Andreas Bierwirth, CEO von Magenta Österreich

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B2B
02/19/2020

Magenta verspricht 10 Gigabit und besseres Fernsehen

Magenta-CEO Andreas Bierwirth über Kundenzuwachs, die gesundheitliche 5G-Debatte und eine bessere TV-Settop-Box.

von Gregor Gruber

Magenta Österreich freut sich über Gewinne, mehr Kunden und den 5G-Ausbau. Gleichzeitig sorgt sich der CEO Andreas Bierwirth über die möglichen Folgen des Coronavirus und kündigt als „Good News“ Innovationen beim TV-Angebot an. Bis 2021 will man außerdem sowohl Stadt als auch Land mit 10 Gigabit schnellem Internet versorgen können.

Wirtschaftlich war 2019 ein rosiges Jahr für Magenta. Bei der Jahrespressekonferenz des Telekomunternehmens konnten mehrere Erfolge berichtet werden:

  • 5,02 Millionen Mobilfunkkunden (5 Prozent Steigerung zum Vorjahr)
  • 612.000 Breitband-Nutzer (+3 Prozent)
  • 1,28 Milliarden Euro Jahresumsatz (+21 Prozent)
  • 467,4 Millionen Euro EBITDA AL (+36 Prozent)
  • 242 Millionen Euro in Netzausbau investiert (+6 Prozent)

„Mit diesem Ergebnis sind wir jetzt in den Top 3 in Europa der Deutsche Telekom Gruppe“, freut sich Bierwirth. Dadurch bekomme man innerhalb der Muttergesellschaft einen höheren Stellenwert, rücke aber auch mehr ins Rampenlicht. Dass deshalb jetzt ein radikaler Sparkurs eingeschlagen wird, um die deutsche Mutter mit steigenden Gewinnen im Jahr 2020 glücklich zu machen, ist nicht geplant: „Die Investitionen in Österreich werden weiter auf hohem Niveau bleiben.“

Ein Glücksgriff

Die Umstellung von T-Mobile und UPC auf Magenta hat dem Unternehmen nicht geschadet, wie die steigende Kundenzahl beweist. Laut Bierwirth war es „ein Glücksgriff“. Damit die Kunden bleiben und noch mehr Magenta-Produkte beziehen, setzt man stark auf MagentaEins. Dies sei für Bierwirth „strategisch extrem wichtig“, es sei das „Miles-and-More-Programm“ Telekomanbieters.

Bei MagentaEins bekommen Kunden Vergünstigungen, wenn sie etwa zu ihrem Mobilfunktarif auch Festnetzinternet von Magenta beziehen, bzw. Fernsehen. „Ich sag immer: Einmal Magenta-Kunde, immer Magenta-Kunde. Es soll keinen Grund mehr geben, ein Produkt bei einem Mitbewerber zu kaufen“, sagt Bierwirth.

tele.ring eingestellt

Ab 11. März wird das Programm weiter ausgebaut. Teilnahmeberichtigt sind dann auch Kunden mit SIM-Only-Tarifen und tele.ring-Bestandskunden. Die Sorge, dass mit dem Wegfall der tele.ring-Marke die Kunden zur Konkurrenz abwandern, hat sich nicht bestätigt. „Wir merken sogar schon, dass die ehemaligen tele.ring-Kunden jetzt noch Breitband oder weitere SIM-Karten dazukaufen.“

Außerdem versichert Bierwirth, dass die Bestandskunden sich nicht sorgen müssen: „Für ehemalige tele.ring-Kunden bleibt alles beim alten. Er kann seinen Basta-Tarif noch 10 Jahre haben, wenn er will.“

Das günstige Preissegment von tele.ring wird bei Magenta durch „Hi!Magenta“ ersetzt. Es ist „der zärtliche Einstieg in die Magenta-Welt“ und damit „kann kein Österreicher nicht von Magenta umarmt werden“, sagt Bierwirth.

