B2B
05/25/2017

Worauf Google bei Bewerbungen achtet

Google-Innovationschef Frederik G. Pferdt über Innovation beim Internetkonzern und darüber, welche Anforderungen Google-Mitarbeiter erfüllen müssen.

„Ich versuche Menschen Selbstvertrauen in ihre eigenen Ideen zu geben“, sagt Frederik Pferdt. Der 39-jährige gebürtige Deutsche ist bei Google für innovative und kreative Prozesse zuständig. Anfang Mai weilte Pferdt anlässlich der Verleihung des Houska-Preises in Wien und stand auch der futurezone für ein Gespräch zur Verfügung

futurezone: Ihre Berufsbezeichnung bei Google lautet „Chief Innovation Evangelist“. Was machen Sie eigentlich?
Frederik Pferdt:
Ich fördere den Erfindergeist bei Menschen. Das heißt, dass ich sie dabei unterstütze, neue Ideen nicht nur zu denken, sondern sie konkret in die Tat umzusetzen. Sie sollen mit neuen Ideen experimentieren, sie aber auch verwerfen können, wenn sie sehen, dass sie nicht den Bedürfnissen unserer Nutzer entsprechen.

Kann man Kreativität lernen?
Wir sind alle kreativ geboren. Als Kinder haben wir unseren Höhepunkt in der Kreativität, mit der Zeit verlieren wir das Vertrauen in unsere eigenen Ideen. Ich versuche, es den Menschen wiederzugeben. Dazu gehört es, große Fragen zu stellen. So entsteht ein Raum für Ideen, die vielleicht neuartig und anders sind.

Was für Fähigkeiten müssen künftige Google-Mitarbeiter haben?
Für uns ist es wichtig, dass Menschen für neue Denkweisen offen sind. Dass man Dinge bejaht und versucht, sie größer, weiter und schneller zu denken. Offenheit gepaart mit Optimismus ist eine sehr gute Voraussetzung.

Darauf achten Sie auch bei Bewerbungen?
Wir achten bei Google bei Bewerbungen auf drei Dinge. Da ist zum einen die Fähigkeit, Probleme analysieren und lösen zu können. Wir suchen auch nach dem, was wir "emergent leadership" nennen. Können die Bewerber Teams führen und - gleich wichtig - auch zurücktreten und anderen die Führung übergeben? Das Dritte ist die "Googleness". Damit beschreiben wir Menschen, die Verantwortung übernehmen und Dinge vorantreiben wollen, vielleicht mit dem Anspruch, die Welt zu verbessern.

Wie laufen Innovationsprozesse bei Google konkret ab? Gibt es dafür Muster?
Wir versuchen, Menschen zu helfen, die Perspektive zu wechseln und sich in andere hineinzuversetzen. Zu verstehen, welche unterschiedlichen Bedürfnisse Busfahrer oder Lehrer haben, ist sehr wichtig. Wir versuchen auch zehnfach zu denken. Wir wollen nicht nur kleine, wir wollen radikale Fortschritte machen. Und wir versuchen Prototypen zu entwickeln, um zu verstehen, was funktioniert und was nicht. Das wichtigste dabei ist, den Menschen nicht aus den Augen zu verlieren, denn wir wollen Dinge entwickeln, die von Milliarden von Menschen genutzt werden.

Wie wichtig ist Zusammenarbeit bei Innovationen?
Sehr wichtig, wir sehen, dass es selten den einzelnen Innovator gibt, der in seinem stillen Kämmerchen Ideen ausbrütet, sondern dass durch Zusammenarbeit sehr viel entsteht. Wir haben festgestellt, dass es nicht darauf ankommt, wer in einem Team ist, sondern wie die Menschen in dem Team kommunizieren. In Teams muss es so etwas wie psychologische Sicherheit geben. Damit die Mitarbeiter den Mut haben, Risiken einzugehen. Innovation wird auch durch Inklusion gefördert. Wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen, und jeder gleichberechtigt eine Stimme hat, können diese unterschiedlichen Perspektiven befruchtend wirken und in unglaublicher Weise Neues entstehen lassen.

Wie viele andere Tech-Unternehmen auch, bezieht Google Nutzer bei der Entwicklung von Produkten sehr früh ein. Die Datenbrille Google Glass wurde etwa sehr früh von Nutzern getestet. Zuletzt war kaum noch etwas darüber zu hören.
Google Glass war ein interessantes Experiment. Es hat auch viel damit zu tun, dass wir Ideen loslassen müssen, wenn sie nicht funktionieren. Wir haben gelernt, dass Google Glass anders genutzt wurde, als wir es geplant haben. Wir haben dann die Entscheidung getroffen, dass sie etwa für Industrieanwendungen relevant ist.

Welche Trends haben Sie momentan auf dem Radar?
Wir lassen unseren Mitarbeitern sehr großen Freiraum. Das heißt, sie können sich Zeit nehmen, Trends zu erkennen, zu erforschen und dann zu schauen, wo sich eine kritische Masse bildet. Wir sehen in maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz ein sehr großes Potenzial. Bei Google Translate haben wir im vergangenen Jahr durch die Anwendung von machine learning so viel Fortschritt gemacht, wie in zehn Jahren zuvor. Wir können jetzt 108 Sprachen übersetzen, acht davon auf menschlichem Niveau.

Wann werden Maschinen kreativ sein?
Ich möchte keine Zukunftsvisionen abgeben. Aber das Go-Spiel zwischen der künstlichen Intelligenz AlphaGo und Lee Sedol, einem der weltbesten Go-Spieler, hat gezeigt, dass Technik tatsächlich kreative Prozesse abbilden kann. AlphaGo hat 4:1 gewonnen. Technologie ist zwar die Zukunft, aber menschliches Denken und Handeln entscheidet, wie wir Technik nutzen und wie wir die Potenziale in unterschiedlichen Bereichen einsetzen werden.

Frederik G. Pferdt

Frederik G. Pferdt ist Chief Innovation Evangelist bei Google und unterrichtet an der d.school der Stanford Universität. Anfang Mai weilte Pferdt anlässlich der Verleihung des Houskapreises der B&C-Privatstiftung in Wien, wo er an einer Diskussionsrunde teilnahm.