B2B
02.03.2017

"Jeder BMW fährt mit österreichischer SIM-Karte"

T-Mobile konnte im Jahr 2016 seinen Umsatz in Österreich steigern. Hohe Ausgaben für Investitionen und Kundenbindungsprogramme schmälerten aber das Ergebnis.

Mit 855 Millionen Euro legte der Umsatz von T-Mobile Austria im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent zu. Dieser Erfolg ist aber hart erkämpft. Denn im gleichen Zeitraum stagnierte das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei 117 Millionen Euro. T-Mobile Austria Chef Andreas Bierwirth strich die gestiegenen Umsatzzahlen und die Bedeutung der Österreich-Tochter für den deutschen Gesamtkonzern hervor.

Jeder BMW mit T-Mobile-SIM

"Wir haben im vergangenen Jahr eine Halbe Million SIM-Karten im Bereich Machine-to-Machine verbaut. Jeder neue BMW in Europa hat eine österreichische T-Mobile-SIM eingebaut", erklärte Bierwirth. Neben dem Zukunftsthema "Internet of Things" will der Konzern vor allem mit mobilen Breitband-Anschlüssen fürs Eigenheim punkten. Im Vorjahr habe man bereits mehr Breitband-Router als Smartphones an Kunden verkauft.

Wohl nicht zuletzt deswegen schnellte der Datenverbrauch exorbitant in die Höhe und stieg von 70.000 Terabyte im Vorjahr auf etwas mehr als 168.000 Terabyte im Jahr 2016. "Durch den technologischen Fortschritt ist Glasfaser aus der Luft in vielen Regionen mittlerweile das bessere und leistungsstärkere Produkt als verfügbare Festnetzalternativen. Um mit dem Datenverbrauch mitzuhalten, werden wir weiterhin entsprechend in den Netzausbau investieren müssen", sagte Bierwirth.

Breitbandmilliarde wenig zielführend

Der primäre Ausbau mit LTE ist mit 97 Prozent Abdeckungsgrad der Bevölkerung praktisch abgeschlossen. Von der viel diskutierten "Breitbandmilliarde" hat T-Mobile bisher wenig gesehen, da die Ausschreibungen der ersten und zweiten Tranche laut Bierwirth ganz auf den Festnetz-Ausbau und daher den Mitbewerber A1 zugeschnitten gewesen war.

Dass gerade Kunden am Land jetzt in großer Zahl auf mobiles Breitband setzen, zeige schon, dass die frühere Interpretation des Internet-Ausbaus am Land als Festnetz-Maßnahme überholt sei, fügte der für die Finanzen zuständige CFO Stefan Gross hinzu. Der derzeitigen Regierung gestand das T-Mobile-Führungsteam zumindest zu, das Thema Digitalisierung erstmals wirklich ernst zu nehmen und lobte die entsprechenden im Regierungsprogramm festgelegten Maßnahmen und Absichtserklärungen.

Kampf um Privatkunden

Im Privatkundensegment kam T-Mobile zuletzt durch virtuelle Anbieter wie das im eigenen Netz befindliche Hofer-Angebot HoT unter Druck. Bereits auf dem Mobile World Congress wurde ein neuer SIM-only-Tarif vorgestellt, mit dem Einheiten je nach User-Wunsch als Telefonieminuten, SMS oder Megabyte verbraucht werden können. Standardmäßig sind 4000 Einheiten um 10 Euro vorgesehen.

Das Einführungsangebot mit 15000 Einheiten (also bis zu 15 GB Daten) für 15 Euro bezeichnete die Produktverantwortliche Maria Zesch als tatsächlich kurzfristiges Angebot. "Die Gefahr des Preiskampfes und Preisverfalles ist im österreichischen Markt immer gegeben. Das muss man daher im Auge behalten", meinte auch T-Mobile-Chef Bierwirth auf Nachfrage der futurezone. Die ab Mitte 2017 wegfallenden Roaming-Gebühren bzw. die anfallenden Kosten für roamende österreichische Kunden im Ausland müssten zusätzlich kompensiert werden.

HoT-SIM-Karten miteingerechnet

Ein kurioses Detail offenbarte der Konzern erst auf Nachfrage von Journalisten bei der Bilanzpressekonferenz. So sei die Zahl der SIM-Karten im Jahr 2016 um sechs Prozent auf 4,6 Millionen gestiegen, hieß es. Offenbar werden in diese Zahl neben den Telering-Kunden aber auch alle HoT-SIM-Karten miteingerechnet, weil der Diskont-Anbieter sich ins T-Mobile-Netz eingemietet hat.

"Ehrlich gesagt interessieren mich SIM-Karten wenig. Relevant ist für mich, wie sich der Umsatz entwickelt", kommentierte Zesch auf Nachfrage der futurezone. Dass man als Marke T-Mobile im vergangenen Jahr Kunden verloren haben könnte, verneinte Zesch mit Hinweis auf die neuen Router-Breitband-Kunden.