B2B
12.09.2013

"Wollen lokalen Marktplatz in Österreich etablieren"

Das US-Rabattportal Groupon will nach ersten Rückschlägen weg vom reinen Schnäppchen-Image.

Mit einer Art lokalen Suchmaschine für Sonderangebote in Restaurants, Bars, Kinos oder Hotels will das US-Gutscheinportal Groupon verlorenen Boden in Europa gutmachen. Im zweiten Quartal brach der Europa-Umsatz um 24 Prozent ein, während er in den USA um 45 Prozent zulegte.

Groupon rückt daher auch in Europa vom bisherigen Geschäftsmodell als reines Schnäppchenportal ab und sieht sich mehr als Marketing- und Vertriebspartner für die regionale Wirtschaft. „Mit unserer neuen Strategie legen wir einen Fokus auf das regionale Geschäft. Wir wollen auch in Österreich einen lokalen Marktplatz etablieren“, erläutert Emanuel Stehle, Geschäftsführer von Groupon Deutschland, Schweiz und Österreich dem KURIER. Motto: Weniger Schnäppchen, mehr Lifestyle.

Als Beispiel nennt er einen Top-Friseur, der eine besondere Betreuung anbietet oder zu gewissen Zeiten eine bessere Auslastung haben möchte. „Enormes Potenzial“ ortet Stehle auch in den heimischen Skigebieten, die gerade zu Saisonstart oft mit Auslastungsproblemen kämpfen, aber oft unflexibel in der Preispolitik seien.

Expansion

„Wir wollen in Österreich deutlich zulegen“, kündigt der Groupon-Chef eine Ausdehnung des Angebotes in Linz, Graz, Salzburg sowie Vorarlberg an. Der Österreich-Start erfolgte vor drei Jahren in Wien, wo etwa der Eissalon Zanoni, die Kinokette UCI oder das Fitnesscenter Holmesplace Partner sind. Wie viele Partner es in Österreich gibt, verrät Stehle ebenso wenig wie die Kundenzahl. Die Zahl der potenziellen Kunden schätzt er auf „mehrere Hunderttausend“. Weltweit hat das Portal rund 500.000 Partner und 200 Millionen Rabatt-Abonnenten, wovon 43 Millionen tatsächlich aktiv sind.

Groupon verkauft für die Partner Rabatt-Gutscheine. Finden sich ausreichend Käufer für die Gutscheine, kommt der Deal zustande. Für die Kunden-Vermittlung behält sich Groupon zumeist die Hälfte des Preises ein. „Für die Partner ist dies eine Marketing-Kampagne ohne Vorlaufkosten“, meint Stehle.

Kritik, dass vor allem marode Betriebe Groupon nutzen und durch die Schnäppchenjäger oft noch tiefer in die Krise schlittern, lässt er so nicht gelten: „Das ist ein Stigma, das uns anhaftet. Wir setzen auf langfristige Partnerschaften mit den besten Partnern einer Stadt. Es wäre uns nicht geholfen, wenn wir nur schlechte Partner hätten.“

400 Millionen Gutscheine verkauft

Das 2008 gegründete US-Rabattportal ist in 48 Ländern weltweit vertreten und hat bisher 400 Millionen Coupons (Rabatt-Gutscheine ) verkauft. Nach kometenhaften Aufstieg samt Börsengang 2011 erfolgte der Absturz. Anfang 2013 wurde Gründer Andrew Mason gefeuert. Mitgründer Eric Lefkofsky will mit neuer Strategie und Fokus auf Smartphone Umschwung bringen, der Aktienkurs steigt wieder.