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Microsoft stampft Marke Nokia ein

Als Microsoft im September 2013 angekündigt hat, dass es die Smartphone-Sparte des finnischen Firmenkonglomerats Nokia übernehmen werde, waren die Zeiten für Europas Vorzeige-Handyhersteller bereits alles andere als rosig. Den Siegeszug der Smartphones hat das Unternehmen, das einst der größte Mobiltelefon-Hersteller der Welt war, total verschlafen.

Mit der Übernahme, die fast 5,5 Milliarden Euro gekostet hat, hat sich Microsoft auch die Lizenzrechte für die Verwendung des Namens Nokia für Handys gesichert. Zehn Jahre lang gilt der Vertrag über die Nutzung der Marke im Mobiltelefon-Bereich. Dass der Windows-Hersteller früher oder später lieber Geräte unter seiner eigenen Dachmarke herausgeben würde, war damit praktisch von Anfang an beschlossene Sache.

Insider-Information

Das Ende der Nokia-Telefone könnte jetzt aber deutlich früher kommen, als erwartet. Die Internetseite GeekOnGadgets hat ein internes Dokument zugespielt bekommen, aus dem hervorgeht, dass Microsoft die Marke Nokia noch in diesem Jahr einstampfen will und Smartphones in Zukunft nur noch unter den Marken Microsoft und Lumia vertreiben wird. Die Echtheit des Dokuments wurde durch theverge.com angeblich bestätigt, Microsoft hat sich bisher aber nicht offiziell zu den Berichten geäußert.

Auf Anfrage der futurezone heißt es bei Microsoft Österreich, dass es sich aus Sicht des Konzerns um „unbestätigte Gerüchte“ handle. Die schleichende Umleitung der Besucher von Nokia-Internetseiten auf Adressen von Microsoft und das eklatante Fehlen der Marke Nokia in der aktuellen PR-Strategie des Windows-Herstellers lassen aber darauf schließen, dass die Tage der finnischen Mobilfunkmarke tatsächlich gezählt sein dürften. Auch aus markenstrategischer Sicht würde dieser Schritt laut Experten durchaus Sinn ergeben.

Einheitliche Marke

Microsoft versucht anscheinend, ähnlich wie Apple, eine monolithische Markenstrategie zu fahren und alle Kräfte auf diesen einheitlichen Auftritt zu konzentrieren. Das senkt die Kosten für die Koordination und Integration verschiedener Marken und steigert so den Unternehmenswert“, erklärt Marken-Strategieberater Thomas Otte gegenüber der futurezone. Ein weiteres Indiz für die Vereinheitlichungspläne von Microsoft sind die jüngsten Versuche, die verschiedenen Windows-Marken unter ein Dach zu bringen.

In Zukunft sollen die Desktop-, Konsolen- und mobilen Varianten des Betriebssystem einheitlich unter der Marke Windows geführt werden. Auch das wird in dem im Netz kursierenden Dokument beschrieben. Der Tod der Nokia-Handys scheint also gewiss. „Die Marke Nokia wurde über Jahrzehnte mit riesigem finanziellem Aufwand aufgebaut und genießt großes Kundenvertrauen. Microsoft hat viel Geld für den Namen bezahlt, sich jetzt aber entschieden, Werbeeuros lieber in die eigene Marke zu stecken, statt den Namen des finnische Konglomerats zu nutzen“, so Otte.

Marke bleibt wertvoll

Die Marke Nokia wird ihren Wert trotzdem noch eine Weile behalten. Die schnelle Aufgabe des Namens durch Microsoft wirft die Frage auf, ob die Übernahme um 5,5 Milliarden Euro nicht unnötig teuer war. Hätte der Konzern nur das Know-how gekauft und Nokia die Marke überlassen, wäre vermutlich ein deutlich geringerer Preis veranschlagt worden. “Durch das Halten der Marke kann sich Microsoft jetzt trotzdem Optionen für die Zukunft offenhalten. Eine wertvolle Marke wie Nokia kann ihre Bekanntheit über Jahrzehnte halten”, sagt Otte. Ob Nokia die Rechte an der Marke nach Auslauf der aktuellen Vereinbarung allerdings noch einmal abtreten will, ist ungewiss.

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Markus Keßler

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