Hat die grafische Oberfläche der ersten Macintosh-Computer mitentwickelt: Bruce Horn

© Jacqueline Godany / Jacqueline Godany

B2B
10/14/2019

"Wir müssen mit künstlicher Intelligenz neu beginnen"

Im Wiener Start-up-Zentrum weXelerate diskutierten Technologie-Vordenker mit Vertretern heimischer Unternehmen.

von Patrick Dax

„Künstliche Intelligenz ist nicht einmal im Kindheitsstadium wenn es darum geht, die Welt zu verstehen“, sagt Bruce Horn, der einst die grafische Oberfläche der ersten Apple Computer mitentwickelte. Am Montag war Horn im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Executive Bash“ im Wiener Innovationszentrum weXelerate zu Gast. Dort tauschte er sich mit Vertretern heimischer Unternehmen über die Grenzen künstlicher intelligenz aus.

Der Aufwand Systeme künstlicher Intelligenz zu trainieren sei enorm und würde viele  Ressourcen verbrauchen. Sie könnten aber allenfalls stabile Muster erkennen, soziale Zusammenhänge würden sie nicht verstehen.  Bei der Anwendung solcher Systeme würden oft auch nur Daten zusammengewürfelt und darauf vertraut, dass schon irgendetwas dabei herauskommen werde, sagt Horn. Viele Ergebnisse seien  aber nicht  nicht nachvollziehbar. Solche „Black Boxes“ dürfte es  bei Entscheidungen, die mit Menschen zu tun haben, aber nicht geben, warnte der Programmierer. “Wir müssen mit der Entwicklung intelligenter, lernender Systeme neu beginnen.“

Für neue Wege machte sich auch der zweite Gast der Veranstaltung, Instagram-Forschungsdirektor Alex Wright, stark. Wright, der bei Instagram die Interaktion mit Nutzern weiterentwickelt, erzählte von neuen sozial orientierten Geschäftsmodellen in dem Online-Netzwerk. Kommerzielle Aktivitäten würden bei Instagram, das weltweit mehr als eine Milliarde aktive Nutzer pro Monat zählt, bereits 7 Milliarden Dollar ausmachen. Getrieben würden sie von Handwerkern und Initiativen, die aus ihrer Leidenschaft einen Beruf gemacht hätten, erzählte Wright. Sie nutzen die Fotoplattform, um sich zu präsentieren und Märkte zu erschließen.

Produzierende Massen

Statt mit Massenproduktion habe man es mit den produzierenden Massen zu tun, die die Art und Weise, wie Geschäft gemacht werden, verändern. Produzenten würden sich mit Konsumenten austauschen und sie aktiv miteinbeziehen. Vielen würde es dabei  weniger um kommerziellen Gewinn, sondern um soziale Veränderungen gehen. Als Beispiel nannte er die New Yorker Initiative DriveChange, die jugendlichen Straftätern nach der Haftentlassung Arbeit in mobilen Imbissständen oder Food Trucks verschafft.

Auch Entwickler und Designer müssten  ihre Denkweise ändern, sagte der Instagram-Forscher: „Wir müssen über den Nutzer hinausdenken und auch die  langfristigen Auswirkungen  unserer Produkte und Dienste  in unsere Überlegungen miteinbeziehen.“