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Ausbildung
10/20/2011

FH Technikum Wien: Spiele programmieren als Knochenjob

Wer sich zum Spiele-Entwickler ausbilden lassen will, hat es in Österreich schwer. Es gibt keine Institution, die alle Aspekte - vom Designen, Coden bis hin zur Grafik - abdeckt. Stattdessen gibt es diverse Fachhochschulen, die sich auf ein Gebiet spezialisieren. „Durch die Spezialisierung haben Abgänger gute Jobchancen“, sagt Alexander Hofmann von der FH Technikum Wien.

von Benjamin Sterbenz

Nicht nur Spiele spielen, sondern mit dem Erschaffen von ihnen auch Geld verdienen. Diese Berufsvorstellung haben immer mehr Schüler und Studenten. Neben Autor, Musiker und Regisseur hat es der Spielentwickler als weiterer Kreativberuf auf die Liste attraktiver Jobs geschafft. Eine Entwicklung, die nicht verwundert: Computerspiele haben sich als Unterhaltungsmedium etabliert, sind wirtschaftlich wie auch popkulturell relevant. Dass jene, die mit Spielen aufwachsen, diese auch entwerfen wollen, ist nur logisch.

„Wir könnten die dreifache Menge an Studenten unterrichten. Wir haben aber nicht den Platz. Das Interesse ist weiterhin enorm“, sagt Alexander Hofmann, Leiter des Studiengangs Game Engineering und Simulation an der FH Technikum Wien. Der Studienzweig, den Hofmann - zwischenzeitlich gemeinsam mit seinem Kollegen Markus Schordan - leitet, ist eine der wenigen, dezidierten Ausbildungmöglichkeiten in Sachen Spieleentwicklung in Österreich. Heute, Donnerstag, wird der Lehrgang Interessierten im Zuge der Vortragsreihe Subotron Pro Games vorgestellt.

Grafiker sind nicht erwünscht
Die FH Technikum Wien hat sich auf das Programmieren spezialisiert. „Wir bilden Programmierer aus, keine Grafiker oder Designer“, sagt Hofmann. Wer in diese Richtung tendiert, den verweist er an andere Lehrstätten, wie etwa die FH Hagenberg, die FH Joanneum oder die FH Salzburg MultiMediaArts. Mit dem SAE wird in Sachen Grafik kooperiert. Der von der FH seit 2008 angebotene Studienzweig schließt mit einem akademischen Grad abschließt. Wer die vier Semester „Game Engineering“ meistert, ist Master of Science. 20 Studenten haben dies bislang erreicht.

Dass es keine umfassende Ausbildungsstätte gibt, die von Programmieren über Design und Grafik alles unterrichtet, sieht Hofmann nicht als Problem. „Die Industrie will spezialisierte Profis, die ein Gebiet sehr gut beherrschen. Jemand, der von allem ein bisschen was kann, hat keine Chancen.“ Außerdem sei der Fokus auf Programmieren schon alleine deswegen gerechtfertigt, weil das Gebiet sehr weit reichend ist. Eine Bedarfsanalyse hätte zudem gezeigt, dass der Bedarf nach Programmierern in der Industrie am größten ist. Grafiker und Animatoren seien weit weniger gewünscht.

Großer Andrang
„Pro Jahrgang nehmen wir 15 Studenten auf. Sie müssen fachliche Vorkenntnisse aufweisen und eine Aufnahmsprüfung bestehen“, sagt Hofmann. Ein Bacc-Abschlusses, bevorzugt eines technischen Studiums, ist verpflichtend. „Wir sehen uns alle Bewerbungen genau an. Man muss aber auf jeden Fall technisch und mathematisch gut sein“, sagt Hofmann. Unter den Einreichungen finden sich immer wieder Leute, die Ihren Zeitvertreib zum Beruf machen wollen und glauben, durch langes Spielen genügend Erfahrung für ein Studium zu besitzen. Auch Mütter rufen an, um sich für ihre Computer spielenden Kinder zu informieren. Wenn die Vorkenntnisse fehlen, werden diese Bewerber abgelehnt und auf das Informatikstudium verwiesen. „Wer Talent hat und es unbedingt schaffen will, studiert das zuerst und kommt dann wieder“, so Hofmann. „Junge Leute haben oft ein falsche Einstellung von Spieleentwicklung. Nur weil Spielen Spaß macht, heißt das nicht, dass die Arbeit dahinter ebenso unterhaltsam ist“, sagt Hofmann.

Breites Spektrum mit viel Technik
Um Illusionen zu nehmen und Studenten auf den harten Alltag in der Branche vorzubereiten, versucht der Lehrplan alle wichtigen Aspekte abzudecken. In den Vorlesungen, Übungen und Seminaren geht es um effizientes Programmieren, Algorithmen, Analyse von Laufzeitverhalten, aber auch Netzwerk-Technik oder Datenvisualisierung. Des weiteren wird auf wirtschaftliche und rechtliche Aspekte eingegangen. Trotz des sehr umfassenden und komplexen Lehrplans gebe es Hofmann zufolge kaum Studienabbrecher. „Alle sind engagiert und wissen, was sie wollen.“

Im Laufe des Studiums bilden sich früh Teams, die dann ein Projekt betreuen und zum Abschluss bringen. Die Games sind Teil der Abschlussarbeit und gelten als Visitkarte, wenn man bei sich bei Firmen bewirbt. Bei den Arbeiten steht die Grafik allerdings nicht im Vordergrund. Bei den Demos und Spielen geht es laut Hofmann nur um die Technik dahinter.

Zwar biete das Studium die Möglichkeit in den Bereichen Computersimulation und Visualisierung zu arbeiten, was aber nur die wenigsten interessiert. „Der Großteil streben eine Job in der Spielebranche an“, sagt Hofmann. Sie wollen entweder bei einem Studio unterkommen oder sich selbstständig machen. Auf letzteres wird am Ende des Studium eingegangen - etwa indem über Förderungen, Business-Pläne und Firmengründen gesprochen wird.

Jobchancen durch enge Kooperation
Viele Absolventen sind bis dato jedoch direkt bei einer Firma gelandet. Hofmann zufolge arbeiten zwei ehemalige Studenten bei Mipumi, zwei bei Sproing, einer bei Platogo, einer in Deutschland. Über eine neu eingerichtete Xing-Gruppe will der FH mit Absolventen in Kontakt bleiben. Die Jobchancen stehen auch deshalb recht gut, weil die FH eng mit der Industrie kooperiert. Sie hat die Gestaltung des Lehrgangs maßgeblich beeinflusst, viele Lektoren kommen von heimischen Studios.

Woran in den nächsten Jahren gearbeitet werden wird, ist die bessere Vernetzung der einzelnen Ausbildungsstätten. Denn bislang gibt es kaum Kontakt zwischen Programmierern der FH Technikum Wien etwa mit den Designern der FH Salzburg. So sind etwa Game Jams angedacht, die Studenten mit unterschiedlicher Ausbildung zusammenführen, um Netzwerke aufzubauen.