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B2B
12/18/2013

Wie viel Österreich steckt in einem Smartphone?

Von Leiterplatten über NFC-Komponenten und Miniaturlautsprechern bis hin zu Sensoren und Werkstoffen – wesentliche Bestandteile von Mobiltelefonen sind “Made in Austria”.

Smartphones bestehen aus hunderten von Einzelteilen. Wer sich Gedanken darüber macht, woher die einzelnen Komponenten stammen und wo sie entwickelt wurden, denkt vielleicht als erstes an das Silicon Valley, an Südkorea, Taiwan oder an sonstige Regionen, die gern mit Hochtechnologie in Verbindung gebracht werden.

Dass Österreich einen nicht unerheblichen Beitrag zur Herstellung von Smartphones und Tablets leistet, kommt vermutlich wenigen in den Sinn.

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Leiterplatten Made in Austria

Ein Herzstück für mobile Geräte kommt aus der Steiermark. Genauer gesagt: Leiterplatten von AT&S mit Hauptsitz in Leoben, Europas größter Leiterplattenhersteller. AT&S beliefert acht der zehn größten Hersteller von Mobiltelefonen mit Leiterplatten. Welche Modelle genau mit AT&S-Leiterplatten bestückt sind, ist ein gut gehütetes Geheimnis und darf aus Vertraulichkeitsgründen nicht verraten werden. Produkte von AT&S befinden sich aber nicht nur in mobilen Geräten, sondern auch in Fahrzeugen, Kamerasystemen, Navigationssystemen, Flugzeugen und medizinischen Geräten.

Gefertigt werden die Leiterplatten in Shanghai, wo jährlich 710.000 Quadratmeter Leiterplatten produziert werden. Das entspricht ungefähr 160 Millionen Stück. “74 Prozent des Umsatzvolumens von AT&S werden in Asien gemacht”, erklärt Heinz Moitzi, CTO von AT&S.

Am Standort in Österreich wird vor allem die Forschungs- und Entwicklungsarbeit betrieben. Produktionsstätten befinden sich in Österreich, China, Indien und Korea. Das Designzentrum ist in Deutschland angesiedelt und das Verkaufsnetzwerk umspannt vier Kontinente. Die AT&S Group beschäftigt weltweit mehr als 7300 Mitarbeiter. Im vergangenen Halbjahr konnte das Unternehmen das Betriebsergebnis von 8,5 auf 30,6 Millionen Euro steigern.

Im Juni dieses Jahres wurde bekannt gegeben, dass sich Intel, der führende US-Halbleiterlieferant AT&S als Partner an Bord geholt hat. Gemeinsam wird man das zukunftsweisende und vielversprechende Marktsegment der IC-Substrate bedienen. “Das ist eine Jahrhundertchance für uns“, so AT&S-CEO Andreas Gerstenmayer anlässlich der Kooperationsbekanntgabe.

IC-Substrate dienen der Verbindung von Halbleitern und Leiterplatten. Sie machen die Erzeugnisse nicht nur kleiner, sondern auch um ein Vielfaches feiner und werden vor allem in mobilen Endgeräten eingesetzt. Auch beim künftigen “Internet der Dinge” wird die neue Verbindungstechnologie eine gewichtige Rolle spielen. “IC-Subrate sind ein in Asien entstandenes Marktsegment. Durch jahrelange Erfahrung und durch die Zusammenarbeit mit Intel haben wir hier einen Wettbewerbsvorsprung, sodass wir uns trauen gegen die asiatischen Mitbewerber in den Ring zu steigen”, sagt AT&S CTO Moitzi der futurezone.

NFC - Innovation aus Österreich

Nur eine halbstündige Autofahrt von AT&S entfernt, befindet sich der Österreich-Standort des niederländischen Unternehmens NXP Semiconductors. Im steirischen Gratkorn wurden wesentliche Teile der NFC-Technologie entwickelt: “Mit Fug und Recht kann man NFC als österreichische Erfindung bezeichnen. Exakterweise eine gemeinsame Erfindung von NXP und Sony, wobei NXP federführend bei Markteinführung war”, heißt es von NXP.

