Sprachbefehle steuern künftig Autos

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Telekom Austria Group
11/18/2014

"Vernetzung im Auto und bei Automaten wird groß"

Automaten, die eine SMS verschicken, wenn sie leer sind, werden schon bald verbreitet sein, so Bernd Liebscher von der Telekom Austria Group im futurezone-Interview.

von Barbara Wimmer

Die Kommunikation zwischen Maschinen gehört zu den größten Wachstumsfeldern der Telekommunikationsindustrie. Analysten gehen von zweistelligen Zuwachsraten in den nächsten Jahren aus. Die Telekom Austria Group rechnet in dem Bereich mit Umsatzzuwächsen von deutlich über 100 Prozent im Jahresvergleich. Im Jahr 2011 wurde deshalb ein eigenes Kompetenzzentrum für den M2M-Bereich gegründet, das derzeit über 25 Mitarbeiter verfügt. Die futurezone traf Bernd Liebscher, Geschäftsführer der Telekom Austria Group M2M-Sparte, zum Interview.

futurezone: Wie schätzen Sie das Potenzial für Machine-2-Machine-(M2M)-Kommunikation ein?
Bernd Liebscher: Was wir momentan sehen ist, dass M2M als Enabling-Technologie quer durch alle Branchen die Entwicklungen voran treibt. Das ist wie Mitte der 1990er-Jahre, als ganz wenige Leute Handys hatten und es plötzlich immer mehr gab. Im Jahr 2000 hatte dann jeder ein Handy. Ähnliches sehen wir jetzt auch bei der M2M-Technologie, wir stehen kurz vor dem Tipping-Point. Alle Branchen sind davon betroffen. Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass man mit seinen Produkten maßgeschneiderte Lösungen bieten kann.

Wie viele SIM-Karten sind bei der Telekom Austria Group für den M2M-Bereich reserviert?
Wir haben jetzt im Konzern bereits über eine Million SIM-Karten für M2M im Einsatz. Das Wachstum liegt stabil bei 25 Prozent pro Jahr. Alleine stückmäßig ist das ein ganz interessanter Markt. Für den M2M-Anwendungsfall können wir unsere Netze, so wie sie heute sind und wie sie ohnehin gebaut werden würden, mitnutzen ohne dedizierte On-Top-Investments.Dieses Potential nutzen wir mit unserem Kompetenzzentrum Telekom Austria Group M2M, um das Wachstum so schnell wie möglich voranzutreiben.

Woher kommt das starke Wachstum?
Derzeit kommt es sehr stark aus einem Effizienzkontext. Viele Unternehmen setzen die Technologie zuerst intern ein, um für bessere Effizienz zu sorgen. Das passiert etwa im Logistik-Bereich, beim Asset-Tracking sowie beim Flottenmanagement. Da hatten wir vor kurzem einen interessanten Use-Case. Wir haben bei einem Kunden eine Lösung implementiert, um festzustellen, wo sich die Nutzfahrzeuge gerade befinden. Einige Woche, nachdem wir die Lösung eingebaut haben, wurde tatsächlich eines der Fahrzeuge gestohlen. Bei diesem Kunden hat sich der Business-Case sehr schnell gerechnet, denn das Fahrzeug konnte innerhalb kürzester Zeit mittels der verfügbaren Positionsdaten wieder gefunden werden.

Bei welchen Bereichen kann man noch Geld sparen durch Effizienzmaßnahmen?
Ein zweiter Bereich, bei dem es stark um Kosteneffizienz geht, ist das Automatengeschäft. Statt regelmäßig nachzuschauen, ob Ware zu befüllen ist, oder ob ein Automat noch funktioniert, melden die Geräte selbst, wenn sie etwas brauchen, oder wenn eine Störung vorliegt. Basierend auf diesen Daten kann die Route für die Befüller optimiert werden oder Servicetechniker in Echtzeit hingeschickt werden. Dadurch lassen sich die Ausfallzeiten der Automaten minimieren, und es kann permanent Umsatz generiert werden.

Anders als bei Smartphones müssen die SIM-Karten, die in Automaten oder anderen Maschinen stecken, aber wesentlich robuster sein. Wie unterscheiden sich die SIM-Karten für den M2M-Bereich?
Der große Unterschied ist: Wenn die SIM-Karte mal drin ist in der Maschine, muss sie einfach funktionieren. Das Betriebssystem von M2M-SIM-Karten ist robuster und haltet es problemlos aus, wenn der Strom abgedreht und wieder angedreht wird. Außerdem decken SIM-Karten für den M2M-Bereich einen erweiterten Temperaturbereich aus und zwar von minus 40 bis plus 80 Grad, in Sonderfällen bis zu plus 105 Grad. Außerdem halten diese SIM-Karten 20 Mal mehr Schreib-Lese-Zyklen aus als eine Smartphone-SIM-Karte. Ein weiteres Kriterium ist die Stoßsicherheit, wenn die SIM-Karte im Gerät verlötet wird.

Woher kommen die SIM-Karten für den M2M-Bereich?
Hier gibt es einige wenige Lieferanten im europäischen Umfeld, die bei SIM-Karten relevant sind. Bei SIM-Karten gibt es außerdem einen Prozess, der streng standardisiert ist. Die Keys werden von uns produziert und den jeweiligen Herstellern zur Einspielung innerhalb des auditierten Prozesses zur Verfügung gestellt. Somit kann sichergestellt werden, dass an der Stelle die Verschlüsselung der SIM-Karte ein Geheimnis ist, dass nur wir kennen.

Welche Branchen setzen in nächster Zeit noch verstärkt auf M2M?
Im Automotive-Bereich wird M2M großflächig eingesetzt. Viele Autohersteller beginnen jetzt bereits, die Technologie einzuführen. Zum Teil, weil sie es ohnehin schon zu Differenzierungszwecken machen mit sogenannten „Connected Drive“ Lösungen, zum Teil um das Auto einfach sexier machen, als es vorher war. Zum Teil ist der Einsatz auch rechtlich getrieben und zwar dann, wenn demnächst der E-Call umgesetzt wird, wo jedes Fahrzeug mit einem Notrufmodul ausgestattet sein muss. Man sieht aber bereits jetzt deutlich, dass die Firmen gedanklich darüber hinaus gehen.

Vom Kühlschrank, der die Milch bestellt, hört man schon seit Jahrzehnten. Aber im Heimbereich ist die Vernetzung noch nicht so präsent, wie im Industriebereich. Warum?
Viele M2M-Prozesse beginnen damit, seine eigenen Prozesse effizienter machen zu wollen. Dann kommt man drauf, dass man das bei Endkunden auch einsetzen könnte. Deshalb ist es in vielen Sektoren so, dass B2B dem B2C voraus geht. Es wurde um die Fantasie entsprechend anzuregen, schon seit vielen - viel zu langen - Jahren vom Kühlschrank gesprochen, der die Milch bestellt und der mit allen Geräten im Haus vernetzt ist. Wir sehen das momentan noch nicht kommen.

Gar nicht?
Doch, aber zum größten Teil abgegrenzte Lösungen, die einen gewissen Use-Case erfüllen. Wir sehen im Bereich Smart Home Use-Cases entstehen, die immer deutlicher werden. Die Steuerungen für Thermostate, die erkennen, ob man sich zu Hause befindet oder am Weg zur Arbeit, werden immer besser und immer einfacher nutzbar. Das wird garantiert stetiges Wachstum haben. Auch im Sicherheitsbereich mit Brand- und Wassermeldern und Heimüberwachungslösungen sehen wir großes Potential.

Was muss die Technologie leisten, wenn sie im Bereich „Connected Life“ zum Einsatz kommen soll?
Wenn Sie M2M-Technologie gut einsetzen, ist das etwas, das der Kunde nicht sieht und worüber er sich keine Gedanken machen muss. Der Kunde sollte seinen Use-Case vor Augen haben, und wie diesen die Lösung für ihn erfüllt. Er sollte sich nicht damit aufhalten müssen, etwas zu konfigurieren, die Vernetzung herzustellen, WLANs einrichten, SIM-Karten besorgen - das muss alles bereits Teil der Lösung sein. Dafür bieten wir die Technologie an, die das effizient kann.

Sicherheitsforscher warnen bereits jetzt vor sogenannten „Zombie-Kühlschränken“, die sich sicherheitstechnisch selbstständig machen und Viren herumschicken. Was tun Sie, um so etwas zu verhindern?
Einer der wichtigsten Bereiche, in denen wir tätig sind, ist der Payment-Bereich. Wir haben unter all den Providern mobile Bankomatkassen, Terminals, Anbindung von Registrierkassen. Das funktioniert seit vielen Jahren maximal zuverlässig. Wenn das in so einem heiklen Bereich wie dem Payment-Bereich reibungslos funktioniert, dann ist das ein Signal dafür, dass man das bestmögliche tut, um Datensicherheit gewährleisten zu können.

Man hat es in dem Bereich außerdem immer mit einer doppelten Security zu tun. Zum einen mit der Ende-zu-Ende-Sicherheit des Systems und der des Übertragungsnetzes. Wir können Unternehmen dabei unterstützen, bei der richtigen Architektur zur Ende-zu-Ende-Sicherheit die entsprechende Beratung machen, was alles möglich ist. Außerdem setzen wir die größtmöglichen Sicherheitslösungen im Netz ein, um entsprechend sicherzustellen, dass maximale Datensicherheit geboten werden kann. Wenn Sie Ihre Lösung klug aufsetzen, ist das Risiko auch bei Kühlschränken sehr gering.

Auch dann, wenn Unternehmen, die nicht auf Vernetzung spezialisiert sind, plötzlich mit diesen Herausforderungen konfrontiert sind?
Für Hersteller von „unconnected Products“ ist das ein großer Innovationsschritt, die Möglichkeiten, die Technologie bietet, zu nutzen. Dafür braucht die Unternehmen aber starke Partner, auf die man sich verlassen kann. Das war auch einer der Gründe, warum die Telekom Austria Group das Kompetenzzentrum für Maschinenkommunikation gegründet hat, um auf effiziente Art und Weise Unternehmen, die diesen Schritt gehen wollen, dabei zu unterstützen.

Disclaimer: Das Interview entstand im Rahmen einer Kooperation mit A1.

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