B2B 25.02.2015

HoT: "Rufnummern-Mitnahme sorgt für große Probleme"

Jeder dritte HoT-Kunde kämpft bei der Rufnummern-Portierung mit Problemen. HoT-Chef Krammer sieht die Regulierungsbehörde RTR gefordert, diese bestätigt den Handlungsbedarf.

Im Rahmen eines Hintergrundgesprächs hat Ventocom-Chef Michael Krammer, der für das Mobilfunkangebot HoT von Hofer verantwortlich zeichnet, heftige Kritik an der mobilen Rufnummernportierung geübt. "Jeder dritte wechselwillige HoT-Kunde, der seine Nummer von seinem bestehenden Anbieter mitnehmen wollte, hat große Probleme", sagte Krammer. Oftmals seien gewisse Kunden-Informationen falsch hinterlegt, es fehle zudem ein gemeinsamer Standard, wie die Portierung der Rufnummer genau abzulaufen habe.

Dezentrale Speicherung

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass die Kundendaten in den Datenbanken der verschiedenen Betreiber in unterschiedlichen Formaten abgespeichert sind. Eine Änderung muss folglich von jedem betroffenen Anbieter selbst vorgenommen werden, was die Fehleranfälligkeit erhöht. In anderen Ländern wird dieser Vorgang meist mit einer zentralen Datenbank gelöst. Virtuelle Anbieter wie HoT sind von Problemen bei der Rufnummern-Mitnahme besonders betroffen, da sie im Normalfall nicht über Filialen verfügen, wo die auftretenden Schwierigkeiten mit dem Kunden direkt gelöst werden können.

Um die Rufnummern-Mitnahme zu erleichtern, müsse nun die Regulierungsbehörde RTR aktiv werden. "Die entsprechende Verordnung ist aus dem Jahr 2003 und sicher nicht mehr zeitgemäß. Auch die Bestrafungsgebühr von 19 Euro versteht kein Kunde", sieht Krammer nun die RTR am Zug. Da eine etwaige Änderung sicher nicht von heute auf morgen zu erwarten sei, wird HoT ab Mitte März eine 0800-Support-Hotline einrichten, über die Kunden bei etwaig auftretenden Portierungsproblemen unterstützt werden.

RTR: "Nicht mehr zeitgemäß"

Bei der Behörde stößt Krammer zumindest nicht auf taube Ohren. "Wir arbeiten bereits seit einigen Monaten daran, den Status quo zu erheben und danach die Verordnung zu evaluieren. Die Nummernportierung mit schriftlicher Einholung des Formulars und den Wartezeiten ist sicher nicht mehr zeitgemäß", sagt RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl zur futurezone. Zwar würden die etablierten Mobilfunker das Thema eher kleinreden, von den virtuellen Betreibern sei aber zu vernehmen, dass die Portierung oft nicht oder nur mit großem Aufwand funktioniere, so Gungl weiter.

"Die mobile Rufnummernmitnahme ist nicht zuletzt auch aufgrund der anfallenden 19 Euro Bearbeitungsgebühr sicher noch eine Wechselhürde. Wenn die Mitnahme der Nummer noch einfacher und schneller über die Bühne gehen würde, würde das den Wettbewerb sicher beleben", ist Gungl überzeugt. Der Zug für ein zentrales Kundenregister, welches die Verwaltung der Daten erheblich vereinfach würde, dürfte allerdings abgefahren sein. "Wir können natürlich die Verordnung anpassen, vorschreiben, ob die Daten technisch in einer zentralen Datenbank gespeichert werden, können wir allerdings nicht", sieht dir RTR ihren eigenen Spielraum begrenzt.

Reizvoller Job

Abgesehen von den Problemen bei der Rufnummernportierung und der Diskussion um die mittlerweile adaptierte Megabyte-Taktung bei der Datenverrechnung zeigt sich Krammer mit der Geschäftsentwicklung von HoT zufrieden. Bei der gewonnenen Kundenzahl - die in Medien kolportierten über 50.000 sind laut Krammer "nicht falsch" - liege man über Plan. "Nach all den Stationen von maxmobil über Telering und Orange mit Ventocom ein ganz neues, eigenständiges Mobilfunk-Projekt aufzuziehen, das zudem unabhängig von einem Telekom-Konzern und dessen Strukturen und Systemen ist, ist sehr reizvoll", erklärt Krammer seine Beweggründe.

Die schnelle Reaktion auf Kundenbeschwerden bei der Taktung sei ein gutes Beispiel, das bei den großen Mobilfunkern in der Art und Weise wohl undenkbar wäre. "Wenn man zwei Millionen Kunden hat, fällt eine Änderung der Taktung, so wenig das im Schnitt für den einzelnen Kunden ausmacht, natürlich sehr stark ins Gewicht. Um so eine Entscheidung in einem großen Konzern durchzusetzen, braucht es eine ganz nachhaltige Kosten-Nutzen-Rechnung. Da sind wir natürlich viel flexibler", so Krammer.

(futurezone) Erstellt am 25.02.2015