Auf der CES gibt es auch 2018 keine weibliche Keynote-Speakerin.

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B2B
01/06/2018

Kritik: CES startet ohne Speakerin und Verhaltenskodex

Bald beginnt das Branchen-Treffen der Tech-Industrie in Las Vegas. Dieses geht nach #metoo ohne weibliche Keynote-Speakerin und entsprechenden Verhaltenskodex über die Bühne.

Das erste jährliche Treffen der Technologie-Branche in Las Vegas, die Consumer Electronics Show (CES), beginnt ohne Frauen - und das, obwohl sich die Veranstalter laut eigenen Angaben um „Inklusion“ bemüht haben sollen. Die CES, das Schaufenster für die neueste Unterhaltungselektronik von TVs bis zu selbstfahrenden Autos, ist seit Jahren stark männlich dominiert. Frauen sind vor allem als „Standvorführerinnen“ in Form von weiblichen Models vertreten, die die neue Technologie präsentieren sollen.

"Nur ein begrenzter Pool"

Die CES hatte sich zu der Problematik bereits vor einem Monat in einem Blogposting geäußert: „Die Keynote muss ein Sprecher halten, der in der Branche bekannt ist. So erschütternd es auch ist, das ist, wenn es um Frauen geht, nur ein sehr begrenzter Pool“, schriebt Karen Chupka von der Consumer Technology Assocation (CTA). „Wir fühlen euren Schmerz. Es stört uns auch. Die Tech-Industrie muss es besser machen.“

Nach der #MeToo Debatte hätten sich manche erwartet, dass sich die CES hier klarer positioniert und gezielt eine weibliche Keynote-Speakerin einlädt.

"Diese große globale Zusammenkunft von Technologieführern ignoriert dieses Problem völlig, macht sie völlig taub und unverantwortlich ", sagte Liliana Aide Monge, Geschäftsführerin der Programmierschule Sabio, die die CES dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge wegen der fehlenden Einladungspolitik von Frauen und Minderheiten und eines fehlenden Verhaltenskodex auslassen wird.

Diversitätsproblem

Die Technologie-Branche kämpft seit Jahren mit einem Diversitätsproblem. So klagten etwa Google-Mitarbeiterinnen den Internetkonzern aufgrund von Ungleichbehandlung, weil sie weniger verdienen als Männer in ähnlichen Positionen. Außerdem hätten es weibliche Mitarbeiter aufgrund der frauenfeindlichen Unternehmenskultur weit schwerer, in dem Konzern aufzusteigen.

Google ist aber nicht der einzige Silicon-Valley-Konzern, der mit Sexismusvorwürfen zu kämpfen hat. Unter anderem Tesla und Uber sorgten für entsprechende Negativschlagzeilen.

"Es ist traurig, dass die CES keinen Verhaltenskodex hat", sagte Y-Vonne Hutchinson, Gründer von ReadySet, einem Beratungsunternehmen. "Sie haben viel Einfluss.“ Seitens der CES heißt es, man habe dazu bisher keine Beschwerden erhalten, es seien keine Zwischenfälle gemeldet worden.