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Ratgeber
04/27/2012

Tricks: So funktioniert App Store Optimierung

Auch in Österreich gibt es bereits Firmen, die allein vom Verkauf von Apps leben. Doch wie schafft man es in die Bestenlisten der App Stores und auf die Displays der Smartphone-Nutzer? Heimische Branchen-Experten geben in Sachen App Store Optimierung Nachhilfe.

von Jakob Steinschaden

Für Apples iOS-Geräte gibt es mittlerweile mehr als 600.000 Apps, in Googles Play Store sind es mehr als 450.000 Apps, und im Market Place für Windows-Handys stehen immerhin mehr als 65.000 Apps zum Download bereit. Soll heißen: Die Anfangstage, in denen Entwickler neues Gebiet betreten konnten, sind vorbei. Umso wichtiger die Frage: Wie bekommt man eine neue App in die Toplisten der Stores, wie wird man für die Nutzer auffindbar, und wie gestaltet man die Informationen rund um die App, um zum Download anzuregen?

Weil sich immer größere Teile der Internetnutzung in Apps und nicht im von Google durchsuchbaren Web abspielt, wird so genannte “App Store Optimization” (ASO) immer wichtiger - und die tickt nach anderen Regeln als die klassische Search Engine Optimization (SEO). Es gibt mit MobileDevHQ sogar ein eigenes Start-up, das ein kostenpflichtiges ASO-Tool (14 bis 99 Dollar pro Monat) anbietet. Die futurezone hat österreichische App-Spezialisten wie AllAboutApps, Tailored Apps, Mobfox und Die Socialisten zu den Grundregeln der ASO befragt.

1. Aussagekräftiges und klares Logo
“Der erste Blick fällt immer auf das Logo”, sagt Daniel Cronin von AllAboutApps. Deswegen gilt es, dieses ansprechend zu designen. Nicht zufällig hat etwa Österreichs erfolgreichstes Mobile-Start-up, Runtastic kürzlich seine App-Logos geändert, und die zuvor sehr abstrakten Symbole gegen klare Bilder (Läufer, Radfahrer, etc.) in kräftigen Farben getauscht. Denn die App muss nicht nur im App Store auf- und gefallen, sondern auch am Display des Smartphones unter den anderen Apps gut sichtbar sein, damit sie auch regelmäßig genutzt wird.

2. Die App richtig taufen
Der Name einer App kann entscheidend für die Suchergebnisse und das Nutzerinteresse in den App Stores sein.  “Man kann etwa den Slogan mit in den App-Namen nehmen”, sagt Lorenz Edtmayer von der Wiener App-Schmiede Tailored Apps. Große Marken wie Facebook oder Twitter haben das nicht nötig, wer mit einer kleinen App beginnt aber vielleicht schon. Einige Beispiele: “Doodle Jump - ACHTUNG: Höchste Ansteckungsgefahr”, “iJoule - Mobiler Gesundheitscoach” oder “Stocard - Kundenkarten App”.

3. Kurze und knackige Beschreibung
Was die App-Firmen - und die Nutzer - nicht gerne sehen bzw. lesen: Ellenlange Beschreibungstexte zu den Apps. Besser ist, diese in kurzen Sätzen zu erklären und gegebenenfalls eine Liste an Funktionen anzubieten. Außerdem gibt es eine bessere Möglichkeit, die App zu präsentieren: mit den Screenshots.

4. Die richtigen Screenshots
“Das kann ruhig so aussehen wie ein kleines Bilderbuch”, so Edtmayr von Tailored Apps. Oft würden App-Anbieter keine aussagekräftigen Screenshots anbieten und potenzielle Nutzer abschrecken. Wie sein Branchenkollege Daniel Cronin meint, könne man mit vier, fünf Screenshots eine kleine Geschichte erzählen, wie die App funktioniert.

5. Zu Bewertungen anregen - aber richtig
Um am Anfang nicht ohne Sternchen-Bewertung zu sein (das wirkt auf Nutzer negativ), kann man seinen eigenen Bekanntenkreis bitten, eine Bewertung abzugeben. Man kann die eigene App  erste Nutzer auch fragen lassen (z.B. per Pop-up), ob er eine Bewertung im App Store abgeben will, und ihm einen direkten Link dorthin anbieten. Freunde zu Fünf-Stern-Bewertungen drängen, sei aber ein Fehler, weil die Erwartungshaltung neuer Nutzer enttäuscht werden könne - und diese dann aus Frust schlechte Ratings abgeben. “Da rüttelt man am Watschenbaum”, sagt Cronin von AllAboutApps. Nichts sei schlimmer als eine App mit vielen sehr gut und sehr schlechten Bewertungen - die würde sich kaum jemand installieren.

6. Unterschiedliche Algorithmen
Wer sich eingehender mit der ASO beschäftige will, sollte wissen, dass es grundlegende Unterschiede zwischen den Algorithmen in Apples App Store und Googles Play Store gibt. Bei Apple zählt rein die Zahl der Installationen (Gerüchten zufolge werden auch Deletes eingerechnet), während das Ranking bei Android Apps neben den Installationen auch Bewertungen, und Nutzung (DAU, MAU, etc.) berücksichtigt.

7. In-App-Werbung
Mit Hilfe von Performance-Netzwerken kann man Apps ebenfalls in die Top 25 pushen. Neben den großen Angeboten von Google (AdMo) und Apple (iAd) gibt es auch kleinere Werbe-Netzwerke auf Smartphones wie etwa Mobfox aus Wien. Das Start-up von Gründer Julian Zehetmayer (die

), bietet Werbern die Möglichkeit, Anzeigen in 8000 verschiedenen Apps zu schalten. Diese kleinen Banner führen im besten Falle zu Downloads der eigenen, beworbenen App. “Pro Download zahlt man zwischen einem und fünf Dollar”, so Zehetmayer. Laut Edtmayer von Tailored Apps funktioniert In-App-Werbung besser als klassische Werbung wie ein TV-Spot, weil sie direkt am Handy stattfindet und die App-Installation nur einen Klick entfernt ist.

8. Empfehlungs-Apps
Eine weitere Möglichkeit, mehr Downloads und damit ein höheres Ranking zu bekommen, sind so genannte Discovery-Dienste - also Apps für App-Empfehlungen wie etwa Discovr Apps, Zwapp, crosswa.lk oder AppsFire. Dort gelistet zu sein, kostet teilweise Geld, oder man zahlt eine Vermittlungsgebühr, wenn ein Download stattfindet.

9. Facebook-Apps - andere Spielregeln
Eine App-Optimierung im Sinne des App Stores gibt es bei Facebook - abgesehen von der Namensgebung - nicht. “Das findet bei Facebook-Apps im Kern statt, etwa bei Wall Postings oder dem Open Graph”, sagt Facebook-Entwickler Michael Kamleitner von der Social-Media-Agentur Die Socialisten. “Es geht darum, möglichst gut an die sozialen Kanäle anzudocken.” Eine App Directory würde es nicht mehr geben, und die Suche sei ohnehin so stark personalisiert, dass sie für jeden Nutzer andere Ergebnisse bringe. Große Reichweite lässt sich erzielen, wenn man von Facebook als Timeline-App geführt wird - das ist bis dato aber nur etwa 100 Apps, darunter etwa Spotify, Pinterest, Fab oder AirBnB vergönnt.

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