B2B
24.02.2017

Fabasoft: "Für uns kann Trump einen positiven Impuls haben"

Andreas Dangl, zuständig für das Cloud-Geschäft bei fabasoft, über Trump, europäische Cloud-Lösungen und EU-Datenschutzstandards.

"Wir brauchen in Europa eine unseren Wertevorstellungen entsprechende IT-Infrastruktur", sagt Andreas Dangl von fabasoft. Das Linzer Software-Unternehmen macht sich seit längerem für europäische Cloud-Lösungen stark. Impulse dafür erwartet sich Dangl auch von der EU-Datenschutzgrundverordnung, die 2018 in Kraft tritt.

futurezone: Herr Dangl, sind Sie eigentlich über einen US-Präsidenten Trump froh?
Andreas Dangl:
Aus persönlicher Sicht bin ich überhaupt nicht froh. Da wir ein Unternehmen sind, das sich an europäischen Werten orientiert, kann Trump durchaus einen positiven Impuls haben. Kunden werden vielleicht mehr darüber nachdenken, was eine Abhängigkeit von Amerika aus politischer, aber auch aus IT-Sicht betrifft.

Hat sich eigentlich die Unsicherheit nachdem der Europäische Gerichtshof das Safe Harbor Abkommen zum Datentausch mit den USA gekippt hat, bei Ihnen bemerkbar gemacht?
Das haben wir in jedem Fall bemerkt. Viele Unternehmen sind wachgerüttelt worden. Wir haben sehr viele Anfragen bekommen.

Sie machen sich für europäische Cloudlösungen stark und treten für "United Clouds of Europe" ein. Wie kann ein solcher Zusammenschluss erreicht werden?
Wir brauchen in Europa eine unseren Wertevorstellungen entsprechende IT-Infrastruktur, auch in Bezug auf die Cloud. Insbesondere müssen europäische Datenschutzbelange berücksichtigt werden. In den vergangenen Jahren ist es zu einem sehr starken Überhang von amerikanischen Diensten gekommen. Es gibt kaum einen großen europäischen Player, der auf Augenhöhe mit US-amerikanischen Unternehmen mithalten kann. Die Initiative "United Clouds of Europe" hat zum Ziel auf Basis des europäischen Wertesystems und offener Standards einen Gegenpol zu schaffen.

Kann eine solche Initiative auch global ein Vorbild sein?
Wir haben einen sehr hohen Datenschutzstandard in Europa. Mit der Bündelung der Kräfte ist es durchaus denkbar, dass er global exportiert wird. Es gibt ja Beispiele. Mit dem nötigen politischen Willen und der Zusammenarbeit der Hersteller wurde etwa mit GSM im Mobilfunk ein globaler Standard geschaffen.

Würden Sie sich mehr Unterstützung von der Politik wünschen?
Wenn man sich europäische Gremien ansieht, dann sind primär US-amerikanische Unternehmen in diesen Arbeitsgruppen vertreten. Neben Amazon, Google, Microsoft und Salesforce finden sich dort vielleicht zwei oder drei europäische Unternehmen, darunter auch die fabasoft. Das sind die Kräfteverhältnisse. Wir sehen aber Fortschritte.

Sie sind hauptsächlich im Geschäftskundenbereich tätig. Woran scheitert es, dass sich bei Privatnutzern europäische Cloud-Lösungen durchsetzen?
Wir gehen mittlerweile als Konsumenten davon aus, dass IT-Services nichts mehr kosten. Wenn ich meine Fotos ins Netz stelle, erwarte ich, dass ich dafür nichts bezahlen muss. Die wenigsten überlegen, was das bedeutet. Man bezahlt mit seinen Daten. Als europäischer professioneller Software-Anbieter kann ich das nicht machen, weil ich mit dem Datenschutz in Konflikt kommen würde. Die Amerikaner fühlen sich aber nicht an die strengen österreichischen und deutschen Gesetze gebunden. Sie kommen über die relativ lockeren irischen Datenschutzgesetze in die EU und bekommen, was sie wollen.

Haben Sie je daran gedacht, es zu versuchen?
Wir können als kleines Unternehmen mit 200 Mitarbeitern diese Überzeugungsarbeit bei den 800 Millionen Europäern nicht leisten. Heute ist es ein Kampf David gegen Goliath und auch von den Kosten her gar nicht zu argumentieren. Es sind Initiativen auf EU-Ebene notwendig, damit sich so ein Markt etabliert. Die Datenschutzgrundverordnung ist eine Chance ein solches Ökosystem und eine Infrastruktur zu schaffen, um professionelle und sichere Services auch für Konsumenten aus Europa anzubieten.

Die Datenschutzgrundverordnung wird 2018 in Kraft treten. Sind österreichische Unternehmen darauf vorbereitet?
Ich merke aus persönlichen Gesprächen, dass es enormen Aufholbedarf gibt. Das betrifft sowohl technologische Aspekte als auch das Wissen über allfällige Konsequenzen im Bereich von Datenschutzverletzungen. Viele Unternehmen haben noch keine Idee, wie sie mit ihren Daten umgehen sollen, damit es den Vorgaben entspricht.