zusammen mit 22 AKG-Mitarbeitern gründete er nur 400 Meter vom alten Standort entfernt mit Austrian Audio eine neue Firma. Zwei Jahre lang wurde entwickelt, im Juni 2019 wurden schließlich die ersten Profi-Mikrofone ausgeliefert. Zuletzt hat das Unternehmen 2 hochwertige Kopfhörer (zum futurezone-Test) auf den Markt gebracht, die in Wien entwickelt und produziert werden.

„Die Chance nicht zu ergreifen, wäre absurd gewesen. Ein Team mit so viel Know-how und Erfahrung zusammenzustellen, dauert sonst mehrere Jahre. Dazu kommt das Wissen, das über Jahrzehnte hier am Standort weitergegeben wurde“, erklärt Seidl im futurezone-Interview. Den Firmennamen habe man bewusst gewählt, da Österreich bis heute einen ausgezeichneten Ruf im Audiobereich genieße.

„Im Profibereich weiß jeder, dass eine der drei Weltmarken 70 Jahre lang den Mittelpunkt in Österreich hatte. Dazu kommt, dass Wien in Asien, aber auch den USA - Stichwort „Sound of Music“ -  durch die Wiener Staatsoper, das Neujahrskonzert und die Wiener Philharmoniker als Musik- und Kulturweltstadt wahrgenommen wird. Österreich steht in diesem Bereich für absolute Qualität und das ist auch unser Anspruch“, sagt Seidl.

Nicht gegen Apple und Sony

Dass man sich zunächst auf die Entwicklung einiger hochwertiger Mikrofone und Kopfhörer für den Profibereich konzentriert habe, sei angesichts der milliardenschweren Marktdominanz von Consumer-orientierten Marken wie Bose, Sony, Beats und Apple eine bewusste Entscheidung gewesen. Um die Zeit bis zu den ersten eigenen Produkten zu überbrücken, baute die privat geführte Firma zudem eine zweite Schiene auf, indem sie für andere Hersteller externe Forschung und Produktentwicklung betreibt.

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Über die angesprochene Konkurrenz will der Manager kein schlechtes Wort verlieren, auch wenn der Sound, der mit winzigen In-Ear-Kopfhörer wie den Apple Airpods erzeugt wird, mit seinen Audioansprüchen wohl kaum mithalten kann. "Ich würde nie sagen, dass das Produkt eines Mitbewerbers Mist ist, noch dazu, wenn er so erfolgreich ist. Ein kabelloser In-Ear-Kopfhörer ist ja eine ganz andere Applikation, die auch ihre Berechtigung hat", erklärt Seidl.

Corona als Spielverderber

Der Zusammenbruch der Konzertszene durch die Pandemie und die damit einhergehende fehlende Nachfrage nach Profi-Mikrofonen und -Kopfhörern hat auch die Wiener Firma schwer getroffen. Austrian Audio will dennoch am Plan festhalten, 2021 fünf weitere Kopfhörer-Modelle auf den Markt zu bringen, die mit kabelloser Bluetooth-Verbindung und Geräuschunterdrückung audiophile Konsumenten ansprechen sollen.

Auch an einem Luxuskopfhörer für gut betuchte Audiofans wird gearbeitet. Bis dahin kann man auf einen der 2 verfügbaren kabelgebundenen Kopfhörer zurückgreifen, die mit hochwertigen Materialen und glasklarem Klang beeindrucken. „Der Trend zum Kopfhörer ist ungebrochen, der internationale Markt wächst etwa 7 Prozent pro Jahr. Vor allem das Segment über 100 Euro boomt. Die Leute sind also definitiv bereit, für Qualität auch 300 Euro oder mehr auszugeben“, sagt Seidl.

Kopfhörer statt Handy

Was das Musik hören in guter Qualität betrifft, ortet der Austrian-Audio-Chef noch einige Luft nach oben. Habe man sich früher noch Geld zusammengespart, um eine tolle Stereoanlage mit guten Boxen anschaffen zu können, werde heute oft das Handy auf den Tisch gelegt und Musik über die winzigen Lautsprecher gehört. „Dass dabei kein guter Sound herauskommen kann, liegt nicht an der fehlenden Innovation der Hersteller. Das ist reine Physik“, erklärt Seidl.

Dass Leute durch diesen Trend das Hören verlernt haben, sei zwar nicht ganz von der Hand zu weisen. Wer allerdings mit einer guten Anlage oder guten Kopfhörern in Berührung komme, merke den Unterschied schnell. „Leute gehen ja auch gern in Konzerte und hören, wenn es schlecht klingt, egal welche Klangvorstellungen sie haben. Sie wissen vielleicht nicht, warum es mies klingt, aber sie hören es – auch Jugendliche“, ist Seidl überzeugt.

Gitarre von der analogen Schallplatte

Das eigene Klangideal beschreibt der gelernte Tontechniker und Hobby-Musiker als ausgewogen und transparent. „Mich macht ein rundes Klangbild glücklich, das weder die tiefen noch hohen Frequenzen stark betont. Wenn ich eine analoge Schallplatte auflege, bei der eine Gitarre im Hintergrund spielt, will ich diese hören. Sie darf im Gesamtklang nicht untergehen.“

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