TV wird ausgebaut

Nicht ganz so zärtlich sind die Fernsehkunden, die man mit UPC übernommen hat. Diese klagen nach wie vor, oft mit scharfen Worten, über die fehleranfälligen und langsamen Settop-Boxen. Bierwirth: „Eine neue Box kommt“. Details dazu gibt es noch nicht.

Dafür aber das Versprechen, dass das TV-Segment ausgebaut wird. Man müsse den Anspruch haben, der beste Aggregator zu werden. Was das vermutlich heißt: Die nächste TV-Box wird Netflix, Amazon und andere Streaming-Anbieter integrieren. Heuer wolle man jedenfalls einige Innovation für Fernsehen bringen. Im Sommer und Herbst werde man die Schritte dazu setzen.

10 Gigabit bis 2021

Beim Netzausbau will Magenta alle Technologien voranbringen: Glasfaser, Coaxial, Mobilfunk und auch Kupferkabel. Letzteres für DSL sei ein „Backup“. Bierwirth erlaubt sich dazu noch einen Seitenhieb: „Im Festnetz ist meine schlechteste Qualität da, wo A1 am besten ist.“

Bis Ende 2021 will man insgesamt eine Milliarde Euro in den Netzausbau investiert haben und sowohl im ländlichen Raum als auch in Städten Downloadgeschwindigkeiten von 10 Gigabit/s anbieten. Im ruralen Gebiet wird das durch Mobilfunk mit 5G möglich sein. In der Stadt sind es die verschiedenen Kabeltechnologien und der Übertragungsstandard DOCSIS 4.0. „Das werden stabile 10 Gigabit sein, die im Gegensatz zum Mobilfunk nicht geteilt sind“, sagt Bierwirth.

LTE stößt an seine Grenzen

Der 5G-Ausbau diene nicht nur dafür, schneller Inhalte herunterladen zu können. Laut Bierwirth ist 5G auch nötig, denn: „Die Kapazität der 4G-Netze ist langsam erschöpft. Man braucht 5G, um wieder Kapazität auf den Markt zu bringen.“

Derzeit sind etwa 5 Prozent der Magenta-Antennen 5G-fähig, man werde stetig ausbauen. Bierwirth rechnet damit, dass alle Anbieter in Österreich mit ähnlicher Geschwindigkeit an ihren 5G-Netzen arbeiten: „Ich gehe davon aus, dass bis Ende 2021 bei allen Kunden 5G spürbar ankommt.“

Die Anzahl der Magenta-Kunden mit 5G-Tarifen sei derzeit im zweistelligen Prozentbereich. Tatsächlich genutzt wird das 5G-Netz noch wenig: „Es fehlen die Smartphones. Die Nutzung wird sich ändern, wenn etwa ein 5G-iPhone kommt“, sagt Bierwirth.

Mietwucher für 5G-Antennen

Beim Ausbau von 5G in Wien gibt es noch kleinere Komplikationen. Vor Kurzem hat sich der Mobilfunker Drei darüber beschwert. „Ich würde mich nicht so äußern wie mein Mitbewerber“, sagt Bierwirth, merkt aber an: „In München kann man 2 Antennen zum Preis von einer in Wien mieten.“ Die Antennen der Mobilfunker befindet sich oft auf öffentlichem Grund oder Gebäuden, die von der Stadt verwaltet werden.

Eigentlich gibt es eine Vereinbarung, die bereits mit der türkis-blauen Regierung im Rahmen des 5G-Ausbaus beschlossen wurde. Demnach müssen die Mieten für die Antennen auf europäisches Niveau angepasst werden. Nur wollen sich anscheinend nicht alle daran halten. „Leute wollten, dass wir unterschreiben, dass für die Miete dieser Antenne die Verordnung nicht gilt“, erzählt Bierwirth. So hätten sie weiterhin hohe Mieten verlangen können. „Einige haben uns auch mit der Kündigung gedroht“, sagt Bierwirth. Es sei jetzt ein Prozess, dass die Preise für die Mieten auf das vereinbarte Niveau angepasst werden.

