B2B
09/18/2012

Deutsche Telekom treibt Netzausbau voran

Nicht nur in Österreich sind Telekommunikationsunternehmen mit dem Netzausbau beschäftigt. Die Deutsche Telekom will im Kampf um Internetkunden mit einem milliardenschweren Ausbau ihrer Infrastruktur die Kabelnetzbetreiber ausstechen.

Wenn die Regulierungsbehörde ihr Okay gebe, könnte die Zahl der schnellen VDSL-Internetanschlüsse verdoppelt werden, sagte der Konzernchef der Deutschen Telekom, Rene Obermann, am Dienstag. Billig wird die Offensive nicht. Auf die Telekom dürften wegen des Ausbaus Zusatzkosten von vier Milliarden Euro bis 2015 zukommen, erklärten die Telekom-Analysten der Bank Nomura in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Das VDSL-Netz sei vor fünf Jahren für 1,6 Mrd. Euro verlegt worden. Da nun gleichzeitig auch neue Regionen Deutschlands mit der superschnellen Internetverbindungen versorgt werden sollten, werde der Ausbau dieses Mal teurer, sagten die Experten weiter.

„Unser Ziel ist es, in den kommenden vier Jahren circa 24 Millionen Haushalten superschnelle Anschlüsse zu bieten - das wäre ein Riesensprung für die Breitbandversorgung in Deutschland", erklärte Obermann. Gleichzeitig sollten die Internet-Zugänge mit 100 Mbit/s doppelt so schnell werden wie bisher. Eine direkte Anbindung der Haushalte mit Glasfasern - die eigentlich unbegrenzte Geschwindigkeiten bieten - sei wegen der damit verbundenen Tiefbauarbeiten sehr teuer. „Es geht darum, mit vertretbaren Mitteln möglichst vielen Haushalten höhere Bandbreiten zu ermöglichen."

Vectoring statt Glasfaser bis zum Endkunden
Die Antwort sei Vectoring, eine Art Turbo für die VDSL-Technik. Dabei werden Glasfasern nur zu den grauen Telekom-Schaltkästen verlegt, die überall in Deutschland am Straßenrand stehen. Auf den letzten Metern gehe es auf den alten Kupferleitungen weiter, die dank Vectoring mehr Daten übertragen könnten. Davon sollten nicht nur Hamburger, Berliner oder Münchner etwas haben. „Mit Vectoring könnten wir auch den ländlichen Raum mit deutlich höheren Geschwindigkeiten versorgen." Und dort, wo sich der Ausbau für die Telekom nicht rechne, könnte der Staat einspringen, sagte er weiter. Der Bund hält rund ein Drittel der T-Aktien.

Mit dem Ausbau will der Dax-Konzern den Kabelnetzbetreibern wie Kabel Deutschland oder Unitymedia Einhalt gebieten. Die jagen den Bonnern seit Jahren mit aggressiven Preisen und superschnellen Anschlüssen Internet-Kunden ab. Unitymedia etwa hat maximal 150 Mbit/s im Programm - das ist dreimal so schnell wie der schnellste VDSL-Anschluss der Telekom.
Allerdings steht hinter der schönen Plan ein großes Fragezeichen, da die brandneue Technik nur richtig funktioniert, wenn die Telekom die letzte Meile wieder für sich hat - sonst sind die Störungen zu groß.

Strenge Auflagen der Bundesnetzagentur
Die deutsche Bundesnetzagentur sorgt bisher mit strengen Auflagen dafür, dass die Telekom-Rivalen die letzten Meter Kupferkabel, die in jedes Haus reichen, ebenfalls mitbenutzten dürfen. Die Bonner Regulierungsbehörde müsse deshalb den Einsatz von Vectoring erlauben, betonte Obermann. Die Wettbewerber sollten aber nicht komplett außen vor bleiben - sie könnten einfach die Telekom-Anschlüsse weiterverkaufen. „Sie könnten beispielsweise Kontingente der neuen Anschlüsse buchen und damit für eine bessere Auslastung der Infrastruktur sorgen."

Gleichzeitig wirbt er in Berlin für die neue Technologie. „Es wäre schön, wenn wir diese Technik auch in Deutschland einsetzen könnten - die Breitbandziele der Bundesregierung wären so viel schneller zu erreichen", sagte der Unternehmenschef. Die Regierung erhofft sich, dass bis 2014 für 75 Prozent der Haushalte Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen.

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