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Interview
07/25/2011

Cloud: “Viele trauen dem Ganzen ja nicht"

Im futurezone-Interview spricht Karl Mayrhofer, Geschäftsführer des Linzer Anbieters Fabasoft, über seine Chancen, sich im globalen Markt für Cloud Computing durchzusetzen, die Energie-Problematik und den Marketing-Begriff "Cloud Computing".

von Jakob Steinschaden

Als nach der Ankündigung von Apple, im Herbst mit iCloud zu starten, eine Forrester-Studie einen Dreikampf um den Cloud-Markt prognostizierte (futurezone-Bericht

), war die Aufregung unter heimischen Anbietern natürlich groß. “Hallo, uns gibt es auch noch!”, hieß etwa von Seiten des Linzer Software-UnternehmenFabasoft. Mit dem Online-DienstFolioCloudsieht man sich unter den führenden europäischen Cloud-Anbietern. Interessierten stehen in einem Gratis-Account ein Gigabyte Web-Speicher kostenlos zur Verfügung, in “Teamrooms” wird die virtuelle Zusammenabreit mit anderen Nutzern ermöglicht. Apps für iOS und Android bieten unterwegs Fernzugriff auf die Daten, und unterCloudappstore.combaut Fabasoft einen eigenen Store für Online-Programme auf.

Das Hauptgeschäft von Fabasoft wird aber nicht mit der Internet-Wolke, sondern mit IT-Lösungen für für österreichische Bundesministerien oder Großkunden wie Siemens und das Pipeline-Projekt Nabucco gemacht.

Im futurezone-Interview spricht Fabasoft-Geschäftsführer Karl Mayrhofer über die Überlebenschancen für europäische Cloud-Anbieter, den problematischen Energieverbrauch von Rechenzentren und warum man die Cloud nicht einfach als Server-Dienst abstempeln sollte.

In Europa sind die Datenschutzbedenken der potenziellen Cloud-Nutzer größer als in den USA - vor allem, nachdem bekannt wurde, dass die USA Zugriff auf Cloud-Daten aus der EU hat, sobald sie ein US-Anbieter speichert (futurezone-Bericht

hier
). Wie wollen Sie als Cloud-Anbieter das Vertrauen der Kunden gewinnen?
Wir verstehen uns als eine “Cloud made in Europe”, bei uns bleiben die Daten auf jeden Fall in den Grenzen Europas. Über Datenschutz können sich europäische Unternehmen von amerikanischen differenzieren. Viele trauen dem Ganzen ja nicht, weil sie dann nicht wissen, wo die Daten liegen. Da halten wir dagegen, indem wir in Zertifizierungen zu investieren (z.B. ISO 20.000, Fabasoft-Aussendung dazu hier).

Wie viel kostet so eine Zertifizierung?
Das ist eine Investition, die an die hundertausend Euro herankommt, und ein erheblicher Aufwand. Der Katalog umfasst über 800 Einzelanforderungen, die Prüfung hat fast zwei Wochen gedauert und mehr als 1000 Seiten Testmateria gebraucht. Diesen Prozess durchzustehen, ist ein erheblicher Aufwand.

Wie wissen Ihre Cloud-Nutzer, wo ihre Daten hinkommen?
Wir haben zwei Rechenzentren, eines im Hauptquartier der Fabasoft, das andere bei einer großen oberösterreichischen Landesbank. In Zukunft wollen wir den Nutzer aussuchen lassen, auf welchem dieser Server seine Daten liegen.

Bei Dropbox gab es vor kurzem ein schweres Sicherheitsproblem (die futurezone

berichtete
). Schadet das der Branche?
Das ist natürlich Salz in den Wunden der Cloud, aber für uns eine Differenzierungschance, die Sicherheit zu thematisieren. Die Cloud steht ja noch am Anfang, und viele probieren es einmal aus. Wenn das nicht sofort überzeugt, werden sich die Kunden in Zukunft genau ansehen, wer sicher ist und wer da nicht so gut unterwegs ist.

Viele Nutzer finden, dass ihnen mit “Cloud Computing” nur ein neuer Marketing-Begriff verkauft wird. Können wir nicht einfach Server-Dienste sagen?
Nein. Das NIST (National Institute of Standards and Technology, Anm.) hat Cloud-Dienste definiert (PDF hier). Ein Charakteristikum ist etwa der Self-Service, das heißt, ich muss es nutzen können, mich für den Dienst zu registrieren, ohne irgendeinen Vertrag mit der Firma ausgehandelt zu haben - etwa bei Facebook oder Amazon. Das ist ein spezifisches Charakteristikum, das es bei herkömmlichen Server-Diensten nicht gibt. Weitere Cloud-Eigenschaften wären Ressource-Pooling, Elastizität oder Measured Services.
Aber natürlich schwingt bei dem Thema immer der Hype mit.

