B2B 05.02.2018

Wie Gewinne aus Kryptowährungen zu besteuern sind

Wie Gewinne aus Kryptowährungen zu besteuern sind
© APA/AFP/JACK GUEZ

Was muss versteuert werden, was gilt als Bemessungsgrundlage, ab wann gilt gewerbliches Traden und wie sieht es mit Mining aus? Antworten auf Steuerfragen.

Wer virtuelle Währungen im Privatvermögen erwirbt und diese später gewinnbringend wieder veräußert, muss unter gewissen Voraussetzungen seine Gewinne besteuern. "Vergeht zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als ein Jahr und zwar von Tag zu Tag gerechnet, müssen die Gewinne besteuert werden", erklärt Natalie Enzinger, die sich mit ihrer Kanzlei Enzinger Steuerberatung auf die Besteuerung von Kryptowährungen spezialisiert hat. Etwaige steuerpflichtige Gewinne müssen dabei in die Einkommensteuererklärung aufgenommen und der Besteuerung zum Einkommensteuertarif unterzogen werden.

"Dasselbe gilt auch, wenn man seine Kryptowährung nicht gegen Euro wechselt, sondern sie als Zahlungsmittel für eine Ware verwendet oder sie gegen eine andere Kryptowährung tauscht", sagt Enzinger im Gespräch mit der futurezone.

Muss ich also alle Trades auf Exchanges versteuern?
Ja, denn beim Tausch von Kryptowährungen liegt eine Veräußerung der getauschten Kryptowährung und eine Anschaffung der neu erworbenen Kryptowährung vor. Voraussetzung ist wiederum, dass die getauschten Kryptowährungsbestände kürzer als ein Jahr gehalten werden.

Beim Trading sind die entsprechenden Anschaffungskosten und Veräußerungserlöse in Euro festzuhalten. "Als Kurs für die Umrechnung in Euro wird man in der Regel die Kurse der verwendeten Kryptobörsen heranziehen können", sagt Enzinger.

Wie müssen die Trades dokumentiert werden?
"Zur Erfüllung der Dokumentationspflicht ist es jedenfalls notwendig, dass für alle Transaktionen (Trades, Deposits und Withdrawals auf den Exchanges sowie auch alle Transaktionen zwischen persönlichen Wallet-Adressen auf denen Kryptowährungen verwaltet werden) Nachweise aufbewahrt werden", erklärt Enzinger. Bei den meisten Krypto-Börsen kann man sich dafür die Transaktionshistorie als CSV-Datei exportieren. Diese sollte gemeinsam mit Screenshots der Börsentransaktionen in der Regel als Dokumentation ausreichen.

Bei fehlendem Nachweis, bei Nichterfüllung der Dokumentationspflicht oder sollte die Exchange insolvent werden, sodass auf die Transaktionen nicht mehr zugegriffen werden kann, ist die Finanzbehörde zu einer Schätzung der Einkünfte berechtigt.

Was ist mit Transaktions-Gebühren?
"Transaktionskosten und auch Gebühren für die Nutzung von Kryptobörsen können als Werbungskosten deklariert werden", sagt Enzinger. Daher gilt als Bemessungsgrundlage für steuerpflichtige Einkünfte aus Spekulationsgeschäften die Gewinne beziehungsweise Verluste abzüglich derartiger Gebühren.

Gibt es eine Freigrenze?
Für steuerpflichtige Spekulationseinkünfte gibt es eine Freigrenze von 440 Euro pro Kalenderjahr. Macht also jemand weniger Gewinn als diese 440 Euro, müssen die Einkünfte nicht versteuert werden.

Was tun bei Verlust?
Im Falle einer Veräußerung mit Verlust, können diese Verluste nur mit anderen Einkünften aus Spekulationsgeschäften, etwa Gewinne aus den Verkauf anderer Kryptowährungsbestände, innerhalb des Kalenderjahres verrechnet werden. Eine Verlustverrechnung mit anderen Einkünften, beispielsweise mit Einkünften aus nicht selbständiger Arbeit, ist nicht möglich.

