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Schulden
03/22/2012

Orange-Drei: Banken fürchten Millionen-Verlust

Platzt die Übernahme von Orange durch Drei, dann droht dem Anbieter das Aus. Die kreditgebenden Banken sind bereits nervös, denn sie fürchten den Ausfall von Kreditrückzahlungen. Als größtes Hindernis gilt weiterhin der Verkauf von Yesss! an A1. Die Telekom profitiert nämlich am meisten vom Orange-Drei-Deal, wie eine neue Studie belegt.

Bei Österreichs drittgrößtem Handynetzbetreiber Orange schrillen nicht nur die Handys, sondern auch die Alarmglocken. Denn der Betreiber kann wesentliche Kreditbedingungen nicht mehr erfüllen. Das betrifft zwar nicht die laufenden Zahlungen an die rund 60 Banken. Jedoch haben sich die Eigentümer France Télécom und Mid Europa Partners bei der Übernahme 2007 den Kreditgebern gegenüber verpflichtet, quartalsweise auch bestimmte Ergebniszahlen zu erfüllen. Mit dieser international durchaus gängigen Praxis können die Banken schon frühzeitig vor möglichen Zahlungsausfällen gewarnt werden.

Auszeit für Rückzahlung
Konkret liegt bei Orange der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hinter den Erwartungen. Der Anbieter hat daher vor Kurzem bei den Banken erreicht, für die Zeit des Verkaufsprozesses an Drei diese Bedingung nicht erfüllen zu müssen. Doch falls der Deal platzt, könnte es für Orange eng werden.

Dem Vernehmen nach herrscht in den betroffenen Banken bereits Nervosität. Nicht zu Unrecht, beträgt die Schuldenlast doch rund 1,25 Milliarden Euro. Die Betreiber hoffen, den Verkauf bis Juni 2012 abzuschließen, im schlimmsten Fall ist von November die Rede. Bis dahin muss Orange die heiklen Kreditbedingungen nicht erfüllen. Doch falls die heimische Bundeswettbewerbsbehörde den Deal untersagt, würden Orange und Drei bei der EU-Behörde weiterkämpfen. Doch dies kostet Zeit, die Orange dann vielleicht nicht mehr hat.

Yesss-Deal stößt auf Widerstand
Die Wettbewerbshüter in Wien und Brüssel stört vor allem der bereits vereinbarte Verkauf der orangen Billigmarke " Yesss!" mit rund 750.000 Kunden an Marktführer Telekom Austria ( TA). Dadurch würde der Marktanteil der TA von derzeit 42 auf 47 Prozent steigen. Dass die Telekom Austria mit seiner Handy-Tochter Mobilkom  am meisten profitieren, schlussfolgert auch eine Analyse der Investmentbank Morgan Stanley, die die Auswirkungen der geplanten Übernahme von Orange durch Hutchison untersucht hat.

Der Wert der TA würde, erwarten die Analysten, um rund einen Euro je Aktie steigen. Der Grund dafür ist der geringere Wettbewerbsdruck. Zwar wäre nach einer Fusion von Orange mit Drei in den nächsten Monaten darauf der Wettlauf um Kunden mit Niedrig-Tarifen schärfer als bisher. Mittelfristig könnten aber alle drei Anbieter, so Morgan Stanley, ihre Preise erhöhen und die Kosten für die Kundenbindung – etwa Gratis-Handys – senken. Die höheren Tarife würden in Folge zu höheren durchschnittlichen Umsätzen pro Kunde führen und das Ergebnis weiter verbessern.

T-Mobile nicht interessiert
Der Verkauf von Yesss! an den zweitgrößten Mobilfunker T-Mobile – gegen den der asiatische Betreiber Drei nichts einzuwenden hätte – scheitert an T-Mobile. Die Österreich-Tochter des deutschen Telekomriesen bekommt von der Mutter – so Insider – dafür schlicht kein Geld.

Die Orange-Banken haben zu Jahresende drei Optionen: Die Zinsen zu erhöhen oder vom Eigentümer eine Kapitalspritze (informierten Quellen zufolge 20 Millionen Euro) zu fordern. Im äußersten Fall können sie ihre Forderungen fällig stellen, was für Orange das Ende bedeuten könnte.  Bei Orange will man die Sache nicht kommentieren. "Das ist Angelegenheit unserer Eigentümer", heißt es.