Was wäre kein Cloud-Service?
Wenn etwa diese Elastizität nicht gegeben ist, also das der Anwender so viel nutzt, wie er braucht, aber auch wieder zurückfahren kann. Bei klassischen Lizenzen, die man kauft, ist das zum Beispiel nicht so leicht möglich, zurückzunehmen oder zu erweitern. Bei Cloud-Diensten zahlt man eine Gebühr pro Nutzer und Monat, solange man sie braucht.

Laut aktueller Forrester-Studie (futurezone-Bericht

hier
) werden sich Apple, Google und Microsoft das Milliardengeschäft mit der Cloud teilen, nicht einmal Amazon soll mitmischen können. Wie kann Fabasoft da als kleiner Anbieter überleben?
Auch die Kleinen können sich im Konzert der Großen profilieren. Man hat die Chance, eine Anwendung über die Cloud an die Anfordernisse von verschiedenen Regionen und Sprachen auszudifferenzieren, das versteht der amerikanische Hersteller gar nicht. Die Amis fahren mit einem Angebot über den Globus. Für die ist Europa ein kleiner Markt zwischen Asien und dem nordamerikanischen Kontinent.

Stichwort lokaler Markt: Laut Forrester-Studie wird 2015 in den USA  jeder Sechste für Cloud-Dienste zahlen. Wie wird sich das in Österreich entwickeln?
Wir glauben schon, dass sich die Cloud durchsetzen wird, weil die Vorteile überwiegen. Ich kann morgen damit anfangen, mit meinen russischen Partnern in der Cloud zusammenzuarbeiten, aber auch ein Ruderverein kann sich so organisieren.

Fabasoft fokussiert ja auf den B2B-Bereich. Für kleine Player ist im Consumer-Bereich nichts zu holen?
Bei Online-Speichern gibt es schon sehr viele Anbieter, von den ganz Großen bis zu kleinen Anbietern. Man könnte dort aber auch das Thema Sicherheit ins Spiel bringen, etwa, dass meine Familienfotos in Rechenzentren in Österreich liegen und nicht irgendwo in China oder Indonesien. Das würde eine Lösung wie FolioCloud auch für den Privatgebrauch prädestinieren, aber natürlich ist der Mitbewerb dort ungleich größer.

Zahlen Nutzer der FolioCloud schon für erweiterte Dienste?
Derzeit überwiegen natürlich noch die Gratis-Kunden. Mehr als 90 Prozent der User haben die kostenlose Version. Wer sich überzeugen lässt, kann sich auf eine höherwertige Version upgraden lassen. Derzeit sind wir noch dabei, eine kritische Masse aufzubauen, damit sich das auch viral weiterverbreitet.

Wie viel Umsatz generiert Fabasoft über die Cloud-Angebote?
Da kann ich Ihnen keine exakten Zahlen liefern, aber da das Thema so jung ist, ist das noch minimal. Noch sind wir in der Phase, die Kunden für das Thema zu sensibilisieren.

Laut Greenpeace (futurezone-Bericht

hier
) sorgen Rechenzentren für bereits bis zu zwei Prozent des weltweiten Energiebedarfs, Tendenz steigend.  Wird das zunehmends zum Umweltproblem?
Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Die Cloud kann auch einen Beitrag zur Energieeffizienz machen. Etwa, wenn viele mittelständische Unternehmen diese Dienste bei einem Anbieter nutzen und nicht jeder seine eigene Infrastruktur aufbaut. Wir selbst senken jährlich unseren Strombedarf.

Gleichzeitig werden aber immer mehr Datenzentren gebaut. Wann wird Fabasoft seine Rechenzentren ausschließlich mit erneuerbarer Energie betreiben können?
Da die vollständige Umstellung auf die ausschließliche Verwendung von erneuerbarer Energie nicht nur von uns, sondern von mehreren externen Faktoren abhängt, kann der genaue Zeitpunkt dafür noch nicht genannt werden. Das heißt, sobald diese Art von Energie mit unserem Energie-Netz in den Datenzentren angepasst werden kann, unternehmen wir diesen Schritt.

Bei der Einsparung setzt Fabasoft im Bereich Green IT auf Server-Virtualisierung, so dass - trotz Steigerung der Rechenleistung - wesentlich weniger physische Server im Rechenzentrum stehen, die Strom verbrauchen und Kühlung benötigen. Des weiteren wurde ein Projekt zur Optimierung der Energieeffizienz und des Kühlbedarfs der Rechenzentren durchgeführt. Das Ergebnis: eine gezielte Kühlung der Server, wodurch der Kühlbedarf sinkt. Zusätzlich wurde pro Server-Schrank ein Messgerät eingebaut, um kontinuierlich die Veränderung des Strombedarfs überwachen zu können.

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