© Gregor Gruber

B2B
02/11/2014

Österreichische Musikbranche setzt auf Streaming-Dienste

Der Umsatz am Musikmarkt ist 2013 zwar leicht zurückgegangen, die Steigerungen am digitalen Markt machen der Branche aber Hoffnung. Streaming boomt dankt Spotify und Deezer.

Streaming schlägt bei den Konsumenten ein wie selten ein Musikservice zuvor“, sagte Hannes Eder, Präsident des Musikwirtschaftsverbandes IFPI Austria und General Manager bei Universal Music Austria bei der Präsentation der Zahlen zum österreichischen Musikmarkt am Dienstag in Wien. Dienste wie Spotify, Deezer und Co. hätten das Potenzial die gesamte Branche wieder in Schwung zu bringen.

Im vergangenen Jahr wuchsen die Einnahmen aus Musik-Streamingangeboten in Österreich um 330 Prozent. Insgesamt wurden mit Musik-Streams 6,5 Millionen Euro umgesetzt. Das sind zwar erst knapp über vier Prozent des Gesamtumsatzes der Branche und weniger als etwa mit DVDs erwirtschaftet wird (acht Mio. Euro), das Potenzial ist laut Eder aber enorm. „Es gibt Szenarien, die davon ausgehen, dass Streaming im Jahr 2020 rund 75 Prozent des globalen Musikmarktes ausmachen wird.“ In Schweden, der Heimat von Spotify, beträgt der Anteil von Streaming-Diensten am Gesamtmarkt bereits heute 80 Prozent.

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Leichter Rückgang am Gesamtmarkt

Bis es in Österreich soweit ist, wird es aber wohl noch einige Zeit dauern. Von den 150 Millionen Euro Gesamtumsatz der österreichischen Musikbranche entfällt der Löwenanteil mit 88 Millionen auf physische Tonträger, die damit noch immer das Rückgrat der heimischen Musikwirtschaft bilden. Insgesamt gingen die Umsätze im vergangenen Jahr um zwei Prozent zurück. Die Kurve, die längere Zeit steil nach unten zeigte, konnte aber etwas abgeflacht werden, denn im Jahr davor betrug der Umsatzrückgang noch sechs Prozent.

Online-Musikmarkt wächst weiter

Generell gilt der Online-Musikmarkt als Hoffnungsträger und Zugpferd. Von 2012 auf 2013 konnte mit Musik in digitaler Form ein Plus von 17 Prozent erzielt werden. Das bedeutet Einnahmen in der Höhe von 31 Millionen Euro oder ein Viertel des Gesamtumsatzes. Allerdings ging der Download von Einzeltitel das erste Mal zurück, und zwar um neun Prozent. Dieser wurde aber durch einen leichten Anstieg der Album-Downloads und den massiven Zuwächsen aus Streaming-Einnahmen wieder gut gemacht. 2014 könnte nach Meinung von IFPI-Austria-Geschäftsführer Franz Medwenitsch der Turnaround im Gesamtmarkt geschafft werden.

Durch den angeheizten Wettbewerb, technische Innovationen und mehr Flexibilität in der Preisgestaltung werde sich in den kommenden Jahren beim Musik-Streaming noch einiges zum Positiven ändern, prophezeit Eder. So könnten etwa Beats Music, das erst kürzlich in den USA gelauncht wurde und ein Streaming-Dienst von YouTube, der Mitte des Jahres am US-Markt starten soll, künftig auch am österreichischen Markt für mehr Diversität und Schwung sorgen.

Spotify und Deezer Platzhirschen

Derzeit wird der österreichische Streaming-Markt von Spotify und Deezer beherrscht, die gemeinsam auf einen Marktanteil von 90 Prozent kommen. Wobei Deezer, auch durch die strategische Partnerschaft mit T-Mobile etwas mehr Premiumkunden verzeichnen kann. Den Rest des Marktes teilen sich Simfy und Juke.

Wie viel von den Streaming-Umsätzen tatsächlich bei den Künstlern ankommt, konnten weder Medwenitsch noch Eder beantworten: Das komme auf die jeweiligen Verträge und die Anzahl der Premiumkunden des Streaming-Dienstes an.

Sicher sei nur, dass es sich beim Streaming um ein völlig anderes Geschäftsmodelle handle. Während bei Downloads und Verkäufen physischer Tonträger gleich nach der Veröffentlichung eines Werkes hohe Einnahmen anfallen würden, sei bei Streaming-Services die Umsatzkurve flacher, sodass Künstler, anders als mit herkömmlichen Verkäufen, über längere Zeit Geld verdienen könnten.

Tauschbörsen „einigermaßen im Griff“

Nach wie vor ein wichtiges Thema sei der Schutz des „geistigen Eigentums“, sagte Medwenitsch. Es sei jedoch gelungen, mit attraktiven Angeboten wie Streaming-Abos nicht autorisierte Downloads aus Online-Tauschbörsen „einigermaßen in den Griff zu bekommen“. Damit Urheberrechte respektiert würden, setze die Branche vor allem auf Bewusstseinsbildung.

Dominiert wurden die Verkaufscharts im vergangenen Jahr mit 53 Prozent vom Genre Rock/Pop. Schlager und Volksmusik, die traditionellerweise für die Umsätze bei physischen Tonträgen von besonderer Bedeutung sind, machten 31 Prozent der Top 100 aus. Kurios dabei ist, dass sich das Best-Of-Album von Andrea Berg bereits seit 580 Wochen in den Charts hält. – “Wahrscheinlich ein Allzeit-Rekord”, meinte Medwenitsch. Eine Eigenart der österreichischen Chart-Landschaft ist auch die Relevanz klassischer Musik, die einen Anteil von vier Prozent erreicht.