Digital Life
06.01.2016

10.000 statt 140: Twitter will Zeichenlimit anheben

Twitter-CEO Jack Dorsey will den Nutzern des Dienstes mehr Platz geben und das Zeichenlimit drastisch erhöhen. Der Plan sorgt für wenig Begeisterung bei Nutzern.

Twitter-Nutzer können sich auf ein Ende der Einschränkung auf 140 Zeichen einstellen. Mitgründer und Chef Jack Dorsey warb am Dienstag dafür, längere Nachrichten zuzulassen. Die mit ersten Versionen auf SMS-Basis eingeführte Grenze animiere zwar zu Kürze und Kreativität, schrieb er. Aber Nutzer wollten auch längere Texte veröffentlichen und luden jetzt als Ausweichlösung Screenshots hoch.

Wenn man ihnen erlauben würde, die Passagen direkt als Text zu posten, könnte man sie zum Beispiel durchsuchbar machen, gab Dorsey zu bedenken. Twitter werde Dinge ausprobieren, die Nutzer haben wollen. Wenn eine getestete Funktion tatsächlich eingeführt werden sollte, werde Twitter Software-Entwickler rechtzeitig unterrichten. Recode berichtet unter anderem, dass das Ende des ersten Quartals als Starttermin angepeilt werde. Dorsey veröffentlichte seine lange Erklärung demonstrativ als Screenshot in einem Tweet.

Beyond 140

Das „Wall Street Journal“ schrieb unter Berufung auf Quellen bei Twitter, die Obergrenze solle auf 10 000 Zeichen hochgesetzt werden. Gerüchte um eine derartige Maßnahme gibt es bereits seit einigen Monaten. Bei Twitter wird das Projekt laut Recode unter dem Namen "Beyond 140" entwickelt. Seit Sommer gilt dieses Limit bereits für direkte Twitter-Nachrichten von Nutzer zu Nutzer. Dabei würden in einem Nachrichtenstrom wie bisher nur 140 Zeichen angezeigt. Um den Rest zu sehen, müssten Nutzer den Tweet anklicken. Ähnlich funktionieren bereits Dienste wie TwitLonger, die Nutzern helfen, längere Texte zu veröffentlichen.

Potential für Spammer

Diese Dienste würden aber auch die Zahl der Interaktionen mit Tweets gesenkt, wie eine Quelle von Recode anmerkt. Daher testet Twitter derzeit mehrere Designvarianten, die eine möglichst geringe Hürde darstellen sollen. Auch möglicher Missbrauch bei Hass- oder Spam-Postings werde berücksichtigt. So werden Szenarios, wenn beispielsweise Spammer möglichst viele Nutzer in einem Tweet erwähnen, durchgespielt.

Hier werde über eine mögliche Obergrenze nachgedacht. Dorsey will Twitter für Einsteiger attraktiver machen, um das schwächelnde Wachstum der Nutzerzahlen anzukurbeln. Die Börse ist von Twitters Plänen wenig begeistert, die Aktie fiel um knapp drei Prozent nach Bekanntwerden der Pläne.