B2B
15.09.2016

"Innovation braucht Zusammenarbeit"

Am 20. Oktober findet in Wien das Austrian Innovation Forum statt. Die futurezone hat mit Veranstalter Helmut Blocher über neue Formen der Zusammenarbeit gesprochen.

futurezone: Innovationen passieren immer häufiger nicht mehr innerhalb eines Unternehmens, sondern finden über Unternehmensgrenzen hinweg oder unter Einbeziehung der Kunden statt. Warum? Helmut Blocher: Ob mittelständisches Unternehmen oder global agierender Konzern: Es wird immer schwieriger, größere Innovationen innerhalb der Unternehmensgrenzen zu realisieren. Während laufende Verbesserungen, also inkrementelle Innovationen, zum Tagesgeschäft gehören, haben Unternehmen Schwierigkeiten, radikale Innovationen innerhalb der Unternehmen zu realisieren. Dazu ist Zusammenarbeit notwendig. Deshalb rückt die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg immer mehr in den Fokus.

Welche Formen der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit haben sich bewährt?Innerhalb der gleichen Branche geschieht dies etwa mit Hilfe von Clustern, gemeinsamer Forschung oder der Arbeit an Normen und Standards. Wenn Unternehmen einander dabei weiterhin auf bestimmten Märkten im Wettbewerb gegenüber stehen, gleichzeitig aber andernorts intensiv zusammen arbeiten, so ist dies Koopetition. Koopetition gewinnt gerade in der letzten Zeit zunehmend an Bedeutung. Die Unternehmen erkennen, dass die Zusammenarbeit in manchen Bereichen der Wertschöpfungskette durchaus Sinn macht, auch wenn man sich woanders hart konkurrenziert. Natürlich unterliegen diese Formen der Kooperationen den ungeschriebenen Regeln einer Branche.

Cross-Industry Innovation ist ein weiterer Trend im Innovationsmanagement. 80 Prozent aller Innovationen sind eine Rekombination vorhandenen Wissens. Warum also das Rad immer neu erfinden? Viele Lösungen einer Branche lassen sich mit etwas Phantasie auf andere Branchen umlegen.Zum Beispiel? Beispiele erfolgreicher Cross-Industry Innovationen sind etwa der Nespresso Milchaufschäumer, welcher das magnetische Antriebsprinzip von Labormischern verwendet, Die ersten Tabs-Spülmaschinenreiniger, welche von Henkel auf Tofiffee-Maschinen hergestellt wurden und der Nike Shox Turnschuh, welcher mit Dämpfungstechnik aus der Formel Eins versorgt wurde. Auch wenn es um neue Geschäftsmodelle geht, macht der Blick über die Branchengrenzen hinaus viel Sinn. Peter Pirkelbauer wird beim Austrian Innovation Forum darüber sprechen, wir Airbus Cross-Industry Innovation zu systematisieren versucht.Wie sollten Open Innovation Initiativen gestaltet sein, damit sich Kunden einbringen? Wie so oft, geht es auch bei Open-Innovation-Initiativen weniger um die Lösung als um die aktive Community-Pflege. Kaum ein Thema, und sei es auch noch so speziell, für das es nicht Foren, Blogs und Plattformen gibt.

Welche Kooperationsformen machen außerdem Sinn. Viel, oft auch unentdecktes Potenzial, steckt in innovativen Kooperationen von Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette oder der Customer Journey. Beispiele dazu sind Bipa und Veloce mit der Sofortzustellung oder im größeren Rahmen die neue strategische Kooperation von voestalpine und Verbund.

Auch Start-ups werden zunehmend zum Impulsgeber. Gibt es Erfolgsrezepte für Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen? Große Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Google oder Airbus haben dazu eigene Fonds in dreistelliger Millionenhöhe gegründet. Eine weniger kapitalintensive Möglichkeit ist die Gründung von Acceleratoren, Inkubatoren und Innovation Hubs. Dies machen heimische, traditionsreiche Unternehmen wie Raiffeisen Ware Österreich, die Österreichischen Lotterien oder die ÖBB inzwischen ebenso wie auch kleinere Unternehmen, etwa Microtronics, das selbst noch ein relativ junges Unternehmen ist. Spannend ist dabei, dass es keine allgemeingültigen Rezepte für die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups gibt, sondern in jedem Fall besondere Herausforderungen zu bewältigen sind.

Die Start-up-Szene ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das Fördersystem gilt in der Frühphase als relativ gut, dann gibt es Lücken. Was braucht es, damit Start-ups sich in Österreich auch entwickeln können? Klar ist die Liquidität ein zentrales Thema für die jungen Unternehmen. Die Banken wollen, können und dürfen hier nicht besonders hilfreich sein und mit einem Finanzinvestor als Mehrheitseigentümer ist es mit der unternehmerischen Freiheit schnell wieder vorbei. Initiativen zur Bereitstellung von Risikokapital sehen hierzulande in aller Regel äußerst bescheiden aus und betreffen meist eben nur die Frühphase. In einem Land, in dem nach wie vor über 53 Prozent aller Einnahmen eines Jahres vom Staat selbst wieder ausgegebenen werden und je nach Geschäftsmodell mehrere Gewerbe angemeldet werden müssen, hinkt jeder Vergleich mit Start-up-Metropolen sowieso. Das von vielen angestrebte, skalierbare Geschäftsmodell hat hierzulande bestenfalls Runtastic einigermaßen geschafft bevor das Unternehmen von Adidas gekauft wurde. Von Start-ups im Sinn der weltweit 174 Unicorn-Start-ups mit jeweils mehr als einer Milliarde US-Dollar Bewertung sind wir hierzulande sehr weit entfernt. Schweden bringt es auf dieser Liste immerhin auf sechs Einträge und auch Länder wie Holland, Tschechien oder Schottland sind darauf vertreten. Sprechen wir doch hierzulande wieder öfter mal einfach von einer Unternehmensgründung.

"Co-Creating" Value

Unter dem Motto „Co-Creating Value“ geht das Austrian Innovation Forum in seine sechste Runde. Im Fokus steht diesmal die Zusammenarbeit für den Innovationserfolg über Unternehmensgrenzen hinweg. Dazu gibt es Praxisberichte von Unternehmen wie Airbus Operations, Primetals Technologies Austria, ÖBB, Deutsche Bahn, T-Mobile, Greiner Group, Uber, Casinos Austria / Österreichische Lotterien, Bipa / Veloce, Wien Energie, T-Mobile, Upstream - next level mobility und AIT Austrian Institute of Technology.

Helmut Blocher ist Gründer und Geschäftsführer von SUCCUS | Wirtschaftsforen. Das Unternehmen veranstaltet Konferenzen rund um Innovation in Österreich und Deutschland.

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem Austrian Innovation Forum enstanden.