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Twitter-Mitarbeiter müssen Vine zurückbringen, fürchten Entlassungen

Bei Twitter arbeiten derzeit rund 7500 Menschen. Vor der Übernahme durch Elon Musk gab es Gerüchte, dass Elon Musk die Zahl radikal senken möchte: Auf rund 2000 Mitarbeiter*innen. Nun hat der Multi-Millionär Twitter vergangene Woche übernommen, den gesamten Verwaltungsrat des Kurzbotschaftendienstes aufgelöst und sich zum alleinigen Direktor des Microbloggingdiensts gemacht.

Die neun bisherigen Direktor*innen inklusive dem bisherigen Verwaltungsratschef Bret Taylor sind gegangen worden. Auch weitere Personen aus der Führungsriege, darunter wie berichtet der bisherige CEO und Finanzchef, sind gegangen worden.

Viel Arbeit, kurze Deadlines und absolutes Chaos

Bei den verbleibenden Mitarbeiter*innen herrscht nun Angst oder Schrecken. „Es ist wie Hunger Games“, schreibt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte im Slack-Channel, der zur Kommunikation genutzt wird. Die einen üben sich in Resignation und warten einfach ab, ob sie unter den Bald-Entlassenen sind, die anderen werden mit Arbeit und Deadlines überhäuft und haben alleine über das erste Wochenende enorme Überstunden angesammelt.

Musk hat den Mitarbeiter*innen nämlich zwei Projekte aufs Aug gedrückt, die recht kurze Deadlines haben. Das eine Projekt betrifft den Abo-Dienst Blue. Der soll, wie berichtet, demnächst rund 8 US-Dollar kosten statt bisher 5 US-Dollar pro Monat und auch für den blauen Haken gelten. Nur wer binnen 90 Tagen auf Blue umstellt, soll den Haken behalten dürfen, heißt es. Die Deadline für die Änderungen hat Musk mit 7. November angesetzt.

Auch Vine soll zurückgeholt werden

Die Mitarbeiter*innen müssen außerdem die Video-App Vine zurückbringen, entweder als Standalone-Lösung, oder bereits integriert in Twitter. Sollten die Teams Deadlines nicht einhalten, werden sie als Gesamtes gefeuert, heißt es in einem Bericht von The Verge. Mitarbeiter*innen seien außerdem verunsichert, weil Musk so viele Tesla-Ingenieur*innen zu Twitter geholt holt hat, die sich jetzt praktisch im Zufallsprinzip erkundigen, wer ein „guter Coder“ sei, und wer nicht. Mitarbeiter*innen werden also gegeneinander ausgespielt und aufgehetzt.

Andere Abteilungen, die gerade nicht an konkreten Projekten arbeiten, werden von Musk dazu aufgefordert, ihm bald „irgendetwas“ zu präsentieren. Frei nach dem Motto: „Ihr seid Programmierer. Ihr wisst, was geschrieben werden muss. Macht es. Ihr befindet euch gerade in einem Veränderungsprozess.“ Der bisherige Manager für Softwareentwicklung hat sein Team zudem dazu aufgefordert, fünfmal mehr zu leisten als bisher. 

Keine weiteren Entlassungen ohne Aktienanteile mehr

Eines hat sich jedoch bisher nicht bewahrheitet: Es war kommuniziert worden, dass viele Mitarbeiter*innen noch vor dem 1. November entlassen werden, damit sich Musk bei der Abfindung den Aktienanteil spart, der in den USA oftmals Teil des Gehalts ist. Musk hatte derartige Berichte immer als "Fake" zurückgewiesen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis es - abseits der Führungsriege - weitere Entlassungen geben wird.

Was Elon Musk bereits verändert hat.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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