Die in Gratkorn entwickelten NFC-ICs werden hauptsächlich in Smartphones und Tablets, sowie in den dazugehörigen Schreib- und Lesegeräten verbaut. Derzeit sind NFC-Komponenten von NXP in mehr als 150 Endgeräten enthalten und über 90 Prozent der NFC-fähigen Mobiltelefone beinhalten NXP-Produkte. Welche das genau sind, darf aus Vertraulichkeitsgründen nicht explizit genannt werden.

Neben NFC-ICs kommen NXP-Produkte in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz; vor allem in den Bereichen Automobilelektronik, Identifikationslösungen, Wireless-Infrastrukturen, Beleuchtung, Industrie, Mobil- und Unterhaltungselektronik sowie Computertechnologie. Die zehn größten Kunden für das NXP-Produktportfolio sind Apple, Bosch, Continental, Delphi, Giesecke & Devrient, Harman/Becker, Huawei, Nokia, Samsung und ZTE. So stammt beispielsweise der M7-Co-Prozessor des iPhone 5S von NXP.

Der Standort in der Steiermark ist innerhalb von NXP das globale Kompetenzzentrum für sichere kontaktlose Identifikationssysteme. Dort arbeiten etwa 400 Mitarbeiter vorwiegend in den Bereichen Forschung und Entwicklung, sowie Marketing und technische Kundenunterstützung. NXP Gratkorn entwickelt die gesamte Bandbreite von funkbasierten Halbleitern für RFID, Smart Labels bzw. Smart Tags, Smart Cards, NFC und MIFARE. Insgesamt hat NXP Niederlassungen in mehr als 25 Ländern und erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 4,36 Milliarden US-Dollar.

Ein Hoffnungsmarkt für NXP ist die Vernetzung von Fahrzeugen. Gemeinsam mit Cisco und dem australischen Unternehmen Cohda Wireless hat NXP erst kürzlich einen Chip entwickelt, der die Kommunikation zwischen Fahrzeugen ermöglicht. So sollen sich Autos gegenseitig vor Staus warnen und Informationen über Gefahrenstellen austauschen.

Miniaturlautsprecher kommen aus Wien

Knowles Sound Solutions aus Wien ist der Weltmarkt- und Technologieführer bei Miniaturlautsprechern für Mobiltelefone, Tablets und Ultrabooks. Diese miniaturisierten Akustiklösungen sorgen für einwandfreien Klang beim Telefonieren und Abspielen von Musik und Videos. Die namhaftesten Handyhersteller setzen bei ihren Produkten auf Lautsprecher aus Österreich. Details dürfen aus Geheimhaltungsgründen nicht verraten werden.

Seit 1929 ist der Standort Wien im Bereich Akustikprodukte tätig, seither wurden hier die weltweit jeweils kleinsten, flachsten sowie die ersten rechteckigen Handylautsprecher entwickelt und hergestellt. Der Standort in Österreich ist das Kompetenzzentrum für die Miniaturlautsprecher.

Der globale Konzern Knowles Electronics mit Hauptsitz im Großraum von Chicago, zu dem die Lautsprechersparte seit 2011 gehört, ist Weltmarktführer für MEMS-Miniaturmikrofone. Damit ist Knowles ein global führender Komplettanbieter für mikro-akustische Lösungen.

Sensoren aus der Steiermark

Lichtsensoren, Lösungen für Beleuchtungs- und Stromversorgungsmanagement, sowie Active Noise Cancellation kommen ebenso aus der Steiermark. Die ams AG mit Hauptsitz in Österreich beliefert acht der Top-Zehn-Smartphone-Hersteller mit Sensoren; darunter auch Samsung. Vier der fünf führenden Handyhersteller nutzen das österreichische Know-how für Lichteffekte und Beleuchtungsmanagement, das die Produktion leistungsfähiger Mobiltelefone mit deutlich verbesserter Akkuleistung ermöglicht. Forschung, Entwicklung und Produktion kommen direkt aus der Steiermark.

