B2B
01.03.2011

Cloud Computing: „Markt noch nicht reif“

Kaum ein Thema wird derzeit so gehypt wie Cloud Computing. Das beweist auch die heute startende CeBIT, die das Thema zum Leitmotiv auserkoren hat. Die virtuelle Speicherwolke soll das Arbeiten mit digitalen Daten vereinfachen und dabei noch helfen, Kosten zu sparen. Aber nicht alle beten das Marketinggetöse nach. „In Österreich zeigt der Markt noch nicht die notwendige Reife“, meint etwa PAC-Analyst Philipp Schalla im Gespräch mit der futurezone.

Bei den Privat-Usern ist die Cloud ohnehin längst Realität. Gmail verwaltet unsere Mail-Korrespondenz auf Google-Servern, Flickr speichert unsere Fotos, YouTube die Videos und Facebook vereint alles auf seinen Seiten. Dass die Daten eben nicht auf dem eigenen Computer oder der eigenen Festplatte abgespeichert sind, wird einem nur dann bewusst, wenn etwas schiefgeht. Gestern etwa

sämtliche Mails von 150.000 Gmail-Konten. Und auch Flickr hat immer wieder einmal mit versehentlichgelöschten Accountszu kämpfen.

Dass die beliebten Services von Google und Co das Thema Cloud auch in der Business-Welt vorantreiben, ist wenig verwunderlich. Nach jahrelanger Verweigerung ist mittlerweile auch Microsoft nachgezogen und bietet Versionen seiner Office-Software sowie Speicherplatz online an. Auf der CeBIT-Pressekonferenz am Montag kündigte Ralph Haupter, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland zudem an, man wolle Deutschland zur Cloud Nation Nummer eins in Europa machen.

Mehr als nur Speicher
Gerade im Business-Bereich geht es bei Cloud Computing natürlich um viel mehr als um reinen Speicherplatz. Vielmehr könnte zukünftig ein großer Teil der IT-Infrastruktur je nach Bedarf bei Cloud-Anbietern gemietet werden – also neben dem Speicher auch die notwendige Rechenleistung und entsprechende Softwaremitbenutzung. Aber nicht alle Marktanalysten sehen den derzeitigen Hype unkritisch. Die UBS warnt in einem aktuellen Strategie-Papier gar vor einer kleinen Cloud-Blase und empfiehlt Anlegern auf breiter aufgestellte IT-Unternehmen zu setzen.

Aber auch der Marktanalyst Philipp Schalla vom Marktforschungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) warnt vor überzogenen Erwartungen und unüberlegten Investitionen. „Cloud Computing verspricht ein großes Potenzial für IT-Anwender. In Österreich zeigt der Markt allerdings im Moment noch nicht die notwendige Reife, um dieses Potenzial voll ausschöpfen zu können“, so Schalla am Rande eines Branchentreffens des Future Networks vergangene Woche in Wien. Die Investitionsbereitschaft bei österreichischen Unternehmen sei hoch, zumal man auch im kleinen Rahmen mit dem Thema anfangen könne. Als größte Hürde für den Durchbruch der Cloud bezeichnete Schalla die Sicherheitsfrage.

Sicherheitsproblematik
Markus Klemen von SBA Research sah dies ähnlich. „Gerade in der Cloud weiß ein Unternehmen ja nicht einmal mehr, wo die Daten überhaupt liegen. Das erschwert folglich auch Maßnahmen zu ergreifen, die Datenlecks verhindern“, so Klemen. Generell spiele das Datenmanagement von Unternehmen eine weitaus größere Rolle als noch vor wenigen Jahren. Wie Daten langfristig aufbewahrt und gesichert werden können, bedürfe einer genauen Planung.

Andere Stimmen wiederum verwiesen bei der Diskussionsrunde auf die ohnehin bereits prekäre Sicherheitssituation vieler kleinerer und mittlerer Unternehmen, die Serverräume oftmals ungesichert im eigenen Bürogebäude betreiben. Diese wären mit einem professionellen Cloud-Anbieter vermutlich besser bedient. Durch das Verschicken und Abrufen von Daten über mobile Geräte könne der sichere Umgang von Dateien derzeit ohnehin kaum gewährleistet werden. Ein abgesichertes Cloud-System mit eigenen mobilen Apps und Authentifzierung könnte hier eine Verbesserung zum Status quo bedeuten.

Differenzierte Diskussion gefordert

„Man muss bei der Sicherheitsdebatte schon auch differenzieren, über welche Daten man spricht“, meinte auch Roland Fadrany, Head of IT Outsourcing & Services bei A1 Telekom. Unternehmen müssten zwischen unternehmenskritischen und weniger kritischen Daten unterscheiden. Werden zweitere in die Cloud ausgelagert, könnten Unternehmen von den Skaleneffekten profitieren. Sensible Daten sollten hingegen nicht ausgelagert werden, so Fadrany. „Die Nachfrage von Unternehmen beim Thema Cloud Computing ist jedenfalls enorm.“

Diese Ansicht teilt jedenfalls auch CeBIT-Mitveranstalter BITKOM, dessen Präsident August-Wilhelm Scheer anlässlich der Eröffnung der Messe bereits Wachstumsraten von bis zu 55 Prozent – etwa für 2011 – in den Raum stellte. Dem Branchenverband BITKOM zufolge soll der Cloud-Umsatz mit Geschäfts- wie Privatkunden 2011 auf 3,5 Milliarden Euro steigen. Für 2015 werden gar 13 Milliarden Umsatz prognostiziert. Für den mit Österreich vergleichbaren Markt hieße das, dass dann rund zehn Prozent der Gesamt-IT-Ausgaben auf Cloud Computing entfallen. Dieser Wert liegt derzeit in Deutschland bei 1,5 Prozent.