B2B
23.08.2016

"Bargeld wird es auch in zehn Jahren noch geben"

Die Nutzung von Mobile Banking steigt. Die futurezone hat mit Thomas Peischl und Mathias Schindler von der ING DiBa über Banking-Apps, Fintechs und Bargeld gesprochen.

Laut einer Umfrage der Direktbank ING DiBa nutzen 61 Prozent der österreichischen Bankkunden Mobile Banking. Österreich liegt damit über dem Europa-Schnitt von 56 Prozent. Die futurezone hat Thomas Peischl und Mathias Schindler von der Ing DiBa zu Nutzungsweisen und Funktionen von Banking-Apps, Veränderungen im Bankgeschäft und zur Bankomatkarte am Handy befragt.

futurezone: Österreichische Bankkunden nutzen laut einer von Ihnen in Auftrag gegebenen Studie Mobile Banking überdurchschnittlich oft. Woran liegt das?
Mathias Schindler: Die Banken haben in dem Bereich im vergangenen Jahr sehr viel gemacht. In Österreich ist die Nutzung auch einfacher als in anderen Ländern. Deutsche Kunden müssen etwa teilweise noch immer die Papier-Tans verwenden weil SMS mobil nicht erlaubt ist, das ist umständlich.

Ist das Handy eher eine Ergänzung zum Online-Banking am Desktop oder löst mobil den Desktop ab?
Peischl: Man wird sehen, wohin sich der Markt bewegt. Wir werden jedenfalls immer mobiler. Bei uns steht die mobile Lösung im Vordergrund. Wir denken „mobile only“ und bieten verschiedene Zugänge für verschiedene Display-Größen an.

Gibt es Unterschiede in der Nutzung?
Schindler: Nein. Die Kunden wollen ihren Kontostand überprüfen, eine Übersicht über ihre Finanzen haben und schnell Überweisungen tätigen.

Peischl: 90 Prozent der Funktionen, die genutzt werden, sind genau diese Sachen.

Schindler: Wobei der Check der Finanzen weit voran liegt.

Bei Ihrer App kommt ein fünfstelliger, an ein Gerät gebundener Smart-Code anstatt mobiler TANs zum Einsatz. Warum haben Sie sich für diese Form der Authentifizierung entschieden?
Thomas Peischl:Wir haben uns dafür entschieden, weil es schlicht einfacher und sicherer ist. Zusätzlich hat der Kunde den Mehrwert, nur einen Code für Login und Freigabe zu benötigen. Wir bieten auch mobile TANS an. 50 Prozent unserer Kunden haben sich aber bereits für den Smart-Code entschieden.

Denken Sie auch über alternative Authentifizierungsmethoden nach? Etwa das Log-in per Fingerabdruck?
Peischl: Auch das werden wir noch in diesem Jahr umsetzen. Wir sehen uns im Konzern auch andere Authentifizierungsmethoden auf biometrischer Basis an, etwa über die Stimme. In Österreich ist das aber momentan noch kein Thema.

Welche Funktionen oder Tools zur Finanzplanung sind für Sie in Zukunft vorstellbar?
Peischl: Tools zur Finanzplanung und Haushaltsrechner sehen wir uns sicher an. Die Lösungen sind aber noch nicht so intelligent, man muss sehr viel händisch eingeben. Wir haben in einigen Ländern schon vor Jahren solche Funktionen gehabt, die Nutzung ist aber nach anfänglicher Akzeptanz stark zurückgegangen, weil sie für viele zu komplex waren.

Schindler: Es gibt viele tolle Features, die nützlich sind. Wir hören da auf unsere Kunden. Bezüglich Tools zur Finanzplanung sind Lösungen, die den Kunden automatisiert nützliche Daten zeigen, sicherlich die Zukunft. Wir konzentrieren uns auf diese.

Hat das digitale Banking den Umgang mit Geld verändert?
Schindler: Früher ist man in die Bankfiliale gegangen und hat sich - wenn es hoch kommt - einmal die Woche einen Kontoauszug geholt. Heute ist die Hürde den Kontostand und die Umsätze zu checken viel geringer, ich kann diese Daten einfach in der App abrufen. Das führt dazu, dass das Gefühl für Geld und der Bezug dazu, wie man damit umgeht, deutlich zunehmen.

Ist die Integration von Payment-Lösungen, etwa Bankomatkarten am Handy, mit denen auch kontaktlos bezahlt werden kann, für Sie ein Thema?
Schindler: Wir haben im Konzern viel Erfahrung mit solchen Lösungen. In Österreich ist die Situation sehr speziell. Andere Banken sind schon mit Lösungen auf dem Markt. Man braucht dafür aber ein Android-Handy und eine spezielle SIM-Karte, auf der die Bankomatfunktion auf einem sicheren Element gespeichert ist. Solange es für den Kunden nicht einfacher ist, als eine Bankomatkarte zu benutzen, kann man aus unserer Sicht noch zuwarten.