Das Produktportfolio von ams umfasst Sensoren, Sensorschnittstellen, Power Management-ICs und Wireless-ICs für Kunden in den Märkten Consumer, Industrie, Medizintechnik, Mobilkommunikation und Automotive. 2012 hat das Unternehmen 1,2 Milliarden Mikrofonschnittstellen und weit über 100 Millionen Lichtsensoren verkauft. Weltweit beschäftigt ams über 1300 Mitarbeiter, 850 davon in der Zentrale in Österreich. 2012 lag der Konzernumsatz bei 387,6 Millionen.

Elementare Teile stammen aus Tirol

Die Plansee Group mit Hauptsitz in Reutte im Tiroler Außerfern beliefert Hersteller mit Beschichtungswerkstoffen, die beispielsweise für das Funktionieren von Displays unerlässlich sind.

Die einzelnen Bildpunkte im LCD-Bildschirm werden über Dünnfilmtransistoren angesteuert. Jeder Bildpunkt besteht aus drei solcher Transistoren. Sie regeln, ob pro Pixel rotes, grünes oder blaues Licht durchgelassen wird. Ein Dünnfilmtransistor besteht aus dünnen Schichten, die in einem mehrstufigen Beschichtungsprozess aufgebracht und strukturiert werden. Dafür liefert die Plansee Group die Beschichtungswerkstoffe Molybdän und Wolfram.

Daneben kommt noch eine ganze Reihe elementarer Teile vom Tiroler Unternehmen: Anlagenbauteile für die Herstellung von Halbleiterschichten, Molybdän-Kupfer-Scheiben zur Wärmeabfuhr bei der LED-Beleuchtung und Anlagenbauteile für die Ionenimplantation, dem wichtigsten Produktionsschritt bei der Halbleiterherstellung.

Mit Produktionsstandorten in zehn Ländern weltweit beschäftigt die Plansee Group mehr als 5700 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2012/2013 konnte das Unternehmen einen Umsatz in der Höhe von 1,23 Milliarden Euro erwirtschaften.

Technikstandort Österreich

Der Sektor Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) spielt in der österreichischen Wirtschaft eine wesentliche Rolle. IKT-Unternehmen produzierten 2009 Produkte, Systeme, Komponenten und Dienstleistungen im Wert von rund 17 Milliarden Euro. Laut Hochrechnungen stieg der Produktionswert in den Jahren 2008 bis 2011 um 6,33 Prozent auf etwa 19 Milliarden Euro. Gesamtwirtschaftlich hängt ein Produktionswert von 31 Milliarden Euro bzw. eine Wertschöpfung von 15 Milliarden Euro direkt, indirekt und induziert von den Unternehmen des österreichischen IKT-Sektors ab. 226.290 Menschen bietet die IKT-Branche einen Arbeitsplatz in Österreich.

Der Schlüssel für eine positive Wirtschaftsentwicklung liege in der Förderung von Innovationen, denn “jeder Euro, der in Forschung und Entwicklung investiert wird, schafft ein Vielfaches an Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in Österreich”, erklärt Lothar Roitner, Geschäftsführer des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) und rechnet vor: "Wenn ein Arbeitsplatz durch die öffentliche Hand gefördert wird, so ergänzen die IKT-Unternehmen diesen um vier Arbeitsplätze, um ein Projektteam zu formen. Somit entstehen fünf Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung."

Das ist aber noch nicht alles: "Die gewonnenen Forschungsergebnisse werden anschließend in der Hochtechnologieproduktion von zehn zusätzlichen Personen umgesetzt, sodass ein Vorprodukt entsteht. Im Rahmen dieses Entwicklungsprozesses werden Wissen und Vorprodukte generiert, die den Ausgangspunkt für weitere Produkte anderer Branchen darstellen." Das Fazit: "Auf Basis der ursprünglichen Forschungsförderung eines Arbeitsplatzes entstehen - im Zuge der weiteren Wertschöpfungskette - durch die vermehrte Investition der Privatwirtschaft zusätzliche 500 Arbeitsplätze in Europa."