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BUSINESS
11/29/2010

HP: "Innovation findet nicht nur intern statt"

Bei der jüngsten Quartalsbilanz übertraf das US-Technologie-Unternehmen Hewlett-Packard (HP) die Erwartungen. Der Konzern will mit Innovationen punkten. Paul Jeremaes, Leiter der HP Innovation Centers, erzählte der FUTUREZONE warum das Unternehmen dazu auch Leute von außerhalb ins Team holt.

von Barbara Wimmer

HP ist das nach Umsatz weltweit führende Tech-Unternehmen und macht fast so viel Umsatz wie Microsoft und Apple zusammen. Weltweit arbeiten 300.000 Mitarbeiter in dem Konzern. Die Zusammenarbeit mit fixen Partnern, Konkurrenten und auch Mitarbeitern von anderen Firmen soll innerhalb des Konzerns für Innovationen sorgen.

Dazu tauscht HP etwa befristet seine Mitarbeiter mit anderen Unternehmen aus. So kam etwa sechs Monate lang ein Mitarbeiter von Procter & Gamble zu HP und umgekehrt. "Auch Unternehmen, die früher sehr geschlossen agiert haben, haben mittlerweile erkannt, dass Innovation nicht nur intern stattfinden kann. Über 50 Prozent davon kommt von draußen", erklärt Jeremaes.

Demokratisierung der Prozesse

"Wir arbeiten außerdem intensiv daran, Innovationsprozesse zu demokratisieren. Jeder kann sich beteiligen und seine Ideen einbringen." Immer wieder werden beispielsweise Wettbewerbe ausgeschrieben, bei denen Mitarbeiter ihre Ideen kundtun können. Zuletzt gab es eine Ausschreibung zum Thema Nachhaltigkeit.

Vor elf Jahren hat HP zudem begonnen, eigene Innovationszentren ins Leben zu rufen, die sich jeweils auf gewisse Teilbereiche wie Telekommunikation oder Multimedia spezialisiert haben. In der Schweizer Stadt Genf, in der auch das europäische Hauptquartier von HP angesiedelt ist, entstand in Europa das erste Zentrum, insgesamt gibt es acht in Europa und im Nahen Osten.

Kooperationen mit Partnern und Kunden

In diesen Innovationszentren wird allerdings nicht nur entwickelt, dazu gibt es eigene HP Research Labs, sondern sie dienen als Schnittstelle zu den Kunden. Dort werden auch Partner von HP zusammengebracht, um gemeinsam an Ideen zu arbeiten. "Manchmal kooperieren wir auch mit unseren Konkurrenten", erwähnte Jeremaes, "allerdings ist es wichtig, dass die Urheberrechte exakt geklärt sind."

Auch Rudolf Kemler, Generaldirektor von HP Österreich, hat mit Kunden bereits mehrere Innnovationszentren besucht. "Die Reaktionen darauf sind extrem positiv und die Leute sind immer wieder überrascht darüber, was wir gemeinsam erreichen können." Kemler sieht es als Gefahr an, wenn Firmen sich für die besten am Markt halten und nichts in die Weiterentwicklung ihrer Produkte investieren wollen. "Wenn man stehen bleibt, wird man immer verlieren. Innovation sollte ein kontinuierlicher Prozess sein."

Telepräsenz-Lösung soll ausgebaut werden

Als Vorzeigebeispiel für eine für beide Seiten zufriedenstelle Partnerschaft nannte Jeremaes die Kooperation mit dem Filmstudio Dreamworks. Bei den Filmen Shrek 1, 2 und 3 wurden jeweils Elemente mit HP-Technologie modelliert, die mehr als 50.000 Prozesse erforderlich machten. "Andere Animationsstudios hatten diese Kapazitäten nicht." Dreamworks war es auch, die die Entwicklung des Telepräsenzsystems HP Halo angeregt haben, um sich damit lange Reisen zu ersparen.

Mit der Telepräsenz-Lösung Halo können Besprechungsteilnehmer an unterschiedlichen Standorten in einer Konferenzumgebung zusammenführt werden. Dabei hat man laut Jeremaes den Eindruck, dass sich alle am selben Tisch befinden. Dies geschieht mit Hilfe von Plasma-Displays und angepassten Audio- und Lichtsystemen. Die Lösung wurde bereits im Dezember 2005 eingeführt. Jetzt wird daran gearbeitet, dass sie auch auf mobilen Arbeitsgeräten funktioniert.

Weitere innovative Entwicklungen seitens HP befassen sich etwa mit flexiblen Displays oder der Erfassung von seismischen Daten. CeNSE (Central Nervous System of the Earth) heißt hier etwa ein Projekt, welches gemeinsam mit Shell umgesetzt wird. Es stellt die Entwicklung eines drahtlosen Systems für das Erfassen, Sammeln und Speichern von extrem präzisen geophysischen Daten dar.

"Richtige Unternehmenskultur ist wichtig"

"In großen Firmen hat man verschiedene Bereiche und viele verschiedene Initiativen, die kommen und gehen. Manchmal muss man auch Projekte ausgliedern. Das wichtigste ist aber, dass man die richtige Unternehmenskultur schafft, in der es möglich ist, Ideen weiterzubringen", erklärte Jeremaes.

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(Barbara Wimmer)

Paul Jeremaes ist Leiter der HP Innovation Centers in Genf. Davor war er als Wissenschaftler in den HP Research Labs tätig.

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