© Orange, Drei, Montage

Mobilfunkübernahme
12/06/2011

Drei bietet 1,4 Milliarden Euro für Orange

Die Verkaufsverhandlungen zwischen Drei und Orange sind so gut wie unter Dach und Fach. Drei bietet für Orange 1,4 Milliarden Euro, will aber Frequenzen, Basisstationen und Yesss! um bis zu 300 Millionen Euro an A1 weiterverkaufen. Der Deal soll im Dezember fixiert werden.

Seit Anfang September gibt es grünes Licht aus der Konzern-Zentrale in Hongkong. Am ersten September-Wochenende wurde der Orange-Österreich-Kauf mit dem Hutchison-Eigentümer, dem Milliardär Li-Ka-Shing besprochen – und genehmigt. In der Vorwoche hat Hutchison-Finanzchef Frank Sixt betont, auf Märkten gerne die Nummer 1 oder Nummer 2 zu sein. Auf die Frage der futurezone, ob durch einen Kauf von Orange in Österreich die Nummer-2-Position möglich wäre, meinte er: „Konsolidierung kann eine Möglichkeit sein. Wenn der Preis passt.“ Nach dem Verkauf des Netzes an die staatliche China Development Bank (CDB) ist der Kauf von Orange wohl die einzige Chance für Drei, sich am immer schwieriger werdenden Mobilfunkmarkt in Österreich zu behaupten und profitabel zu werden.

Das große Feilschen
Das erste Anbot von Hutchison lag bei 1,35 Milliarden Euro, 50 Millionen Euro unter den Vorstellungen von den derzeitigen Orange-Eigentümern Mid Europe Partners und France Telecom, die vor vier Jahren ebenfalls 1,4 Milliarden für den damaligen Betreiber One hingelegt haben.

Täuschungsmanöver
Während andere Medien im Land noch Übernahme-Gerüchte bezüglich T-Mobile/Orange wälzten, wurde hinter den Kulissen bereits alles in Richtung Verkauf an Drei vorbereitet. Anfang September wurde – ein Täuschungsmanöver - die Netz-Kooperation Orange-T-Mobile fixiert. Beide Betreiber können gemeinsam einkaufen und die Netze optimieren. Das ließ den Schluss zu, dass T-Mobile die größten Chancen hätte, den drittgrößten Betreiber im Land zu übernehmen.

Der Besucher aus Hongkong
Als Anfang September Hutchison-Whampoa-Chef Canning Fok in Wien war, um – wie er vor Journalisten betonte - „wieder einmal“ Drei Österreich zu besuchen, war der eigentliche Grund der, den Deal mit seinem Management zu besprechen und auch A1-General Hannes Ametsreiter zu besuchen. Konkret ging es darum, dass Drei Konkurrent A1 Basisstationen, Frequenzen im 2,1 GHz-Bereich und auch die Orange-Billigmarke Yesss anbot. Durch die Orange-Übernahme hätte Drei dann insgesamt 9000 Funkstationen (4000 Drei, 5000 Orange). Das sind markttechnisch gesehen um etwa 3000 zu viel, und diese will Fok an A1 abtreten. A1 könnte nicht nur einige der Stationen nutzen, sondern das Equipment innerhalb der Telekom Austria Gruppe verwenden.

Das Millionen-Paket
Für dieses Paket „Basistationen, Frequenzen, Yesss“ will Drei zwischen 200 und 300 Millionen Euro, wird kolportiert. Ob der Verkauf möglich ist, wird die Regulierungsbehörde RTR und auch die Bundeswettbewerbsbehörde, bei der die Causa aber noch nicht anhängig ist, entscheiden. Wird der Drei-Orange-Deal spruchreif, muss die BWB entscheiden, ob durch den Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung des neuen Betreibers entsteht. Im Normalfall dauert eine solche Überprüfung mindestens vier Wochen. Treten Zweifel auf, kann sich eine Entscheidung über viele Monate ziehen. Tatsache ist, dass seinerzeit T-Mobile beim telering-Kauf 2500 Stationen und Frequenzen an Drei abgeben musste.

"Alle Betreiber profitieren"
Bernd Maurer, Telekom-Analyst bei der Raiffeisen Centrobank ist überzeugt, dass eine Marktkonsolidierung sich auf alle drei Betreiber positiv auswirken würde. „In jedem Markt ist es so, je weniger Anbieter, desto geringer ist der Preisdruck“, so Maurer. „Auf jeden Fall wird sich eine Marktkonsolidierung aktienpositiv auf Telekom Austria Group auswirken.“ In welcher Höhe der Aktienkurs beeinflusst werden könnte, könne man nicht sagen, da dazu noch viele andere Faktoren hinzugezählt werden müssten.

Kein Kommentar
Weder Orange-Chef Michael Krammer noch Drei-Boss Ian Trionow wollen die Gerüchte kommentieren. Trionow, der in der vergangenen Woche mit Journalisten in Hongkong war, musste einen Tag früher abreisen, da am Freitag in Wien kurzfristig eine Verhandlungsrunde angesetzt wurde. Übrigens war auch A1-Chef Hannes Ametsreiter in der Vorwoche in Hongkong. Offiziell zwar beim Meeting des GSMA-Vorstandes, der dort anlässlich des Mobile Asia-Kongresses tagte. Er soll aber auch der Hutchison-Zentrale einen Besuch abgestattet haben.

Von One zu Drei:
One wurde im Juni 2007 zu Orange, als France Telecom (35 Prozent) und das Private Equity Unternehmen Mid Europe Partners (65 Prozent) One für 1,4 Milliarden Euro von E.ON kauften. In den vier Jahren hat Orange Österreich sowohl Mid Europe als auch France Telecom nicht nur zig Millionen Euro Gewinn beschert, die France Telecom bekam für den Namen „Orange“ auch 50 Millionen Euro Lizenzgebühren.Basis des Verkaufs ist eine Kaufoption, die im Oktober 2011 schlagend geworden ist. France Telecom hätte den 65 Prozent-Anteil von Mid Europe Partners übernehmen können, will dies aber nicht.

 

Der Hongkonger Milliardär und Drei-Eigentümer Li-Ka-Shing hat Anfang September grünes Licht für den Orange-Kauf gegeben. Seine rechte Hand, Canning Fok, war Anfang September in Wien, um den Deal auch mit A1-Chef Hannes Ametsreiter zu besprechen.

Die drei neuen Player:
A1:
5,1 Millionen Kunden
T-Mobile:
3,8 Millionen Kunden
Drei (samt Orange):
3,5 Millionen Kunden