B2B
30.05.2014

Fujitsu-Chef: "Amazon ist eine Bedrohung"

Fujitsu-Präsident Masami Yamamoto © Bild: Fujitsu

Fujitsu-Präsident Masami Yamamoto will sein Unternehmen in Richtung IT-Dienstleistungen trimmen. Das Hardware-Geschäft will er nicht aufgeben, sagt er im futurezone-Gespräch.

Die vergangenen Jahre waren für Fujitsu, wie für die gesamte japanische Technik-Industrie, nicht einfach. Die großen Innovationen sind anderswo passiert, die Wirtschaft im Heimatland ist kaum gewachsen und die Gewinnmargen im traditionellen Geschäft mit Hardware sind stetig geschrumpft. Durch eine neue Wirtschaftspolitik, die vor allem auf einen schwachen Yen setzt, herrscht jetzt aber so etwas wie Aufbruchsstimmung. Das will auch Fujitsu für sich nutzen. Der Fokus des Konzerns soll sich in Zukunft auf die Rolle als Anbieter von IT-Dienstleistungen und Komplettlösungen richten, auch in Europa. Die Hardware, für die das Unternehmen hierzulande bekannt ist, soll dabei ein wichtiger Teil des Geschäfts bleiben, sagte Fujitsu-Präsident Masami Yamamoto im Rahmen eines Presse-Round-Tables in Tokio.

Fujitsu plant, wie viele andere Unternehmen aus dem IT-Umfeld, sich verstärkt auf Dienstleistungen zu spezialisieren. Welche Rolle spielt das Hardwaregeschäft noch? Masami Yamamoto: Wir wollen unseren Kunden die besten Services und Lösungen bieten. Dafür sind Hard- und Software entscheidend.

Trotzdem sinken die Margen in der Hardwareherstellung. Ich werde oft gefragt, warum Fujitsu überhaupt noch Dinge wie Smartphones und PCs herstellt. Für uns ist Hardware enorm wichtig, weil sie die Schnittstelle zum Kunden darstellt, über die wir unsere Lösungen anbieten. Ich bin ein Anhänger der vertikalen Integration.

Laptops werden zunehmend durch Tablets ersetzt. Ist das traditionelle PC-Geschäft in Gefahr? Das ist eine Definitionsfrage. Wenn man Tablets als PCs sieht, dann gibt es keinen Rückgang der PC-Verkaufszahlen. Formfaktoren verändern sich ständig und werden das auch weiterhin tun. Die ersten, die das erkennen, sind immer im Vorteil. In zehn Jahren wird es wieder etwas komplett anderes geben. Was das nächste große Ding sein wird, weiß ich nicht, aber wir sind auf die fortlaufende Evolution der Produkte vorbereitet

Big Data ist seit Jahren ein Buzz-Word und ein Kernthema Ihrer neuen Strategie. Was steckt tatsächlich dahinter? Wie sammeln und analysieren Daten heute über verschiedenste Kanäle. Der Anstieg in der Datenmenge und der damit einhergehende Bedarf an Infrastruktur sind großartige Möglichkeiten für uns. Wir liefern etwa schon lange Systeme für den Handel und Logistikunternehmen. Unser großer Vorteil ist, dass wir Hardware und Software aus einem Guss anbieten können.

Der Bereich IT-Dienstleitungen ist ein heiß umkämpfter Markt. Wie will sich Fujitsu gegen die Konkurrenz durchsetzen? Andere werden dasselbe versuchen, jeder kann schließlich Daten sammeln. Entscheidend ist aber, was man damit macht. Unsere guten Kundenbeziehungen werden uns dabei helfen, die Bedürfnisse unserer Partner optimal zu erfüllen.

Fujitsu-Präsident Yamamoto © Bild: Fujitsu

Firmen wie Amazon sind sehr aggressive neue Konkurrenten, etwa im Cloud-Geschäft.Amazon ist eine Bedrohung, das stimmt, sowohl technisch als auch was die Unternehmensstrategie angeht. Sie nehmen für Marktanteile auch Verluste in Kauf. Diese Ausgabenschlacht können wir nicht bestreiten, aber unsere Kunden fühlen sich sicher bei uns.

