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Gratis-WLAN
01/30/2012

245.728 Filesharing-Anfragen auf der Piste

Man könnte meinen, dass sich Touristen, wenn sie auf Österreichs Skipisten im kostenlosen WLAN surfen, für etwas anderes interessieren als für Filesharing oder Pornografie. Doch jüngste Zahlen aus der Skiregion amadé belegen, dass dem nicht so ist. Uneingeschränktes Surfen in einem "freien WLAN-Netz" ist jedoch nicht in allen österreichischen Skigebieten möglich, bestimmte Inhalte werden auf Wunsch der Skigebiete gesperrt.

von Barbara Wimmer

In gleich mehreren österreichischen Skigebieten gibt es seit diesem Winter kostenloses WLAN direkt auf der Piste. Doch nicht in allen Regionen ist das WLAN wirklich "frei". In der größten Skiregion Östereichs, amadé, zu der unter anderem der Stubnerkogel, die Flachau und die Reiteralm zählen, kommt beispielsweise eine gesicherte WLAN-Netz-Infrastruktur von Ikarus zum Einsatz.

Mittels Security-Proxy wird das Netz gegen Malware und Viren abgesichert, doch das Sicherheitssystem hat auch einen anderen Einsatzzweck: "Da diese Freiheit (Erklärung: der ständigen Online-Konnektivität) auch für kriminelle Zwecke missbraucht werden könnte, ist es notwendig, vorausschauend Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um möglichem Missbrauch von vornherein einen Riegel vorschieben zu können", heißt es in einer Aussendung des Anbieters für Sicherheitslösungen. Dazu werden URL-Filter eingesetzt, die bestimmte URL-Kategorien sperren. "Ein freies Netz ist kein Freibrief zum Download", sagt Projektleiter Siegfried Schauer von Ikarus zur futurezone.

Filesharing-Websites: 245.728 Anfragen
Auf den 860 Pistenkilometern, die die Skiregion im Ganzen umfasst, werden deshalb Filesharing-Seiten und pornografische Inhalte blockiert. Wie jüngste Zahlen, die vom Sicherheitsunternehmen anonym erhoben wurden, zeigen, versuchen genügend Touristen auch in ihrem Urlaub auf der Skipiste derartige Inhalte aufzurufen. Zwischen 1. und 16. Jänner 2012 wurden 245.728 Anfragen an Filesharing-Websites registriert. "Das ist die Gesamtzahl aller geblockten HTML-Seiten", erklärt Alexander Szlezak, Betreiber des WLAN-Netzes in der Region.

Bei pornografischen Inhalten gab es insgesamt 9099 versuchte Aufrufe, Malware wurde im Gegenzug dazu nur rund 1684 mal geblockt. "Diese niedrige Zahl an Malware lässt sich damit erklären, dass Viren und Schadcodes hauptsächlich über Filesharing- und FSK18-Websites verbreitet werden - und diese blocken wir", so Schauer. Auch der vergleichsweise niedrige Anteil an Pornografie überrascht Schauer nicht: "Wenn man mit seiner Freundin auf Skiurlaub ist hat man kein Interesse an Pornografie."

"Wir illegalisieren User nicht im vorhinein"
Im Skigebiet Schladmin/Dachstein, das bei kostenlosem WLAN als Vorreiter in Österreich gilt, ist das anders. Dort ist das Netz unverschlüsselt und frei zugänglich. "Man muss den AGB zustimmen und das war es", erzählt Peter Höflehner von digitALPS, der das Erstkonzept für die Region entwickelt hat. Die Nutzer verpflichten sich allerdings in den AGB "bei der Verwendung des WLAN die in Geltung befindlichen Gesetze einzuhalten, insbesondere keine File-Sharing Systeme zu verwenden oder das WLAN zu strafrechtswidrigen Handlungen zu verwenden."

"Wir wollten von Anfang an einen offenen Zugang schaffen. Beim Blockieren von Seiten ist fraglich, wo es anfängt und wieder aufhört. Der User muss selbst entscheiden, was für Seiten er aufruft, wir illegalisieren ihn nicht im vorhinein", so Höflehner. Bei Missbrauch behält sich der Betreiber jedoch vor, "die Abrufbarkeit von Internet-Seiten zu unterbinden".

Anonymisierte Daten fürs Marketing
Beide Skiregionen, die vom selben Betreiber namens Unwired Networks betrieben werden, speichern jedoch anonymisierte Daten über die Geräte, die sich im Netz befinden und über die aufgerufenen Websites. Dadurch lässt sich etwa feststellen, dass bisher (bis Mitte Jänner) 58,3 Prozent der Nutzer mit iOS-Geräten im Netz waren, 26 Prozent mit Android-Geräten, 4,9 Prozent mit Windows, 3,8 Prozent mit Blackberry, 2,7 Prozent mit Symbian und nur 0,9 Prozent mit Windows Phone.

Die Websites, die am häufigsten aufgerufen worden sind, war apple.com mit 13,4 Prozent, facebook.com mit 8,5 Prozent, skiamade.com mit 6,9 Prozent. Die häufigste Browser-Startseite war Facebook vor Google. Derartige Daten sind für die Skigebiete eine Bereicherung. "Dadurch lässt sich feststellen, in welcher Region es sich auszahlt, Apps für bestimmte Plattformen zu entwickeln", erklärt Höflehner.

SMS-Registrierung als Vorstufe zur Vorratsdatenspeicherung
Im Skigebiet Sölden, das von Loop 21 mit kostenlosem WLAN versorgt wird, werden derartige Daten nicht zugänglich gemacht. Hier misst man laut eigenen Aussagen anderen Zahlen und zwar die Zugriffe auf die Landing Page, also die Startseite, auf der man landet, nachdem man sich erfolgreich per SMS registriert hat. Seit Saisonstart hatte diese Startseite 67.200 Zugriffe von insgesamt 29 Nationalitäten bekommen. Anders als bei den anderen beiden Gratis-WLAN-Netzen setzt man hier auf eine SMS-Registrierungspflicht. "Durch die SMS-Registrierung ist nachvollziehbar, wer was nutzt", erklärt Melanie Tassev von Loop21.

Man sei zudem für die Vorratsdatenspeicherung, die am 1. April in Österreich in Kraft tritt, gerüstet, so Tassev.  In Sölden wird man daher laut Tassev ab 1. April "vorraussichtlich" auf kein freies Netz mehr treffen. Das Skigebiet Schladming/Dachstein und die Region amadé sind laut Auskunft des gemeinsamen Betreibers definitiv nicht von der Vorratsdatenspeicherung betroffen.

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Was man bei ungesicherten WLAN-Verbindungen beachten muss:
Ungesicherte WLAN-Netze wie in Sölden oder Schladming/Dachstein bringen jedoch nicht nur Vorteile mit sich. Es werden zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen notwendig, wenn man sich im Netz bewegt.

Man sollte darauf achten, dass man seine Verbindungen mittels HTTPS schützt. Bei Social Media-Diensten wie Twitter, Facebook oder Google+ lässt sich das jeweils entsprechend einstellen. Auch bei E-Mail-Betreibern wie GMX ist ein Aufruf via HTTPS möglich.

Diese Sicherheitsmaßnahmen müssen in der Skiregion amadé hingegen nicht beachtet werden. Der Gast müsse keine speziellen Einstellungen vornehmen, heißt es.