Wann beginnt gewerbliches Traden mit Kryptowährungen?
"Eine Gewerblichkeit ist gegeben, wenn gewisse Indizien für gewerbliches Handeln sprechen", sagt Enzinger. Beispielsweise wenn man nicht nur für sich selber, sondern auch für andere Leute mit Kryptowährungen handelt; oder wenn man zum Traden im erheblichen Umfang Fremdkapital aufnimmt. Beim gewerblichen Traden gilt dann für natürliche Personen auch die Einkommenssteuer, erklärt Enzinger. "Allerdings fällt dann die Haltefrist von einem Jahr weg. Das heißt, dass immer alle Trades besteuert werden müssen, auch dann wenn virtuelle Währungen länger als ein Jahr gehalten werden."

Was ist der Unterschied zwischen Einkommensteuer und Spekulationssteuer?
Immer wieder geistert durch Online-Foren und Facebook-Pages, dass es eine Spekulationssteuer gäbe. Allerdings: "Eine Spekulationssteuer an sich gibt es nicht. Es gibt nur eine Einkommenssteuer auf steuerpflichtige Einkünfte aus Spekulationsgeschäften", stellt Enzinger klar.

Wann müssen die Gewinne gemeldet werden?
Steuerpflichtige Gewinne sind in der Einkommensteuererklärung zu deklarieren. "Die Abgabe der Einkommensteuererklärung hat ohne Steuerberater bis zum 30. Juni des Folgejahres elektronisch über FinanzOnline zu erfolgen", erklärt Enzinger.

Was passiert, wenn ich dem Finanzamt nichts melde?
Die Nichterfüllung der Erklärungs- und Offenlegungspflicht kann den Tatbestand der Abgabenhinterziehung erfüllen und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Wie kann mir das Finanzamt überhaupt draufkommen, dass ich mit Kryptowährungen Geld verdient habe?
"Wird die 'Kryptowelt' nicht verlassen, also kein Tausch gegen konventionelle Währungen vorgenommen, so scheint die Durchsetzung des Besteuerungsanspruches derzeit noch von der Steuerehrlichkeit der Bürger abzuhängen", sagt Enzinger. Es sei allerdings damit zu rechnen, dass Finanzbehörden künftig verschiedene Möglichkeiten entwickeln, um derartige Steuerhinterziehung aufzudecken. Immerhin sind Transaktionen in der Blockchain auf ewig nachvollziehbar.

... und wenn ich meine Kryptowährungen in Euro umwechsle?
"Personen, die ihre Kryptowährungen in konventionelle Währungen wechseln wollen, müssen sich rechtzeitig darauf vorbereiten, dass Fragen von der Finanzverwaltung zum plötzlichen Vermögenszuwachs gestellt werden", warnt Enzinger. Auch Banken verlangen aufgrund der Geldwäschebestimmungen einen Nachweis über die ordnungsgemäße Besteuerung.

Was ist in Zukunft bei der steuerlichen Behandlung von Kryptowährungen zu erwarten?
Über kurz oder lang istnicht auszuschließen, dass für Händler und Exchanges eine Art Meldepflicht auf EU-Ebene eingeführt wird, schätzt Enzinger: "Jeder der mit Kryptowährungen Einkünfte erzielt, sollte schon jetzt alle steuerlichen Vorschriften beachten. Denn eine Überprüfung durch die Finanzbehörde ist auch rückwirkend möglich."

Wie wird Mining steuerlich behandelt?
Grundsätzlich stellt das Mining von Kryptowährungen eine gewerbliche Tätigkeit dar. "Meines Erachtens muss hier aber unterschieden werden, wie das Mining betrieben wird. Ein Miner, der mit eigener Hardware das Mining selbständig mit Unternehmerrisiko betreibt und Gewinne erwirtschaftet, wird eine gewerbliche Tätigkeit begründen. Wird das Mining als natürliche Person betrieben, unterliegen Gewinne der Einkommensteuer", erklärt Enzinger.

"Beim 'Cloud-Mining' kann meines Erachtens nicht von einer gewerblichen Tätigkeit ausgegangen werden, weil hier in der Regel bloß eine Kapitalhingabe bzw ein Erwerb von Kryptowährungsbestände vorliegt." Die Miningerträge aus dem Cloud-Mining sind dann entweder als Sonstige Einkünfte (Einkünfte aus Leistungen) oder unter gewissen Voraussetzungen als Einkünfte aus Spekulationsgeschäfte (sofern die Jahresfrist nicht abgelaufen ist) zu besteuern, erklärt Enzinger.

(futurezone) Erstellt am 05.02.2018