Smartphones

BlackBerry: Milliardenverlust und Personalabbau

Der Absturz des ums Überleben kämpfenden Smartphone-Pioniers BlackBerry beschleunigt sich dramatisch. Das von dem Deutschen Thorsten Heins geführte kanadische Unternehmen schockierte am Freitag mit einer Gewinnwarnung und Massenentlassungen - jeder dritte Mitarbeiter muss gehen. BlackBerry fuhr im abgelaufenen Vierteljahr einen Milliardenverlust ein und machte nur etwa halb so viel Umsatz wie erwartet. "Das ist der Anfang vom Ende", sagte Analyst Neeraj Monga von Veritas Investment Research angesichts der schwindenden Bargeldbestände im Besitz des Konzerns. Die ohnehin gebeutelten Aktien büßten noch einmal 16 Prozent ihres Wertes ein.

Anschluss verloren

BlackBerry hat im Wettbewerb den Anschluss an die Rivalen Apple und Samsung verloren. Ihm droht ein ähnliches Schicksal wie Nokia - die Finnen haben ihre strauchelnde Handysparte soeben an Microsoft verkauft. BlackBerry hatte im August angekündigt, alle Alternativen durchzuspielen - darunter auch einen Verkauf. Der katastrophale Geschäftsverlauf dürfte den Konzern für etwaige Interessenten alles andere als schmackhaft machen - gleichzeitig erhöht er den Druck enorm, bald einen Käufer zu finden.

BlackBerry kündigte für sein zweites Geschäftsquartal bis Ende August einen Betriebsverlust von netto 950 bis 995 Millionen Dollar (bis zu 734,59 Mio. Euro) an. Als Grund nannte der Konzern unter anderem Abschreibungen. Den Umsatz bezifferte BlackBerry auf 1,6 Milliarden Dollar - gerade einmal halb so viel, wie Branchenexperten ihm zugetraut hatten. "Der Konzern stürzt von einer Klippe. Aber was soll man erwarten, wenn man sich selbst zum Verkauf stellt?", fragte Colin Gillis von BGC Partners. "Wer will sich schon auf eine Handy-Plattform einlassen, die möglicherweise bald dichtgemacht wird?"

Entlassungen

Eigentlich wollte BlackBerry erst kommende Woche über den Geschäftsverlauf Auskunft geben. Der Konzern kündigte an, 4.500 Mitarbeiter zu entlassen. Im März waren bei BlackBerry noch 12.700 Menschen beschäftigt, in der Hochphase der Firma waren es 20.000.

Branchenexperten sehen für die Zukunft des Unternehmens schwarz. "Die Firma hat eine Menge Probleme, und sie wird zu diesem Preis keinen Käufer finden", erklärte Brian Modoff von der Deutschen Bank und empfahl, die Aktie deshalb zu verkaufen. "Verbraucherelektronik ist ein brutales Geschäft - und wenn man zurückfällt, ist das Aufholen sehr schwierig." Dieser Einschätzung schloss sich James Faucette von Pacific Crest Securities an. "BlackBerry hat für die meisten Käufer wohl nur einen begrenzten Wert. Sie befinden sich in einer sehr, sehr schwierigen Situation. Ich glaube nicht, dass ihr Sanierungsplan aufgeht - aber ich glaube auch nicht, dass es irgendjemand anders viel besser machen könnte."

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