Ihre Vision sieht vor, dass Technik einfacher zu bedienen wird und damit zunehmend in den Hintergrund rückt. Besteht die Gefahr, dass die Marke dadurch geschwächt wird? Ich verstehe die Frage, glaube aber, dass genau das Gegenteil passieren wird. Die Markenpräsenz wird verbessert, wenn die Leute merken, wie nützlich unsere Produkte und Dienstleistungen sind. Dazu müssen die Menschen natürlich etwas Greifbares in der Hand haben.

Könnte das durch eine Ausweitung der in Japan sehr erfolgreichen Smartphone-Sparte auf Europa und andere Märkte erreicht werden? Smartphones in Europa zu verkaufen, könnten durchaus eine Möglichkeit sein. Wir haben natürlich eine lange Wunschliste, die Kostenstruktur im Smartphone-Bereich ist aber noch nicht so weit, dass wir neue Märkte erobern können. Wir haben derzeit keine Pläne, Smartphone-Produkte auf den europäischen Markt zu bringen oder in diesen Sektor zu investieren.

Wie sehen Fujitsus Pläne in Europa aus? Fujitsu will in Europa expandieren. Wir haben dort eine lange Tradition und wollen unsere Präsenz weiter ausbauen. In Zukunft wollen wir unseren Kunden Hard- und Software bieten. Insgesamt wollen wir den Umsatz-Anteil, den wir außerhalb Japans erwirtschaften, von 35 auf 40 Prozent steigern.

Das wird nur in Europa nicht gehen. Welche Rolle spielt China in den Überlegungen und welchen Einfluss haben die politischen Spannungen, etwa wegen der Senkaku-Inseln, auf Fujitsus Geschäfte dort? Es stimmt, Japans Dialog mit China hat Einfluss auf die Wirtschaft. Allerdings sind die Beziehungen auf privatwirtschaftlicher Seite ganz andere als zwischen den Regierungen. Fujitsus Geschäft ist bisher nicht beeinflusst worden. Wir sind mit großen Investitionen in China derzeit aber vorsichtig, da sich dort eine Sättigung des Marktes abzeichnet und die Kosten steigen. Die Spannungen zwischen Japan und China sind dagegen ein vernachlässigbarer Einfluss.

Japan hatte lang Zeit ein Image als Technik- und Gadget-Paradies. Haben die hiesigen Konzerne ihren Vorsprung verspielt? Die Welt hat sich durch das Internet und die zunehmende Anbindung neuer Geräte verändert. Japanische Firmen haben es zu Beginn verschlafen, sich auf die Vernetzung zu konzentrieren. Ich glaube aber, es gibt immer noch Chancen. Services und Vernetzung sind der Schlüssel. Wenn wir das verstehen, werden wir uns Geschäftsfelder erobern.

Fujitsu-Salat © Bild: futurezone

Ist der kürzlich präsentierte Fujitsu-Kopfsalat, der in Reinräumen angebaut wird, eine solche Nische?(lacht) Wir planen nicht, Umsatz mit unserem Gemüse zu machen. Wir beweisen mit unserem Blattsalat, dass wir auch im Bereich Agrikultur Lösungen anzubieten haben. Ernährung wird in den kommenden Jahren ein wichtiges Thema werden. Durch den Einsatz von ITC in der Landwirtschaft können hier Fortschritte gemacht werden. Unsere Botschaft ist: Sogar eine ICT-Firma schafft es mit Technik, Salat anzubauen. Was können dann erst Landwirte erreichen?

Sie sprechen gerne von der vernetzten Zukunft. Wie wollen sie konkret Geld verdienen? Das Internet der Dinge wird viele, ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Wir konzentrieren uns deshalb stark auf Machine-to-Machine-Lösungen, bieten etwa Systeme, die Industrieanlagen überwachen und Alarm schlagen, bevor es zu Schäden kommt. Darin sind wir sehr gut. Das gilt auch für den Bereich Automotive, der sich rasant entwickelt.

Mit zunehmender Vernetzung wird auch der Datenschutz ein immer wichtigeres Thema. Hier müssen die Bedenken der Menschen berücksichtigt werden. Auch ich fürchte mich davor, dass jeder weiß, was man tut und wo man sich gerade aufhält. Fujitsu arbeitet an Lösungen, für diese Probleme.

Disclaimer: Die futurezone reiste auf Einladung von Fujitsu nach Tokio.