B2B
31.01.2019

Jake Dyson: „Das Verbot der Glühbirne war richtig“

Der Sohn des Dyson-Gründers kritisiert die Beleuchtungsindustrie und nimmt gegenüber der futurezone zum Brexit Stellung.

Als hätte das britische Volk im Brexit-Chaos der vergangenen Monate nicht schon genug gelitten, schockierte vergangene Woche auch noch Dyson mit der Ankündigung, sein Hauptquartier vom verschlafenen englischen Städtchen Malmesbury nach Singapur zu verlegen. Der Elektronikkonzern dementierte heftig, dass die Entscheidung mit dem Brexit zu tun habe. Dennoch hagelte es Kritik. Firmengründer James Dyson hatte sich vor dem Referendum nämlich als klarer Brexit-Befürworter deklariert. Wie er jetzt darüber denkt, ist unklar.

Bei der Präsentation der neuen intelligenten Dyson-Leuchte in Paris war das Thema zunächst nicht vorgesehen. In einer anschließenden Fragerunde nahm Jake Dyson auf Nachfrage der futurezone aber dann doch Stellung. „Ich bin kein Politiker und spreche auch nicht gerne über Politik. Die sollen die richtigen Entscheidungen treffen oder es in den Sand setzen. Was Dyson betrifft, haben wir jedenfalls noch nie so viel Geld in Großbritannien und Europa investiert wie jetzt. Uns geht es darum, das Leben möglichst vieler Menschen mit großartigen Technologien zu verbessern und da blicken wir ausgesprochen positiv in die Zukunft.“

Kritik an Leuchtenherstellern

In einem dezidierten Punkt hatte Dyson bereits zuvor die EU positiv hervorgehoben, nämlich hinsichtlich des umstrittenen Verbots von Glühbirnen und Halogenlampen. „Das Verbot war sicher richtig, um Energie zu sparen und CO2-Emissionen einzudämmen.“ Die etablierten Hersteller hätten es dann aber leider völlig verabsäumt, neue Licht-Lösungen abseits der etablierten Birnen-Form zu entwickeln. Aufgrund der Hitzeentwicklung und Abschirmung seien diese Fassungen für LED eigentlich überhaupt nicht geeignet, kritisierte Dyson.

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„Eine gekaufte LED-Leuchte sollte ein Leben lang funktionieren und nicht nach einigen Jahren weggeschmissen und ersetzt werden müssen. Das mag vielleicht das Geschäftsmodell der Beleuchtungsindustrie sein, es ist aber der falsche Weg, auch hinsichtlich unserer begrenzten Ressourcen“, erklärte Dyson. Die vom Konzern vorgestellte Leuchte verspricht hingegen 60 Jahre uneingeschränkte Betriebsdauer, was der Hersteller über eine ausgetüftelte Kühlung im Inneren der Lampe erreichen will.

"Eine Leuchte ist kein iPhone"

Auf die Frage der futurezone, ob eine derartige Strategie auch verkaufsfördernd sei, bemühte Dyson eine Analogie zur Möbelbranche: "Eine Leuchte ist nun einmal kein iPhone, das man alle zwei Jahre wechselt. Wir wollen die bestmögliche Technologie verbauen und dass Kunden ihre Leuchte ein Leben lang nutzen können - wie ein Möbelstück. Das schmeißt man ja auch nicht nach einigen Jahren einfach weg." Diese Sichtweise relativiert die doch hohen Anschaffungskosten von 499 bzw. 749 Euro. Die Frage bleibt allerdings, ob Kunden dies bereits ähnlich sehen.

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Denn wie der Gründer der Dyson-Lichtsparte zugibt, müsse das Bewusstsein beim Thema Lichtqualität noch geschärft werden. „Die meisten Leute machen sich leider kaum Gedanken über Lichttechnologien. Dabei gibt es viele Untersuchungen, die zeigen, wie schlechtes Licht das Wohlbefinden negativ beeinflussen kann“, sagte Dyson. So habe der hohe Blau-Anteil im Licht von LED-Straßenlaternen, aber auch durch Tablets und Smartphones, zu einem starken Anstieg von Schlafproblemen und Augenkrankheiten geführt.

Lichtverschmutzung in Innenräumen

Mit der Leuchte, die das natürliche Licht der Sonne im Tagesverlauf simuliert, und etwa am Abend auf eine wärmere Beleuchtungsfarbe mit vielen Rotanteilen setzt, soll der Stressfaktor für Körper und Gehirn verringert werden. Smartphone-Hersteller hätten auf diese Forschungserkenntnisse mit ihren Nacht-Modi ohnehin schon reagiert. Darüber hinaus sollten aber auch andere Lichtquellen bei elektronischen Geräten angepasst werden.

"Die Lichtverschmutzung in Räumen ist enorm. Man muss ja nur einmal in einem Hotelzimmer übernachten, wo über den ganzen Raum verteilt im Dunkeln Standby-Knöpfe und Display-Anzeigen in den verschiedensten Farben leuchten. Eigentlich müsste es eine Vorschrift geben, dass diese nur gedimmt und in oranger Farbe leuchten dürften", kritisierte Dyson.


Disclaimer: Die Teilnahme an der Produktpräsentation in Paris inklusive der Reisekosten erfolgte auf Einladung durch Dyson.