B2B
02/02/2012

Offiziell: Facebook geht an die Börse

Seit Jahren wird darüber spekuliert, jetzt steht es fest: Facebook leitet mit einem S1-Filing seinen Börsengang ein. Am Mittwochabend veröffentlichte das weltgrößte Soziale Netzwerk in den USA seinen Börsenprospekt. Eine Firmenbewertung von bis zu 100 Milliarden Dollar steht im Raum - was bei den einen für Euphorie und bei den anderen für Stirnrunzeln sorgt.

Mark Zuckerberg hat es so lange wie möglich hinausgezögert, doch nun ist es so weit: Der Facebook-Chef will mit einem Börsengang fünf Milliarden Dollar (3,8 Mrd. Euro) einnehmen. Die notwendigen Dokumente hat die US-Firma nun eingereicht, um alles in die Wege zu leiten. Wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht, ist Facebook profitabel: Im vergangenen Jahr verdiente das Unternehmen unterm Strich eine Milliarde Dollar, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin 229 Millionen Dollar.

Doch Facebook, dem ein Firmenwert von bis zu 100 Milliarden Dollar nachgesagt wird, stapelt mit dem Volumen von vorerst fünf Milliarden Dollar reichlich tief. Noch vor wenigen Tagen machten nämlich Gerüchte die Runde, dass Facebook zehn Prozent seiner Anteile für zehn Milliarden Dollar an der Börse verkaufen will.

Zu viele Teilhaber
Auf Online-Marktplätzen wie "SharesPost" oder "SecondMarket" werden Facebook-Anteile schon seit Jahren  gehandelt. Ehemalige Mitarbeiter verkaufen dort an Privatinvestoren – aktuell bei einer Bewertung von etwa 84 Milliarden Dollar.  Immer mehr Käufer wollen ein Stück des größten Internet-Phänomens der vergangenen Jahre besitzen, das selbst dem Riesen Google in Sachen Online-Werbung und Nutzerzahlen Konkurrenz macht.

Dieses Gerangel um Facebook-Anteile hat das Internet-Unternehmen letztendlich in Richtung Börsengang getrieben. Denn laut US-Gesetz müssen Firmen mit mehr als 500 Anteilseignern ihre Finanzdaten so offenlegen, wie es börsennotierte Unternehmen wie Apple oder Google in ihren Quartalszahlen tun. Facebook dürfte die magische Grenze Ende 2011 überschritten haben. Zwar müsste Zuckerberg seine 2004 gegründete Firma nicht zwingend an der Börse notieren – doch weil er ohnehin über die Finanzen Auskunft geben muss, dürfte er die Chance wohl gleich nutzen wollen.

Viel Risiko, wenige Sofortgewinner
Dabei warten auf Facebook sowohl Chancen als auch Risiken: Dem großen Interesse an Facebook-Aktien stehen die eher schwachen Börsengänge von Internet-Firmen in der jüngeren Vergangenheit gegenüber: Sowohl der Facebook-Spiele-Anbieter Zynga als auch das Schnäppchen-Portal Groupon blieben hinter den Erwartungen zurück.

Bis Facebook-Aktien an der Börse gehandelt werden, dürften noch zwei bis drei Monate vergehen. Zuerst werden Experten jene Wirtschaftsdaten prüfen, die Facebook in seinem Börsenprospekt vorlegt. Dem Prospekt zufolge, der bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht wurde, soll Facebook im Vorjahr etwa 3,9 Milliarden Dollar (vor allem mit Werbung) Umsatz gemacht haben. Ob das den etwa 25-fachen Firmenwert rechtfertigt, wird noch vielen Anlegern Kopfzerbrechen bereiten.

Jene, die bereits Facebook-Anteile besitzen , dürften auf einen Börsengang drängen: Accel Partners etwa hat sich 2005 um 12,5 Mio. Dollar zehn Prozent der Firma geschnappt – diese Anteile sind heute viele Milliarden wert. Vom Börsengang profitieren wird noch einer: die US-Bank Morgan Stanley. Denn sie - und nicht Facebook-Investor Goldman Sachs - begleitet Facebook beim Gang aufs Parkett und kassiert dafür etwa 2,5 Prozent Provision.

Änderungen für die Nutzer
Vom studentischen Start-up zur Firma mit mehr als 3500 Mitarbeitern: Spätestens mit dem Börsengang muss sich der 27-jährige Mark Zuckerberg damit abfinden, dass Facebook künftig nach harten Geschäftszahlen zu funktionieren hat. Zwar will Zuckerberg mit dem neuen, hip eingerichteten Unternehmenszentrale in Menlo Park im Silicon Valley weiter möglichst viel jugendlichen Geist versprühen. Doch er wird künftig stark gefordert sein, den Anlegern Quartal um Quartal positive Umsätze und Gewinne vorzuweisen. Das bedeutet, dass Facebook seine Einnahmequellen weiter ausbauen muss – zuallererst die personalisierte Werbung.

Bereits jetzt bekommen Facebook-Mitglieder auf ihren Startseiten und Profilen Online-Anzeigen eingeblendet, die auf ihre Interessen (z. B. Fußball, Pizza, Computer-Spiele) zugeschnitten sind. Diese sind noch relativ dezent in die Webseite integriert, könnten aber je nach Börsenklima schnell mehr und größer werden. Außerdem hat Facebook bereits ein Patent in der Schublade, das diese Werbung noch effizienter machen soll: Dieses sieht vor, dass die virtuelle Reklame den Interessen der Facebook-Freunde angepasst werden kann – für Werbetreibende wäre das eine willkommene Neuerung für die Vermarktung von Produkten über gleich gesinnte Freundeskreise.

Außerdem ist damit zu rechnen, dass Facebook mit dem frischen Kapital andere Unternehmen aufkaufen wird. Google etwa hat nach seinem Börsengang zwei seiner  wichtigsten Übernahmen getätigt: Das Videoportal YouTube und den Online-Werbespezialisten DoubleClick.

Wem gehört Facebook?

Gründer Mark Zuckerberg: 28,2 Prozent

US-Investmentfirma Accel Partners/Vorstandsmitglied Jim Breyer: 11,4 Prozent

Mitgründer Dustin Moskowitz: 7,6 Prozent

Mail.ru (DST):
5,5 Prozent

Vorstandsmitglied Peter Thiel: 2,5 Prozent

Rocksänger Bono Vox (via US-Investor Revelation Partners): <1 Prozent

Microsoft: <1 Prozent

Goldman Sachs: <1 Prozent

US-Investor Greylock Partners: <1 Prozent

US-Investor Meritech Captial: <1 Prozent

Hongkonger Milliardär Li Ka-shing: <1 Prozent

Mitgründer Eduardo Saverin: <1 Prozent

Ex-Facebook-Präsident Sean Parker: <1 Prozent

Mitgründer Chris Hughes: <1 Prozent

Streubesitz: ca. 30 Prozent

(Zahlen basieren auf dem SEC-Prospekt)