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B2B
04/02/2013

Niedermeyer meldet Insolvenz an

Der Konzern soll knapp 29 Millionen Euro Schulden haben. Insgesamt werden 53 Filialen geschlossen, 279 Mitarbeiter müssen gehen. Die Ursache für die angespannte finanzielle Situation liege laut dem Konzern in konjunkturbedingten Umsatzrückgängen und sinkenden Margen.

Es ist die berühmte Flucht nach vorne oder auch so etwas wie die letzte Chance. Die traditions- und zuletzt verlustreiche Wiener Handelskette Niedermeyer ist nach mehreren Eigentümerwechseln und Sanierungsversuchen in den letzten Jahren endgültig pleite. Am Dienstag wurde am Handelsgericht ein „Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung“ beantragt. Früher hieß das schlicht: Konkurs.

Das bedeutet: Die Niedermeyer-Eigentümer, Geschäftsführer Werner Weber (50,1 Prozent) sowie die Hypo Equity Beteiligungs AG (49,9 Prozent), müssen in zwei Jahren 20 Prozent der Schulden von 29 Millionen Euro zurück zahlen. Dazu plant Weber die Schließung von 53 der 98 Filialen in ganz Österreich sowie den Abbau von 279 der 580 Mitarbeiter. Entscheidend ist aber, ob er einen Investor für die Handelskette findet.

Hartlauer prüft einzelne Standorte
Dem Vernehmen nach sind manche Gespräche schon recht weit gediehen. Es könnte Konkurrenten aber auch nur um einzelne Filialen gehen.  Robert Hartlauer sagte, er werde sicher einzelne Standorte prüfen, so sie ihm angeboten werden. Das letzte Wort hat hier Anwalt Georg Freimüller. Er wurde zum Insolvenzverwalter bestellt.

Wer ist schuld? In der Ursachenforschung, wie es zur Pleite gekommen ist, gibt es verschiedenste Meinungen. Der Branchenobmann des Elektrohandels, Wolfgang Krejik, sieht vor allem Führungsprobleme bei Niedermeyer. Der Branche selbst gehe es bei einem Rekordumsatzniveau von 4,7 Milliarden Euro gut.

Konjunktur-Probleme
Niedermeyer-Chef Weber nennt hingegen konjunkturbedingte Umsatzrückgänge, sinkende Margen und das zu große Filialnetz als Pleitegründe. Weber: „Das Konzept des Elektronik-Nahversorgers ist in einem von Großflächen-Diskontern und Online-Shops dominierten Markt zunehmend unter Druck geraten.“

Bei seinem Einstieg im Jahr 2009 hatte sich der Tiroler Weber, der über Sanierungserfahrung bei Libro, Pagro und Forstinger verfügt, einen Turnaround in drei Jahren vorgenommen. Lag der Umsatz damals noch bei 150 Millionen Euro, sank er zuletzt auf 105 Millionen. Bei drei Millionen Euro Verlust.

Schwierige Verhältnisse
RegioPlan-Experte Michael Oberweger sagt dazu, der Buch- und Elektrohandel habe die „schwierigsten Verhältnisse“ und erlebe „die größten Veränderungen“.  Zunehmend punkten hier online-starke Konkurrenten wie DiTech oder Spezialshops wie McShark. Dazu komme: „Die Kunden wurden in den letzten Jahren zu einem sehr preissensiblen Konsum erzogen, mit besten Vergleichsmöglichkeiten im Internet.“ So umschreiben Fachleute die Realität im Handel, geprägt von einer Geiz-ist-Geil-Mentalität der Kunden und Daueraktionen wie „Bestpreisgarantien“ der Händler. 

Auch Niedermeyer, 1957 gegründet, will jetzt radikal moderner werden. Weber setzt dazu auf ein „erlebnisorientiertes“ Shop-Konzept und baut das „Multi-Shopping“ aus. Darunter versteht man den Mix aus Internetbestellung und Abholung in der Filiale – so die Kundschaft mitspielt.

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