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Cloud Computing
05/24/2011

Fujitsu startet globale Cloud-Lösung

An ingesamt sechs Standorten werden ab 7. Juni die Cloud-Rechenzentren von Fujitsu stehen. Die futurezone sprach mit Peter Meinen, CTO von Fujitsu Enabling Software Technology, über die größten Hürden für die Cloud. Neben Sicherheitsbedenken sind dies in Europa auch die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen der Länder.

von Barbara Wimmer

Fujitsu setzt schon seit längerem auf Cloud Services. Doch das Portfolio wird jetzt weiter ausgebaut, gab der Konzern am Tech Day in Augsburg bekannt. Dazu wurden Rechenzentren in Australien, Deutschland, Japan, Singapur, Großbritannien und den USA geschaffen, die durch standardisierte Backup-Service-Levels abgesichert sein sollen. In den Märkten Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Portugal bietet der Konzern Kunden ein kostenloses Testprogramm für seine Services an. Das Hosting für österreichische Kunden erfolgt im Tier 3-Rechenzentrum in Neuenstadt, Deutschland.

Statt einer "Public Cloud" handelt es sich beim Angebot von Fujitsu um eine "Trusted Cloud". Das bedeutet aber lediglich, dass das Service nur vertraglich bekannten Kunden zur Verfügung gestellt wird. "Hier muss man allerdings vorsichtig sein, denn es gibt noch keine Standarddefinition dafür. Wir bezeichnen unser Service deswegen als Trusted, weil unsere direkten Kunden, die Nutzer unserer Plattform, bei uns registriert sind und uns damit persönlich bekannt sind", erklärt Peter Meinen, CTO von Fujitsu Enabling Software Technology gegenüber der futurezone. "Dadurch können auch spezielle Vereinbarungen über Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden."

"Es gibt immer Grenzen"
Diese sind besonders nach den jüngsten Vorfällen bei Amazon - einerseits der Ausfall von Amazons Cloud-Service EC2, andererseits die Nutzung der Clouddienste bei der Attacke auf Sony - einmal mehr ins öffentliche Interesse gerückt. "Natürlich wäre es vermessen zu sagen, dass wir mit unserem Modell jegliches Sicherheitsrisiko ausschalten", so Meinen. "Es gibt immer Grenzen. Auch ein Vertrauen kann man nur bis zu einem gewissen Grad herstellen, wenn man einen Einblick in das Geschäftsfeld des Partners erwirbt und sich anschaut, was der so macht." Als positives Beispiel nennt Meinen etwa den App Store von Apple, bei dem die Apps vor der Veröffentlichung einzeln geprüft werden.

"Die größten Vorbehalte entstehen aus Unsicherheit gegenüber dem Unbekannten. Man weiß nie genau, was passiert, wenn man etwas aus der Hand gibt. Heutzutage redet keiner mehr darüber, ob ein Bankkonto sicher ist oder ob es sicherer ist, sein Geld zu Hause aufzubewahren. Man macht sich abhängig von anderen und das ist in weiten Bereichen etabliert. Ich denke, dass dies mit der Cloud ebenso passieren wird und die Vorbehalte mit der Zeit verschwinden werden", meint Meinen.

Unterschiedliche Rechtsnormen
Aus technischer Sicht setze man bei Fujitsu "auf die üblichen Mechanismen" wie etwa das Aufbauen von Redundanz im Rechenzentrum. Doch um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, müssen die Daten auch außerhalb des Zentrums gespiegelt werden. "Mit der Lösung von Fujitsu ist eine Spiegelung an verschiedenen Orten möglich, da die Zentren identisch aufgebaut sind. Ein Einheit von 128 physischen Servern wird als Block betrieben. Diese kann man dann zur Gänze spiegeln - entweder im selben Rechenzentrum, oder in einem anderen", erklärt Meinen.

Das mit den "anderen" dürfte sich bei manchen Branchen und Daten als nicht ganz einfach erweisen, wenn dadurch die Daten statt in Deutschland plötzlich in den USA gespeichert werden. Die größte Hürde für Cloud-Services in Europa sei derzeit die "Zersplitterung der regulatorischen und rechtlichen Anforderungen in verschiedenen Ländern", so Meinen. "Selbst innerhalb der EU haben die Länder unterschiedliche Rechtsnormen." Manche Unternehmen hätten auch Probleme, ihre Services, die in der Cloud gehostet werden, aus Deutschland heraus auch in Österreich anzubieten, so Meinen. "Da sind tagelange Sitzungen beim extra darauf spezialisierten Rechtsanwalt notwendig, was man als Unternehmen grenzüberschreitend machen darf und was nicht." So dürfen etwa Sozialversicherungs-, Gesundheits- oder Finanzdaten in manchen Ländern nicht das Land verlassen. "Das Geschäft würde sich mit einer einheitlichen Rechtsnorm wesentlich einfacher gestalten", meint Meinen.

EU startet Online-Befragung
Die EU arbeitet allerdings bereits daran. So hat sich die EU-Kommissarin Neelie Kroes für eine EU-weite Cloud Computing-Strategie eingesetzt und erst vor kurzem eine Befragung über den Einsatz von Cloud Computing-Lösungen in Gang gesetzt. Mit Hilfe einer Online-Befragung will sie mehr über den Einsatz der Technik erfahren. Unternehmen, Behörden und Anwender können sich bis 31. August 2011 an der Befragung beteiligen, so die EU-Kommission. Ein Entwurf für eine gemeinsame europäische Strategie soll im Jahr 2012 folgen.

"Die Cloud setzt von der Technik her auf eine globale Infrastruktur und ein globales Geschäft. Sie lebt von der Skalierbarkeit, der Elastizität der Ressourcen und je größer die Infrastuktur gebaut wird, desto elastischer ist sie", findet Meinen.

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