Peischl: Das Thema steht jedenfalls auf unserer Agenda. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Bankomatkarte am Handy in den nächsten Jahren durchsetzen wird.

Wie lange wird es noch Bargeld geben?
Schindler:
Bargeld wird es auch in zehn Jahren noch geben, aber es wird sich reduzieren.

Sind Bankomatgebühren für sie ein Thema?
Peischl:
Nein. Die ING DiBa setzt sich ganz klar für den Erhalt der kostenlosen Bargeldversorgung in Österreich ein. Daraus ergibt sich auch, dass Bankomatbehebungen für unsere Girokunden bis auf weiteres kostenlos bleiben.

Fintechs, Start-ups aus dem Finanzbereich, drängen zunehmend auf den Markt und machen Banken in den verschiedensten Bereichen Konkurrenz. Spüren Sie das?
Peischl: Es ist immer noch eine schmale Zielgruppe, die von Fintechs angesprochen wird. Fintechs geben sehr viel Inspiration, weil sie sehr viele Dinge ausprobieren können, die wir als Bank aus regulatorischen Gründen nicht so einfach machen können. Wir sehen bei Fintechs, was alles geht und fragen uns natürlich, wie wir bestimmte Dinge innerhalb unseres regulatorischen Rahmens umsetzen können.

Arbeiten Sie mit Fintechs zusammen?
Peischl: Im Konzern, ja. Wir haben ein Fintech-Village in Brüssel und auch in unserem Hauptquartier in Amsterdam haben wir ein solches Hub. Wir bieten dort Fintechs eine Plattform, um ihre Produkte zu entwickeln. Wir wollen von ihnen lernen, sie können auch von uns lernen.

Es gibt Leute, die sagen, alles was Banken machen ist eigentlich bereits überholt und kann von technischen Lösungen, etwa der Blockchain, besser und billiger abgedeckt werden. Haben Banken ein Ablaufdatum?
Schindler: Was die Leute brauchen, ist Banking. Solange es Geld gibt, in welcher Form auch immer, brauchen sie etwas, womit sie es verwalten können. Ob die Lösungen von einem Fintech oder einer großen Bank bereitgestellt werden, sei dahingestellt. Mit der Blockchain beschäftigen wir uns im Konzern natürlich auch. Wenn es in diese Richtung geht, dann geht es in diese Richtung.

Wie werden wir unsere Bankgeschäfte in Zukunft erledigen?
Schindler: Wir werden wirklich intelligente Anwendungen haben, die uns in Finanzfragen unterstützen.

Bankkunden haften nur, wenn sie fahrlässig handeln

Risiko.Künftig sei es vorstellbar, dass Banking-Apps die Stimme von Nutzern erkennen und auf diese Art Überweisungen freigeben, sagt Thomas Peischl von der ING DiBa. Noch ist das Zukunftsmusik. Das Einloggen in das mobile Banking und die Freigabe von Überweisungen erfolgen in der Regel über Nutzernamen und Passwort, mehrstellige Codes oder per SMS zugesandte mobile TANs.

Einige Banken-Apps bieten auf Geräten, die über einen Fingerprintsensor verfügen, auch bereits die Authentifizierung per Fingerabdruck an. Haftungen für Schäden, etwa durch Hacks oder entwendete Passwörter, müssen Bankkunden nur dann übernehmen, wenn sie fahrlässig gehandelt haben.

Kaum Fälle in Österreich

Im Zusammenhang mit mobilem Banking seien in Österreich bisher keine spektakulären Fälle bekannt, sagt Benedikta Rupprecht von der Arbeiterkammer (AK). Sie rät dazu, Kontoauszüge regelmäßig zu kontrollieren. Finden sich verdächtige Abbuchungen , sollte unverzüglich die Bank informiert werden. Konsumentenschützer und Banken empfehlen auch, Virenschutz-Programme einzusetzen und regelmäßig Sicherheitsupdates durchzuführen, Zugangskennungen nicht auf dem Gerät zu speichern und starke Passwörter (Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen) zu verwenden.

Ratsam ist auch, die Höhe von Überweisungen zu limitieren. Banken dürfen das Risiko aber nur bedingt auf ihre Kunden abwälzen. 2015 erklärte der Oberste Gerichtshof (OGH) Klauseln beim E-Banking der Bawag P.S.K. für unzulässig, die den Kunden vorschrieben, sowohl die App als auch das Betriebssystem des Handys auf dem neuesten Stand zu halten.