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Software-Entwicklung
11/11/2011

Cloud: "Entwickler müssen umdenken"

Cloud Computing wird unter Konsumenten wie Business-Usern bekanntermaßen kontrovers diskutiert. Aber auch Software-Entwickler und Techniker müssen bei der Cloud umdenken. Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) nimmt sich am 17. November bei einer Tagung dem Thema an. Die futurezone hat Chancen und Risiken mit Dozent Alexander Wöhrer von der FH St. Pölten diskutiert.

von Martin Stepanek

Ungeachtet der öffentlichen Diskussion über die Cloud werde die Thematik aus Entwicklersicht bisher kaum wahrgenommen, meint Wöhrer, Fachdozent an der FH St. Pölten sowie Leiter des OCG Arbeitskreises „Cloud Computing“ im Interview mit der futurezone. Dabei sei aber gerade für Entwickler ein großes Umdenken gefragt.

„Von lokal installierten Programmen, die in einem homogenen Umfeld funktionieren mussten, geht die Entwicklung nun zu skalierbaren, vernetzten Lösungen. Diese Flexibilität erfordert eine völlig andere Herangehensweise an die Software-Architektur“, sagt Wöhrer. Einen Überblick über die neuen Herausforderungen und Entwicklerumgebungen soll die Tagung „Cloud Compact Inside 2011“ am 17. November in der Siemens City bieten, die von der OCG gemeinsam mit dem IT-Cluster der Wirtschaftsagentur Wien und der FH St. Pölten veranstaltet wird.

Mieten statt kaufen
Auch das Geschäftsmodell hinter Cloud Computing ist völlig anders aufgebaut als bei herkömmlicher Software. „Moderne Software zwingt nicht automatisch zu besserer Hardware. Vielmehr spielt die Skalierbarkeit hinsichtlich Funktions- und Datenumfang eine entscheidende Rolle“, so Wöhrer. Statt einige teure Rechner zu verwenden, würden Firmen heute vermehrt auch den Einsatz vieler kostengünstiger Einheiten in Betracht ziehen. Darüber hinaus gehe der Trend eher in Richtung mieten und leasen statt besitzen. Neben der Skalierbarkeit zählt gerade beim Cloud Computing auch die Ausfallssicherheit zu den wichtigsten Kriterien. Das müssten Entwickler bei ihren Architekturentwicklungen von Anfang an berücksichtigen.

Die gefühlte Dominanz von großen US-Konzernen, die zwar mit europäischen Datenzentren locken, aufgrund der unklaren Rechtslage aber dennoch meist US-Recht unterworfen sind, sieht Wöhrer als Chance für heimische Unternehmen. „Viele sensible Daten dürfen das Land nicht verlassen, deshalb wird es im Bereich Cloud Computing definitiv lokale Lösungen geben und geben müssen. Kunden werden folglich auch bereit sein, für eine österreichische bzw. europäische Lösung mehr zu bezahlen.

"Der Schnelle überholt den Langsamen"

Auch die Gefahr, dass neben den großen US-Konzernen kein Platz für innovative Start-ups ist und nur große Unternehmen von der Cloud profitieren, sieht Wöhrer nicht: „Gerade bei der Cloud geht es nicht so sehr darum, dass der Große den Kleinen frisst. Vielmehr überholt der Schnelle den Langsameren“. Nicht jedes Unternehmen bzw. nicht alle Geschäftsbereiche müssten in die Cloud. Systemadministratoren und IT-Leiter müssten daher lernen, über ihren lokalen Tellerrand hinwegzusehen und strategisch richtige Entscheidungen im Unternehmen treffen, welche Architektur in welchem Geschäftsbereich sinnvoll sei.

Entwicklern, die in das Thema reinschnuppern wollen, empfiehlt Wöhrer Open-Source-Tools. Diese seien zwar noch nicht so zuverlässig und leicht integrierbar wie etablierte proprietäre Produkte, man bekomme aber sehr schnell ein Gefühl dafür, wie Cloud-Architektur funktioniere.