B2B
03.03.2017

T-Mobile: Gratis-Roaming kommt nicht für alle Tarife

Das EU-Roaming-Aus sorgt einige Monate vor Inkrafttreten der Richtlinie weiterhin für Verwirrung. Laut T-Mobile soll es auch künftig Tarife geben, die nur national gelten.

Nach jahrelangen Diskussionen soll es am 15. Juni 2017 tatsächlich soweit sein. Roaming-Gebühren innerhalb der EU sind dann Geschichte. Dass aber immer noch nicht alle Fragen restlos geklärt sind, wurde einmal mehr bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz von T-Mobile Austria am Donnerstag in Wien deutlich. Dazu zählen Maßnahmen, die Mobilfunker vor missbräuchlicher Verwendung schützen sollen, die komplizierte Berechnung von Datenlimits und die Gestaltung von Verträgen, die von der Richtlinie ausgenommen sind.

"Nationale" Tarife geplant

So überraschte T-Mobile Austria am Donnerstag mit der Aussage, dass Verträge und Tarife, die eindeutig nur für den nationalen Gebrauch ausgewiesen und vorgesehen sind, von der Regelung ausgenommen sind. Darunter sollen etwa Wertkarten-Tarife fallen, bei denen Daten-Roaming im Ausland schon bisher überhaupt nicht möglich war. T-Mobile zufolge falle auch der neue SIM-Karten-Tarif darunter: Kunden, die diesen Tarif nutzen, werden also voraussichtlich auch in Zukunft nicht im EU-Ausland Daten nutzen können. Bei der Verwendung von SMS und Freiminuten soll es hingegen keine Einschränkungen im EU-Ausland geben.

Ob die EU-Verantwortlichen dieser Argumentation folgen werden, die auch Wertkartentarife anderer Hersteller betrifft, bleibt abzuwarten. Klar ist bereits, dass Telefonie-Minuten und SMS 1:1 auch im EU-Ausland ohne Gebühren verwendet werden dürfen, während die Datennutzung beim Roaming nach einem komplizierten Schlüssel gedeckelt wird. Das zeigt sich etwa auch bei den neuen Tarifen von Drei, welche das verwendbare Datenvolumen im EU-Ausland bereits in den Tarifen ausweisen. Auch Drei hat einen rein "nationalen" Tarif im Angebot.

T-Mobile will die Auswirkungen der EU-Richtlinie auf bestehende Tarife und etwaige neue Tarife bald bekanntgeben - die Berechnung des gratis verfügbaren Datenvolumens für alle Tarife sei allerdings nicht trivial. So sieht die EU-Richtlinie vor, dass der monatliche Nettopreis des Vertrags (ohne Mehrwertsteuer) durch den durchschnittlichen Einkaufspreis für Daten innerhalb der EU (noch nicht exakt festgelegt) dividiert und anschließend mal zwei multipliziert wird - damit kommt man auf die beinhaltete Roaming-Datenmenge, die offenbar nichts mit der in Inlands-Verträgen inkludierten Datenmenge zu tun hat.

Angst vor Missbrauch

Ein weiteres Problem für die Mobilfunker: Um Missbrauch zu verhindern, etwa wenn Kunden aus anderen Ländern beispielsweise im Mobilfunk-Billig-Land Österreich eine SIM kaufen und diese dann ausschließlich in teureren Mobilfunkländern nutzen, soll das Roaming auf vier Monate im Jahr beschränkt sein. Derzeit ist laut T-Mobile aber weder geklärt, ob es dabei um eine durchgehende Zeitspanne oder zusammengerechnete Tage gehe. Ungelöst sei auch das Thema der nicht registrierungspflichtigen Wertkarten. Das öffne dem beschriebenen Missbrauch Tür und Tor.

T-Mobile-CEO Andreas Bierwirth übte sich während der Jahrespressekonferenz in Wien zwar in Zurückhaltung, was Kritik an der Richtlinie betrifft. Den Unmut über die mehrfach adaptierte, verworfene und schließlich dennoch wieder auf Schiene gebrachte Richtlinie konnte aber auch er nicht verbergen: "Natürlich gehen Umsätze verloren, die erst kompensiert werden müssen. Die für den weiteren Netzausbau notwendige Investitionskraft wird dadurch sicher auch nicht gestärkt."

Leerinvestitionen kritisiert

Ob es zu den wie von der Regulierungsbehörde vorhergesagten Preissteigerungen am Markt in Österreich kommen werde, werde man sehen. Die Branche werde mit nationalen Tarifen im Niederpreissegment dagegenhalten, prognostizierte Bierwirth. "Die Umsetzung kommt letztlich aber sehr schnell, eben weil immer wieder Richtlinien diskutiert und formuliert wurden, wo es dann plötzlich wieder hieß: Das kommt so doch nicht. Für die Branche waren das eine Reihe von Leerinvestitionen, die da in der Vergangenheit getätigt werden mussten", kritisierte Bierwirth im Gespräch mit der futurezone.