Hysterie um 5G

Ein weiterer Aspekt bei 5G ist die Befürchtung über Gesundheitsschäden. „Bei 4G hat es weder die Euphorie, noch Hysterie gegeben, wie jetzt bei 5G“, sagt Bierwirth: „Ich war bei Bürgerversammlungen zu dem Thema, das ist ein Erlebnis. Ich habe schon erlebt, dass ein Bürgermeister gesagt hat, er weiß nicht ob er 5G noch wolle – obwohl Magenta vertraglich dazu verpflichtet ist, in seiner Gemeinde 5G anzubieten.“

Bierwirth wünscht sich, dass das Gesundheitsministerium und Branchenverbände über 5G aufklären. Oft werde gegen 5G argumentiert, weil die Strahlung im Mikrowellenbereich liege. Für Bierwirth ist die Besorgnis der Bürger deshalb verständlich: „In der Mikrowelle möchte ich ein Hähnchen braten, nicht mich hineinsetzen.“

Laut ihm sei aber das Problem, dass der Populismus hier nicht die verschiedenen 5G-Technologien unterscheide. 5G im Mikrowellenbereich komme bei IoT und Campusnetzwerken zum Einsatz, nicht beim Mobilfunk. „5G ist von der Strahlenbelastung nur ein bisschen höher als 4G. Wir werden Teile von 4G in 5G umwidmen, dann ist nichts höher, es ist wie bisher“, sagt Bierwirth und schließt das Thema ab mit: „Es sind noch keine Vogelschwärme tot vom Himmel gefallen.“

Huawei im Netz

Die durch die USA ausgelöste Debatte um Huawei sieht Bierwirth als komplex. Die USA werfen Huawei vor, mit Netzwerkkomponenten für die chinesische Regierung zu spionieren. Hier würde laut Bierwirth sowohl wirtschaftspolitisch als auch sicherheitspolitisch und populistisch diskutiert werden.

Aus der Perspektive des Netzbetreibers sei für ihn die Huawei-Debatte nicht so schlimm. „Im Bereich, wo es um sensible Daten geht, haben wir Hardware von anderen Anbietern im Netz.“ Die 5G-Antennen werden aber von Huawei hergestellt. Bierwirth glaubt nicht, dass etwa eine EU- oder Ländervorschrift kommen wird, die Magenta verpflichtet, die Huawei-Antennen gegen die von anderen Herstellern zu tauschen. Der Tausch sei aber möglich, wenn es notwendig werden würde.

Wenn tatsächlich die Huawei-Antennen diskutiert werden sollten, müsse man generell über den Netzbesitz reden, sagt Bierwirth. „Man könnte es etwa wie bei Airlines machen: Damit europäische Airlines eine Zulassung bekommen, müssen sie mindestens zu 50 Prozent im Besitz von Europäern sein.“ Er nennt als Beispiel den Mobilfunker Drei, dessen Netz vom chinesischen Hersteller ZTE aufgebaut worden sei und dann zurückgeleast wurde.

Kunden werden die Huawei-Debatte möglicherweise ebenfalls zu spüren bekommen. Wenn weiterhin neue Huawei-Smartphones wegen dem US-Handelsstreit ohne Googles Android-Apps, wie den Play Store, erscheinen, wird Huawei am Handymarkt an Bedeutung verlieren. Dies könnten andere Hersteller zur „Markenreparatur“ nutzen, so Bierwirth. Soll heißen: Huaweis Konkurrenten, wie Samsung und Apple, könnten die Preise ihrer nächsten Geräte erhöhen.

Coronavirus

Bierwirth wurde auch danach gefragt, ob er Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft sieht. „Meiner Meinung nach werden die Effekte des Coronavirus unterschätzt. Ich mache mir Sorgen, dass sich der Virus auf die Wirtschaft stärker auswirken kann, als wir glauben. Wenn es eine Pandemie gibt, kann das einen Wirtschafts-Schock auslösen.“

Der 5G-Rollout sei derzeit nicht davon betroffen. Falls sich die Lage in China aber verschlechtert, könne man es nicht ausschließen. Bierwirth rechnet damit, dass es mindestens eine Verzögerung von 3 bis 6 Monaten bei Unternehmen geben wird, die Zulieferer in China haben.