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Server-Dienste
02/10/2012

Die geheimnisvollen Wege von Facebook-Fotos

Der Content-Beschleuniger Akamai, der auch für Apple arbeitet, sorgt täglich für die Auslieferung von 250 Millionen Bildern, die Mitglieder des Online-Netzwerks Facebook hochladen. Die Daten kommen dabei auch auf Hunderten Servern zu liegen, die in Österreich stehen.

von Jakob Steinschaden

So fern und doch so nah: Wenn man bei Facebook Fotos hochlädt, dann wandern diese auf die Server der Firma in den USA - etwa in das riesige, 210 Millionen Dollar teure Rechenzentrum in Oregon, das so viel Strom verbraucht wie der gesamte Bezirk, in dem es steht. Dort werden die Fotos gespeichert, abgerufen und auch wieder gelöscht - möchte man zumindest meinen. Doch die Bilder bekommen per Upload-Befehl auch gleich ein Retour-Ticket ausgestellt: Denn sie werden auch auf Großrechner der Firma Akamai kopiert, die ein weltweites Netzwerk aus mehr als 95.000 Servern in 75 Ländern betreibt. Mehrere Hundert davon stehen in österreichischen Städten, in Wien etwa bei der Telekom Austria oder der TU Wien.

Möglichst nah beim Nutzer
In der offiziellen Kundenliste von Akamai scheint Facebook nicht auf, doch in einem anderen Dokument sehr wohl: Der Untersuchungsbericht der irischen Datenschutzbehörde nennt Akamai 13 Mal, und zwar im Zusammenhang mit der Speicherung von Fotos. "Ja, Facebook ist ein langjähriger Kunde von uns. Wir arbeiten mit ihnen weltweit zusammen”, so Akamai-CEO Paul Sagan gegenüber der futurezone. "Wir helfen ihnen etwa dabei, 250 Millionen Fotos täglich zu verarbeiten. Ähnliches tun wir für viele andere Firmen auch.”

Akamai ist ein so genanntes "Content Delivery Network” (CDN): Weil das Laden von größeren Daten wie eben Fotos oder Videos einige Sekunden dauern kann, wenn sie auf der anderen Seite des Pazifiks lagern, versucht Akamai, diese Daten so nah wie möglich an den Nutzer zu bringen - also etwa auf Server in Wien für österreichische Facebook-Mitglieder. So dauert das Laden am Bildschirm des Nutzers nicht zähe Sekunden.

Der schnellste Weg
"Wir haben ein Software-Overlay über dem Internet, das keiner sehen kann, eine Art Luftverkehrskontrolle für Internet-Daten. Wir erkennen die Anfrage des Nutzers und finden für ihn den schnellsten Weg zu dem gewünschten Inhalt”, so Sagan. "Das kann der nächst gelegene Server sein, aber wir finden auch den schnellsten Weg, sollte der Inhalt auf der anderen Seite des Globus liegen.” Nicht nur Facebook baut auf die Dienste des Content-Beschleunigers, auch Firmen wie Amazon, Microsoft, Yahoo! sowie andere Online-Netzwerke wie Bebo, Friendster oder MySpace setzen/setzten auf Akamai.

Wichtigster Kunde von Akamai ist wohl Apple - alle Downloads bzw. Streams aus dem iTunes Store (Apps, Musik, Filme) werden über das Akamai-Netzwerk abgewickelt. Die Server, die Akamai bei österreichischen Firmen und Institutionen untergebracht hat, sind in Käfigen gesichert und mit Bewegungsmeldern versehen. Wird Alarm geschlagen, werden alle Daten von den Geräten gelöscht.

Facebook erklärt die Datenweitergabe an Akamai in einem Passus in den Datenverwendungsrichtlinien: "Wir überlassen deine Daten Personen und Unternehmen, die uns bei der Erbringung der von uns angebotenen Leistungen behilflich sind. Beispielsweise können wir die Leistungen von externen Dienstleistern in Anspruch nehmen, die uns dabei behilflich sind, unsere Webseite im Internet zu präsentieren, Fotos und Videos anzubieten, Zahlungsvorgänge abzuwickeln oder Suchergebnisse bereitzustellen.”

Löschen in Sekundenschnelle?

Datenschützer sind ob der Weitergabe von Nutzerdaten durch Facebook an Drittfirmen schon seit jeher besorgt. So gibt es etwa die Befürchtung, dass auf verschiedenste Server verteilte Fotos nicht schnell genug gelöscht werden. Der CDN-Anbieter will hier besonders flink sein: Sollte ein Löschbefehl erteilt werden, würde dieser "schneller als ein Augenblinzeln” beim entsprechenden Server ankommen, verspricht Sagan. "Wir verwenden ein schnelleres Routing-System, als es das herkömmliche Internet bietet.”

Max Schrems von der Wiener Studenteninitative "europe-v-facebook” zufolge seien Facebook-Fotos noch 48 Stunden nach der Löschanfrage unter dem Akamai-Link zu finden. In einem gemeinsamen Test mit der futurezone war ein Foto auch noch 16 Stunden nach dem Löschbefehl unter einem Direkt-Link (nicht auf Facebook selbst) zu finden. Eine zügigere Löschung von Inhalten muss offensichtlich von den Betreibern des Online-Netzwerks selbst angefordert werden - ein so genanntes "Purgen". "Social Networking Sites können verschiedene Objekte wie Fotos, die beanstandet werden, innerhalb von 5 bis 10 Minuten im Akamai-Netzwerk proaktiv löschen", so eine Akamai-Sprecherin zur futurezone.

Konkurrenz unter eigenen Kunden
In Zukunft könnte Facebook die Dienste von Akamai und die damit komplizierten Datenverarbeitungen nicht mehr brauchen.
Seit das Online-Netzwerk wie auch Akamai-Großkunde Apple vermehrte Ambitionen zeigen, ihre eigenen Datenzentren auszubauen (Facebook

), stellt sich für CDN-Anbieter auch die Frage nach der künftigen Strategie. Akamais Aktienkurs etwa hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Sagan: "Wir unterscheiden uns doch deutlich von Hosting-Diensten. Wir müssen unsere Qualität weiter unter Beweis stellen. Wir haben große Kapazitäten für die Auslieferung von großen Datenmengen, wie sie etwa Videos verursachen.” Der wachsende Cloud-Markt würde dem Geschäft gut tun, Akamai hätte etwa Kunden im Bereich von Online-Speicher, SaaS und Computation gewinnen können. "Die Datenmengen wachsen wie verrückt.”

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