Aufstieg

Tim Cook: So tickt der neue Apple-Chef

Diszipliniert, routiniert und kompetent. Wer Apple-Mitarbeiter nach dem neuen CEO Tim Cook fragt, wird diese drei Attribute zu hören bekommen. Seit 1998 ist der 50-Jährige bei Apple tätig, seitdem hat er sich mit Fleiß und Einsatz hochgearbeitet. „Er ist der beste Neuzugang, den ich jemals engagiert habe“, sagte Jobs vor Jahren über seinen loyalen Weggefährten. Jetzt hat er ihn dem Vorstand als Nachfolger mit Nachdruck

.

Routinierter Manager
Cook mag bei öffentlichen Auftritten unspektakulär und zurückhaltend wirken, auch visionäre Ansichten werden ihm von Kritikern abgesprochen. Seine Talente im Managen sind hingegen hoch gelobt. Es gibt kaum jemanden, der das Tagesgeschäft eines Milliarden-Konzerns so koordiniert und effizient führt. Cook studierte Ingenieurswesen und Betriebswirtschaft. Vor seinem Apple-Engagement arbeitete er bei Compaq und IBM und sammelte früh Erfahrungen als Logistiker. Seine Aufgabe war, neue Geräte zeitgerecht und in ausreichender Stückzahl dorthin zu liefern, wo sie gebraucht werden.

Im Laufe der Jahre hat sich sein Aufgabengebiet konstant ausgeweitet. Er war verantwortlich für den Verkauf, das Inventar, Service und Support. Cook war es auch, der die Apple Stores initiierte und die Produktion der Hardware nach China auslagerte. Seit 2007 ist er Chief Operation Officer und sorgt seitdem als Rückgrat des Konzerns dafür, dass alles rund läuft; Eine Aufgabe, die er blendend meistert und die ihm 2010 ein Einkommen von 60 Millionen US-Dollar - der Großteil davon in Aktien - bescherte.

Das Rechengenie hinter iPod und iPhone
Der wirtschaftliche Erfolg von iPod, iPhone und iPad ist überwiegend Cooks Leistung. Sein Arbeitseifer – er kennt keine Feiertage und fixe Freizeit, seine Energie schöpft er aus Kaffee und Energieriegeln – haben dafür gesorgt, dass sich kein Inventar anhäuft, dass die Kosten niedrig und die Verkaufspreise und somit die Margen hoch sind. Cook vertritt die Ansicht, dass alles berechnet werden kann. Innerhalb der Branche wird gemunkelt, dass es niemanden gibt, der derart gekonnt mit Excel-Tabellen umgehen kann.

Sein Charakter und Aufgabengebiet legen für Außenstehende nahe, dass er Steve Jobs kaum ähnelt. Apple-Mitarbeiter, die Cook genauso schätzen wie Jobs, berichten das Gegenteil. Der Tonfall seiner sehr melodischen Stimme mag zwar ruhig sein, die Botschaft und Vision ist jedoch die selbe. Cook ist ein Perfektionist und verlangt seinem Mitarbeiter alles ab.

Mit dem Rad auf der Überholspur
Seine Bestimmtheit schlägt sich auch in seiner spärlichen Freizeit nieder. Der US-Amerikaner aus dem Bundesstaat Alabama ist fanatischer Sportler. Er fährt exzessiv Rennrad und geht in Nationalparks wandern. Und er trägt immer bequeme Sportschuhe von Nike, in dessen Vorstand er sitzt.

Sicher in die Zukunft
Seine Erfahrung und exzellente Leistung hat Steve Jobs nun gewürdigt. Nicht der exaltierte Marketing-Chef Phil Schiller, nicht der Software-Guru Scott Forstall, das Design-Genie Jonathan Ive oder der Hardware-Chef Bob Mansfield wurden befördert; Auch weil sie so ihre wegweisende Arbeit fortsetzen können.

Tim Cook hingegen muss sich nicht umstellen. Seit Jänner und Jobs Krankenstand leitet er das Tagesgeschäft interimistisch. Davor war er bereits zweimal in der Rolle des CEO. In jener Zeit gab es keine Einbußen, sondern der Konzern wurde zum wertvollsten Konzern der Welt. Tim Cook wird  seinen Kurs fortsetzen. Mit sicherer Hand und ohne große Skandale wird der routinierte Manager den Konzern steuern. „Steve ist unersetzlich“, sagte Cook vor kurzem. Dass er unverzichtbar ist, sagte er damals nicht.

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Benjamin Sterbenz

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