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Unfreiwillig
08/30/2011

Schwulen-Debatte um Apple-Chef Cook entbrannt

In den USA sorgt die sexuelle Orientierung des öffentlichkeitsscheuen Nachfolgers von Steve Jobs für Diskussionen. Nachdem bereits vor Monaten erste Berichte über den angeblich mächtigsten schwulen Manager der Welt die Runde machten, preschen nun einige Journalisten vor. Sie argumentieren, die sexuelle Orientierung des neuen Apple-Chefs dürfe kein Tabuthema sein, andere sprechen von Zwangsouting.

von Martin Stepanek

Losgetreten hat die Diskussion der Reuters-Journalist Felix Salmon, der in einem Blogkommentar die Medien dazu aufforderte, die sexuelle Orientierung von Tim Cook nicht zu tabuisieren. Cook sei ein hervorragendes Vorbild für die Schwulenbewegung, weil es zeige, wie ein hochintelligenter und führungsstarker Mann – noch dazu in der Technologiebranche - Karriere machen könne. Salmon zufolge sei eine Erfolgsgeschichte wie die des neuen Apple-CEO das beste Mittel, um vorherrschenden Stereotypen entgegenzuwirken.

Salmon, der von enorm vielen positiven Zuschriften wegen seines Beitrags spricht, ist aber auch heftiger Kritik von Kollegen ausgesetzt. Man könne ein derartiges Zwangs-Outing nicht einfach mit dem Kampf für die gute Sache rechtfertigen, meint etwa Ars-Technica-Chefredakteur Ken Fisher. Denn Cook hat es bisher tunlichst vermieden, sein Privatleben öffentlich zu diskutieren. Einzig der Nachrichtenblog Gawker hatte im Jänner mit Verweis auf Unternehmenskreise von der angeblichen sexuellen Orientierung des neuen Apple-Chefs berichtet und diesen als mächtigsten Schwulen in Silicon Valley bezeichnet.

Top-Management als gläserne Decke
Dass das Thema „homosexuelle Führungskräfte“ immer noch für Diskussionsstoff und Verunsicherung sorgt, unterstreicht auch Christian Zitzmann, Vorstand des schwulen Führungsnetzwerks agpro (Austrian Gay Professionals), im Gespräch mit der futurezone. „Gerade das Top-Management wird von vielen als gläserne Decke empfunden, die von homosexuellen Führungskräften nur schwer durchbrochen werden kann“, so Zitzmann. Viele Führungskräfte würden sich zudem immer noch nicht trauen, ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu machen.

Der seit den späten 90er-Jahren aktive Verein zählt Zitzmann zufolge rund 60 aktive Fach- oder Führungskräfte, die sämtlichen Branchen zuzuordnen seien. Neben Leuten aus der Kreativwirtschaft, die sich mit dem Thema leichter tue, seien auch Beamte, Autohändler und Handwerker mit dabei. Um Vorurteile abzubauen, sei es natürlich begrüßenswert, wenn sich auch Leute aus den genannten Branchen zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen würden. Ein Zwangsouting sei aber abzulehnen, meint Zitzmann: „Das muss jedem selber überlassen bleiben.“

Auszeichnung statt Zwangsouting

Anstatt Leute ungefragt vor den Vorhang zu zerren, wie im Fall des Apple-Chefs, versucht agpro deshalb Unternehmen zu einem positiven Umgang mit dem Thema zu animieren. Gemeinsam mit dem Verein „Queer Business Women“ wird daher mit dem "meritus:" bereits zum zweiten Mal ein Preis für das mitarbeiterfreundlichste Unternehmen beim Thema Homosexualität vergeben. Vor zwei Jahren hatte IBM die Auszeichnung erhalten, die Bewerbungsfrist für 2011 läuft noch bis zum 15. September.

Auch der langjährige Vorsitzende der Grünen Andersrum, Marco Schreuder, weiß um die Problematik der Diskussion. „Natürlich brauchen wir Leute, die als erfolgreiche Vorbilder Vorurteile abbauen – seien es nun Manager, Spitzensportler oder Kreative. Wenn aber jemand sein Privatleben nicht öffentlich machen will, muss das genauso sein gutes Recht sein“, so Schreuder zur losgetretenen Diskussion um Apple-Chef Tim Cook.

Gefahr der Stigmatisierung

Ein Outing berge auch einige Risken: „Die Gefahr besteht, dass man in der Öffentlichkeit auf die sexuelle Orientierung reduziert wird.“ Aus dem „Apple-Chef“ könne dann sehr schnell der „schwule Apple-Chef“ in der Wahrnehmung werden, so Schreuder im futurezone-Gespräch. Im Falle des Apple-Chefs könnten ein paar offene Worte allerdings der Diskussion schneller ein Ende setzen, anstatt sich jetzt mit Gerüchten herumschlagen zu müssen. „Das Spannende an der Cook-Sache ist eher die Debatte und die Reflexion darüber, wie man mit dem Thema umgeht, als ob Cook nun tatsächlich schwul ist oder nicht“, meint Schreuder.

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