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B2B
05/03/2020

Boeing braucht keine Staatshilfe, stellt 25 Milliarden Dollar auf

Der Flugzeughersteller will mit eigener Kraft aus der Krise kommen.

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat sich mit einer riesigen Anleiheemission 25 Milliarden Dollar (23 Mrd. Euro) besorgt und will so in der Corona-Krise ohne die Hilfe des Staates auskommen. Eigentlich hatte der Airbus-Rivale Insidern zufolge nur 10 bis 15 Milliarden angepeilt, stockte die Anleihen aber wegen der hohen Nachfrage auf.

"Angesichts dieser Resonanz (...) haben wir zurzeit keine Pläne, zusätzliche Mittel über den Kapitalmarkt oder die Angebote der US-Regierung aufzunehmen", erklärte Boeing am Donnerstagabend (Ortszeit) in Chicago. Bis 1. Mai hätte der Flugzeugbauer Ansprüche anmelden müssen, wenn er sich aus einem 17 Milliarden Dollar schweren Topf des Finanzministeriums für Unternehmen bedienen hätte wollen, die als wichtig für die nationale Sicherheit betrachtet werden.

"Wir werden unsere Liquiditätssituation weiter prüfen, je nachdem wie sich die Gesundheitskrise und unser dynamisches Geschäftsumfeld entwickeln", teilte Boeing weiter mit. Laut der Ratingagentur Moody's braucht der Flugzeugbauer heuer mehr als 30 Mrd. Dollar frische Mittel. Knapp die Hälfte davon hatte er sich bereits im März besorgt, indem er eine 13,8 Mrd. Dollar schwere Kreditlinie vollständig zog. Mit der Coronapandemie droht den Flugzeugbauern ein großer Teil ihres Geschäfts wegzubrechen. Viele Airlines weltweit kämpfen wegen des weitgehend brachliegenden Flugverkehrs ums Überleben und brauchen auf absehbare Zeit keine neuen Maschinen.

Boeing 737 Max-Debakel

Wie Airbus hat Boeing die Produktionskapazitäten deutlich gedrosselt. Dabei kämpft das Unternehmen ohnehin mit den Folgen von zwei Abstürzen seines Erfolgsmodells Boeing 737 MAX, das seither nicht mehr fliegen darf. Der Produktionsstopp und die Neuzulassung, die sich noch mindestens bis August hinziehen dürfte, haben Boeing nach eigenen Angaben 5 Mrd. Dollar gekostet.

Die Coronapandemie und das Debakel rund um den Unglücksflieger 737 Max haben Boeing im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gebracht. Unterm Strich fiel ein Verlust von 641 Mio. Dollar an. Der Umsatz sank um 26 Prozent auf 16,9 Mrd. Dollar. Boeing will in der Krise rund zehn Prozent seiner Stellen abbauen. Besonders stark trifft es die Verkehrsflugzeugsparte mit der 737 Max. Insgesamt hatte der Konzern zuletzt rund 160.000 Mitarbeiter.

Laut dem Finanzdatenanbieter Refinitiv war die Emission die sechstgrößte Unternehmensanleihe im sicheren "Investment Grade"-Bereich aller Zeiten und die größte in diesem Jahr. Die Anleger fanden die Konditionen attraktiv. Mit 75 Mrd. Dollar war die Nachfrage einem Insider zufolge dreimal so hoch wie das Emissionsvolumen. Boeing begab sieben Tranchen mit Laufzeiten von 2023 bis 2060. Eine zehnjährige Anleihe etwa wurde dabei nach Daten von Refinitiv IFR mit einer Verzinsung von 5,15 Prozent angeboten - im Juli 2019 hatte der Konzern für ein Papier mit ähnlicher Laufzeit 2,96 Prozent gezahlt.

Sollte Boeing später seinen "Investment Grade"-Status verlieren und die Anleihen von den Ratingagenturen als "Ramsch" eingestuft werden, bekommen die Anleger einen Risikoaufschlag. Bei S&P wird Boeing seit Mittwoch nur noch eine Stufe über dem "Ramsch"-Status klassifiziert. Arrangiert wurde die Emission von den Investmentbanken Citigroup, Bank of America, JPMorgan und Wells Fargo.