Kuka-Roboter sollen die Industrie 4.0 beflügeln, könnten aber bald in chinesischer Hand sein

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Robotik
05/28/2016

Chinesisches Milliarden-Offert spaltet Kuka-Aktionäre

Expansion gegen Technologieabfluss. Firmenspitze und Aktionäre sind sich uneinig, ob Kuka ein milliardenschweres Übernahmeangebot aus China annehmen soll.

Das milliardenschwere Kaufangebot der chinesischen Midea für den deutschen Roboterbauer Kuka treibt einen Keil zwischen die Firmenspitze und die Kleinaktionäre. Während sich Vorstandschef Till Reuter vorsichtig positiv über den Vorstoß der Chinesen äußerte, dominierte unter den kleineren Anlegern auf der Hauptversammlung am Freitag Skepsis.

Ausverkauf von Technologie

Die Kleinaktionäre befürchten da sie einen Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologie ins Ausland. "Grundsätzlich kann ich heute sagen, dass das Angebot, so wie es angekündigt wurde, unsere Strategie unterstützen kann", sagte Reuter in Augsburg. Besonders bei der Eroberung des chinesischen Markts könne Midea helfen.

Ein Berliner Regierungsvertreter warnte jedoch: "Wir unterstützen Investitionen in Deutschland, aber wir müssen darauf achten, dass kein Technologie-Abfluss stattfindet", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Aktivitäten chinesischer Unternehmen haben zugenommen. Wir beobachten diese Entwicklungen intensiv."

4,5 Milliarden Euro

Der Kühlschrank- und Klimaanlagen-Hersteller Midea kündigte vergangene Woche an, bis zu 4,5 Milliarden Euro für den schwäbischen Automatisierungs-Spezialisten zu bieten. Midea hält bereits knapp zehn Prozent an Kuka. Auf der offiziellen Tagesordnung der Hauptversammlung stand die Offerte der Chinesen nicht. Kuka-Chef Reuter betonte aber die Vorteile des Angebots: "In unserer Strategie haben wir uns das Ziel gesetzt, im Jahr 2020 einen Wert von einer Milliarde Euro Umsatz zu erreichen. Ein Partner, der diese Strategie unterstützt und uns einen besseren Marktzugang verschafft, könnte für Kuka ein erheblicher Wachstumstreiber sein."

Für die Bundesregierung spielt Kuka eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung der Industrie, die unter dem Stichwort "Industrie 4.0" gefördert wird. Ein Technologie-Ausverkauf wird deshalb mit Argwohn gesehen. Ein Einstieg der Chinesen bei einer Firma müsse aber nicht gleichbedeutend mit einem Abfluss der Technik sein, sagte der deutsche Regierungsvertreter: "Das muss man sich in jedem Einzelfall anschauen. Das hängt dann auch mit der Höhe der jeweiligen Beteiligung zusammen", sagte er.

Wasserdichte Verträge

Reuter kündigte an, zu prüfen, ob eine Reihe weiterreichender Zusagen für Standorte und Patentrechte in wasserdichte Verträge zu überführen seien, dann suche Kuka das Gespräch mit der Midea-Führung. Letztlich wollen Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären je eine Stellungnahme zu dem Offert abgeben. Reuter und Finanzchef Peter Mohnen beteuerten, auch bei einem Eigentümerwechsel an Bord zu bleiben.

Die bisherigen Großaktionäre Voith und Friedhelm Loh halten sich über ihre Zukunftspläne als Kuka-Eigner bedeckt. Loh sagte nach Aussage von Aufsichtsratschef Bernd Winning seine Teilnahme an der Hauptversammlung wegen Terminüberschneidungen ab. Voith-Vertreter Hubert Lienhard äußerte sich nicht. Midea schickte keine eigenen Manager nach Augsburg, sondern beauftrage einen Stimmrechtsvertreter. Voith hält gut ein Viertel an Kuka, Loh und Midea je gut ein Zehntel.

Skepsis bei Aktionären

Aktionärsverbände und Kleinaktionäre äußerten sich skeptisch über die Ambitionen aus dem Reich der Mitte. Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnte vor einem Ausverkauf von deutschen Schlüsseltechnologien ins Ausland. "So etwas wäre in den USA nicht möglich, vermutlich auch nicht in Frankreich und wahrscheinlich auch nicht in China", erklärte er. Angesichts der Bedeutung des Roboterbauers für die deutsche Industrie sollte das Übernahmeangebot kritisch betrachtet werden. "Was sind da 4,5 Milliarden im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit. Für mich ist das Anlass zur Sorge", erklärte der Wirtschaftsprofessor. Sein Kollege Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger äußerte sich ähnlich. Angesichts des sich abzeichnenden Einstiegs von Midea hätten sowohl deutsche Industrie als auch Regierung geschlafen, wenn es um die Sicherung von Industrieperlen gehe.

Für viele Aktionäre dürfte das Angebot aus Guangdong - 115 Euro je Kuka-Aktie - dennoch attraktiv genug sein, um zu verkaufen, glauben Experten. 30 Prozent hat sich Midea mindestens vorgenommen. Auch ein Gegenangebot zur Midea-Offerte halten Fachleute für denkbar. Ein Kandidat, dem in der Vergangenheit immer wieder Interesse an Kuka nachgesagt wurde, hat Insidern zufolge schon abgewunken: Siemens habe die Idee geprüft und verworfen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen.