B2B 22.03.2018

Was die Übernahme von UPC durch T-Mobile für Kunden bedeutet

UPC © Bild: REUTERS / DENIS BALIBOUSE

Mögliche Folgen könnten Preiserhöhungen und eine sinkende Netzqualität sein.

Im Dezember 2017 wurde der Deal des Jahres der österreichischen Telekom-Landschaft unterzeichnet: T-Mobile übernimmt UPC Österreich für geschätzte 1,9 Milliarden Euro. In der zweiten Jahreshälfte soll der Deal, vorausgesetzt die Wettbewerbsbehörde stimmt zu, offiziell sein.

Insgesamt haben beide Firmen zusammen 6,7 Millionen Kunden. Für die soll sich vorerst nichts ändern, so UPC im Dezember. T-Mobile ist zuversichtlicher und spricht in einer Aussendung von Dezember von „klaren Vorteilen“ für Kunden und dem „Sparen von Kosten“ durch Bündelangebote.

Höhere Preise

Einigen Analysten zufolge könnten diese Vorteile aber nur kurzfristig sein. Bei früheren Zusammenschlüssen großer Player habe sich gezeigt, dass die gestärkte Marktposition genutzt wurde, um Preise zu erhöhen – schließlich gibt es weniger Konkurrenz, zu der Kunden wechseln können.

Im Fall von UPC und T-Mobile handelt es sich aber nicht um direkte Konkurrenten, da das Kerngeschäft von UPC das Festnetz-Internet und -Fernsehen ist, während T-Mobile Großteils im Mobilfunkbereich tätig ist. Allerdings gibt es Studien, laut denen die Wechselbereitschaft von Kunden, die mehrere Produkte eines Anbieters beziehen, um 30 bis 40 Prozent geringer ist, als die von Kunden, die nur ein Produkt nutzen. Würde T-Mobile den Preis für ein T-Mobile-UPC-Kombi-Paket anheben, ist es demnach unwahrscheinlicher, dass die Kunden zur Konkurrenz wechseln, als wenn nur der Preis für ein UPC-Breitband-Angebot angehoben wird.

Angriff auf A1

Von dieser Wechselunwilligkeit der Kunden profitiert der zurzeit einzige echte Komplettanbieter: A1. A1 bietet Fernsehen, Festnetz-Internet und Mobilfunk an, mit Rabatten, wenn Tarife kombiniert werden. Analysten gehen deshalb davon aus, dass A1 als am stärksten den Druck durch den neuen Komplettanbieter T-Mobile/UPC spüren wird. Denn bisher gab es eben nur A1 als echten All-in-One-Provider.

UPC hat zwar ein Mobilfunkangebot, das ist aber nur ein virtueller Provider (im Netz von Drei und T-Mobile). Ein Kombi-Paket mit einem „echten“ Mobilfunker wie T-Mobile dürfte deutlich mehr Kunden locken. Sollte also A1 die Preise erhöhen, wandern Kombi-Kunden möglicherweise zu T-Mobile/UPC ab. „Ob es wirklich zu einer Preisschlacht kommt hängt davon ab, wie aggressiv T-Mobile versuchen wird Marktanteile zu gewinnen und Kunden von A1 abzuziehen“ sagt Analyst Karim Taga von Arthur D. Little.

„Preise entstehen nicht in Buchhaltungsabteilungen, sondern am Markt, und hier ist der Wettbewerb in Österreich bekanntlich sehr stark“, sagt Helmut Spudich, Unternehmenssprecher von T-Mobile und deutet damit einen bevorstehenden Preiskampf an. Welche Kombi-Produkte man anbieten werde, könne man erst nach Abschluss der Übernahme sagen.

Für Endkunden wäre ein Preiskampf zu begrüßen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass es durch eine Marktkonzentration eher zu Preissteigerung kommt. Es könnte durchaus sein, dass bei der nächsten Preissteigerung von A1 für Festnetz- und Heim-4G-Internet, T-Mobile/UPC mitgeht und auch die Preise erhöht. Denn wohin sollen die Kunden noch wechseln?

Auftritt Drei

Der „lachende Dritte“ könnte in diesem Fall Drei sein. Der Mobilfunkanbieter hat 2017 Tele2 gekauft, das Festnetz-Internet, -Telefonie und TV anbietet. Bisher gibt es zwar noch keine Kombi-Produkte, diese sind aber angedacht. „Wir haben uns auf die zunehmende Konvergenz von Mobilfunk und Festnetz vorbereitet. Bereits in den nächsten Monaten werden wir erste Hybrid-Angebote österreichweit auf den Markt bringen“, so Tom Tesch, Pressesprecher von Drei.

Laut Taga könnte es schwer werden für Drei. Mit dem Zukauf von Tele2 sei in erster Linie der Businesskunden-Markt gestärkt worden. Um das Festnetz-Internet für Heimkunden voranzutreiben und österreichweit anbieten zu können, würde Drei/Tele2 vermutlich teilweise auf die Infrastruktur von A1 oder T-Mobile/UPC zurückgreifen müssen: „Da könnte es regulatorischen Bedarf geben“, so Taga.

Laut Drei hat man durch den Zukauf von Tele2 einen Markanteil von 24 Prozent am Festnetz-Gesamtmarkt (Festnetz-Internet und Telefonie). Laut der Regulierungsbehörde RTR ist A1 beim Festnetz-Internet auf Platz eins, gefolgt von UPC. Genaue Marktanteile könne man nicht nennen und verweist auf die Hersteller. A1 und UPC wollten auf Nachfrage der futurezone keine Marktanteile bekannt geben. Beim mobilen Breitband ist laut der RTR A1 auf Platz eins, T-Mobile und Drei kämpfen um Platz zwei. Laut Drei ist man allerdings mit 39 Prozent Marktführer in Österreich.

Kaputtgespartes Netz

Eine Befürchtung, die in Zusammenhang mit den Übernahmen von Providern oft fällt, ist das „Kaputtsparen“ eines Netzes. Die Annahme ist, dass der neue Besitzer den Kaufpreis möglichst schnell wieder reinbekommen will, indem der Gewinn durch Einsparungen im zugekauften Unternehmen erhöht wird. „Eine solche Sorge ist unbegründet. Das rasante Datenwachstum erlaubt es nicht, bei der Netzqualität nachzulassen, das würde der harte Wettbewerb in Österreich sofort mit dem Verlust von Kunden bestrafen. Wir werden in die bestehenden Infrastrukturen kräftig weiter investieren“ so Spudich.

Taga bestätigt diese Aussage: „UPC ist ohnehin sehr stabil und hat in den vergangenen Jahren nur wenig ausgebaut. T-Mobile hat kein Interesse daran, das zu stoppen, da das Netz für 5G genutzt werden soll.“ Sollte das UPC-Netz wider erwartend nicht weiter ausgebaut werden, heißt das zusätzliche Belastung für die Infrastruktur und demnach möglicherweise geringere Leistung für die Bestandskunden. T-Mobile ist sich dessen bewusst: „Unser geschäftlicher Erfolg beruht auf einem starken Netz, jede Vernachlässigung würde dies gefährden“, so Unternehmenssprecher Spudich.

Service und Mitarbeiter

Wenn gespart wird, passiert das oft zuerst bei den Mitarbeitern. Würden Mitarbeiter bei UPC oder T-Mobile gekündigt, könnte darunter der Service für die Kunden leiden. Laut der UPC-Aussendung von Dezember 2017 übernimmt T-Mobile alle 1.000 Mitarbeiter.

„Es gibt bei Übernahmen immer Funktionen die überlappen und verdichtet werden können. In diesem Fall könnte das im Call Center oder Vertrieb sein. Die Kündigungen findet üblicherweise nicht unmittelbar statt, aber nach der in der Konsolidierungsvereinbarung festgelegten Frist“, sagt Taga. T-Mobile sagt dazu: „Welche einzelnen Bereiche sich hier möglicherweise doppeln, können wir erst nach der Genehmigung und der tatsächlichen Übernahme sagen.“

Wie es weitergeht

Laut T-Mobile und UPC soll der Merger in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Doch bevor es soweit ist, muss die Übernahme erst genehmigt werden. Aufgrund der Umsatzschwelle ist dafür nicht die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), sondern die Wettbewerbsbehörde der europäischen Kommission zuständig. Die nötigen Unterlagen sollen in den nächsten Wochen eingereicht werden.

Ist das erledigt, wird die Kommission die BWB einbinden. Konkurrenzunternehmen haben dann die Gelegenheit, offiziell Bedenken zu äußern. Ob der Merger genehmigt wird oder es Probleme gibt, hängt laut der BWB davon ab, wie die europäische Kommission die Marktabgrenzung festlegt. Wird UPC strikt als Festnetz-Betreiber und T-Mobile als Mobilfunkbetreiber gesehen, könnte es keine Auflagen geben.

Virtuelle Anbieter

Werden aber beispielsweise beide als Internet-Provider bzw. Kommunikations-Provider klassifiziert, könnte es Auflagen geben, ähnlich wie damals beim Kauf von Orange durch Drei. Über die Art solcher Auflagen kann nur spekuliert werden. Es wäre denkbar, dass gefordert wird, dass UPC sein Netz für virtuelle Betreiber freigeben muss, ähnlich wie es Drei im Zuge des Orange-Deals machen musste. „Dies wurde auch in den Niederlanden und Belgien versucht, allerdings ohne Erfolg“, sagt Taga.

Sollte es in Österreich dennoch dazu kommen, könnten künftig Diskont-Anbieter für Festnetz-Internet im Glasfasernetz von UPC unterwegs sein. Sollten dadurch neue Kunden ins UPC-Netz kommen, etwa von A1 oder solche die zuvor LTE/4G-Internet für zuhause genutzt haben, könnte sich dies negativ auf die Netz-Performance auswirken, falls es nicht zusätzlich ausgebaut wird. T-Mobile rechnet jedenfalls damit, dass der Deal genehmigt wird. Zu möglichen Auflagen sagt der Mobilfunker nichts.

Vertrag kündigen

Ob UPC-Kunden durch die Übernahme von T-Mobile ein Sonderkündigungsrecht erhalten, ist noch nicht bekannt. Dies ist für Vertragsänderungen vorgesehen, die „nicht ausschließlich begünstigende Änderungen“ enthalten. „Aufgrund der Pressemeldung von UPC gehen wir davon aus, dass es sich um eine Gesamtrechtsnachfolge handeln wird. In diesem Falle gibt es für Kunden das Sonderkündigungsrecht bei nicht ausschließlich begünstigenden Vertragsänderungen“, sagt Marlies Leisentritt vom Verein für Konsumentenschutzinformation: „Wenn es sich um eine Einzelrechtsnachfolge handeln würde, gäbe es für Kunden zusätzlich noch ein Widerspruchsrecht gegen die Vertragsübernahme.“

Auch ist noch nicht ganz klar, wie sich die ab Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutzgrundverordnung auf die Übernahme auswirken wird. Da T-Mobile künftig die Daten der UPC-Kunden verarbeitet, müssen diese dem voraussichtlich aktiv zustimmen. Stimmt der Kunde nicht zu, wird womöglich der bestehende Vertrag beendet.

Offen ist derzeit auch, ob UPC als eigene Marke erhalten bleibt. Taga rechnet nicht damit: „T-Mobile muss zahlen, wenn sie Marke weiterverwenden wollen. Wieso sollten sie das tun wollen? Meistens kauft man die Marke nur für eine bestimmte Zeit ein. Wie schnell die Marke verschwindet, hängt davon ab, wie schnell sich die Bestandskunden mit der neuen Marke, bei der sie jetzt sind, wohlfühlen.“ T-Mobile sagt dazu: „Wie die Zukunft der Marken gestaltet wird können wir erst nach Genehmigung sagen.“

( futurezone ) Erstellt am 22.03.2018